Das letztemal hatte uns eine „Goldpanik“ am 21. Oktober 1960 – der übrigens auch ein Freitag war – aufgeschreckt und wieder einmal deutlich gezeigt, wie abhängig vom gelben Metall unsere freie Weltwirtschaft heute noch ist. Eine unglaubliche Goldhysterie erfaßte damals die traditionellen Goldhandelsplätze Paris, London, Zürich, New York, Frankfurt und Hongkong und trieb den Dollarpreis der Feinunze (ca. 31,10 g) in wenigen Stunden von 35.25 auf über 40.00 $. Und das Seltsame an der Geschichte: Einen wirklichen Grund für das aufflackernde Goldfieber gab es eigentlich nicht. Die normalen internationalen Transaktionen in Gold, hinter denen ja immer eine latente Spekulation steht, gerieten einfach plötzlich aus dem Gleichgewicht. Unlokalisierbare Gerüchte hatten plötzlich gezündet und „Anhänger“ gefunden, und so war man denn bald überzeugt, daß irgend etwas zugunsten des Goldes geschehen werde.

Vor allem zwei Faktoren bringen den Goldpreis immer wieder aus der Ruhe: Da ist einmal die Auffassung, auf die Dauer könne der amerikanische Dollar den Abfluß von Gold aus den Tresors des US-Schatzamtes nicht ertragen und müsse deshalb über kurz oder lang abgewertet werden. Das aber bedeutet in jedem Fall einen sicheren Gewinn für alle Goldbesitzer, denn man darf wohl mit Recht vermuten, daß im Sog des Dollars noch einige andere Währungen mitgerissen würden. Eine zielbewußte Spekulation für das Gold beobachtet also immer den Dollar und das Pfund und errechnet sich von diesen Währungen her die Gewinnchancen.

Ein anderes Moment für die regelmäßig aufflackernden und manchmal recht umfangreichen Goldpreisänderungen ist in der Unausgeglichenheit nationaler Zahlungsbilanzen zu suchen. Schuldner und Gläubiger sollten doch verhältnismäßig kurzfristig ihre gegenseitigen Verpflichtungen ins reine bringen können. Dies ist aber von Staat zu Staat nur mittels größerer monetärer Transaktionen möglich. Ist der Zahlungsbilanzausgleich jedoch in Frage gestellt, so beginnt „heißes Geld“, das allerdings nur zum Teil Gold ist, zu wandern. Leichtbewegliches Kapital beginnt in der Welt umherzuvagabundieren und sucht nur ganz kurzfristige Anlage – auf diese Weise die kritische Lage verschärfend, in die hinein gewisse Währungen geraten sind. Die unliebsamen Folgen der Hot-Money-Wanderungen waren deutlich spürbar bei der D-Mark-Aufwertung im vergangenen Frühling, bedrängten dann auch den Schweizer Franken und verschärften im vergangenen Sommer vor allem die Situation für das Pfund Sterling. Sie werden auch in den kommenden Monaten die Währungspolitik verschiedener Länder unter Druck halten.

Zwar ist der Internationale Währungsfonds heute eine sehr gut ausgerüstete und auch perfekt funktionierende Institution, die schließlich jeder Währungsspekulation in kürzester Zeit den Garaus machen könnte (besonders seit die zehn stärksten Mitgliedländer eine neue „Notreserve“ geschaffen haben). Man muß aber leider annehmen, daß im Laufe des Jahres 1962 – bei weiteren großen Strapazen für das Pfund und den Dollar – wiederum Aufwertungs- und Abwertungsgerüchte auftauchen und somit die Goldspekulation von neuem angeregt wird. Denn wenn immer es im internationalen Währungsgebälk bedenklich zu knistern anfängt, ist daran nicht zuletzt die inkonsequente Haltung der Regierungen schuld, die hoch und heilig versichern, daß von Währungsmanipulationen keine Rede sein könne – worauf es dann doch meist nach kurzer Frist zu der feierlich abgeschworenen „Kursanpassung“ kommt.

So ist es in den vergangenen Jahren mehrmals mit dem französischen Franc passiert, bevor er endlich als „Neuer Franc“ stabilisiert werden konnte. So ging es zu Anfang des Jahres 1961 mit der Aufwertung der DM. Das letzte und prägnanteste Beispiel aber ist die „Abwertung“ des kanadischen Dollars (Ende Juni 1961), die fast ’unmittelbar auf die vielzitierte Erklärung des geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds Per Jacobsson erfolgte: „Ich glaube zu wissen, daß die für die Währung verantwortlichen Behörden in aller Welt entschlossen sind, die jetzt bestehenden Paritäten zu erhalten.“

Nach solchen Erfahrungen kann man es dem Berufsspekulanten ebensowenig wie dem mit Recht skeptisch gewordenen privaten Geldanleger verdenken, wenn er der Stabilität aller Währungen mißtraut und sich statt dessen mehr und mehr dem Gold zuwendet. Denn: Gold bleibt Gold, und wenn sich sein Wert in absehbarer Zeit einmal ändern sollte, dann bestimmt nur nach oben, darüber sind sich alle Sachverständigen einig.

Gold an fünfter Stelle