Wir wollen nicht auf – und seien es noch so bedeutende – „Gefühle“ eingehen; die stören beim Rechnen nur; uns interessiere hier lediglich einmal der Mond. Laut Tabellen hatte jener Tag die Nummer 2 373 926,9 (die hohe Dezimale, da es nahe an Mitternacht war); von irgendeinem Einheits-Vollmond ausgehend (z. B. 2 438 394,5) erhält man das Ergebnis, daß es damals tatsächlich zwei Tage vor dem Vollmond gewesen ist – Gibbon war ein verläßlicher Mann.

Es gibt noch weit beunruhigendere Betrachtungen hier! Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20 000, demnach rund 15 000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf das betreffende Buch wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit an. Das Kind schlingt seinen dicklichen May-Band in zwei Tagen hinunter (und die schönsten Stellen werden sogar mehrmals genossen); der Mann, tagsüber im Büro oder hinter Pflug und Schraubstock, druckst, selbst bei bestem Willen, drei. Wochen lang überm „Witiko“, den ihm ein sinniger Kollege empfahl. Sagen wir, durchschnittlich alle fünf Tage ein neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst, wenn man nur drei Tage für eines benötigte, wären’s immer erst arme 5000. Da sollte es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsamschroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen: Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Jaja, die „Julianischen Tage“: wieviel Sonnen haben Sie schon aufgehen sehen? Wieviel Vollmonde unter? Wieviel Tage trennen uns-heute von Goethes Tod? Wieviel von Christi Geburt: eine Milliarde Morgenröten; oder nur 700 000?

„Des Menschen Leben währet 70 Jahre“? – sagen wir: 25 000 Julianische Tage.