Erinnerung an den Monarchen, der einen Staat prägte

Wenn uns je die Gunst der historischen Stunde die Möglichkeit zur Wiedervereinigung schenken sollte, dann werden wir sie nur nützen können, wenn etwas von dem Geist des Mannes erhalten bleibt, der einst diesem Volk ein Staatsbewußtsein gab und dessen Geburtstag sich in diesen Tagen zum 250. Male jährt: dem Geist Friedrichs II. Wo bei uns noch staatsbildende Kräfte lebendig sind, wo noch die Nation für wichtiger gehalten wird als die Wohlstandsgesellschaft, da wird etwas deutlich von dem, was Friedrich II. einst geschaffen hat. Ein Preußen, das der modernste Staat des damaligen Europas war, ein Rechtsstaat inmitten einer Welt von absolutistisch regierten Fürstenstaaten.

Gleichheit vor dem Gesetz

Zwei Prinzipien, die in jener Zeit weitgehend unbekannt waren, bildeten die Grundlage von Friedrichs Staatsauffassung. Schon beim Regierungsantritt antwortete er auf die Frage, ob ein Katholik das Bürgerrecht erwerben dürfe: „Ein jeder kann bei mir glauben was er will, wenn er nur ehrlich ist.“ Und in der Tat wurden in Berlin den Katholiken königlicher Grund und Boden und königliche Mittel zur Verfügung gestellt, um dort die Hedwigskirche zu bauen. Religiöse Toleranz (nicht nur gegen andere Kirchen, auch gegen die Sekten), ein in jener Zeit unbekannter Grundsatz, galt ihm nicht nur als Ideal, sondern war schon von seinen Vorfahren seit über hundert Jahren praktiziert worden. Im Allgemeinen Landrecht Preußens heißt es: „Niemand soll wegen seiner Religionsmeinung beunruhigt, zur Rechenschaft gezogen, verspottet oder gar verfolgt werden.“

Dies das eine Prinzip. Das andere formulierte Friedrich II. gegen Ende seiner Regierungszeit 1779 in einem Schreiben an den Etatsminister von Zedlitz: „Denn ich will, daß in meinen Landen einem jeden, er sei vornehm oder gering, prompte Gerechtigkeit widerfahre und er nicht zum faveur eines Größeren gedrückt, sondern einem jeden ohne Unterschied des Standes und ohne alles Ansehen der Person unparteiische Justiz administriert werden soll.“ Also noch vor der französischen Revolution wird hier die Forderung der Gleichheit vor dem Gesetz postuliert.

In der Einleitung zum Allgemeinen Preußischen Landrecht, das von Friedrichs Geist geprägt wurde, heißt es: „Die Gesetze binden alle Mitglieder des Staates ohne Unterschied des Standes, Ranges und Geschlechtes. Jeder Einwohner des Staates ist Schutz für seine Person und sein Vermögen zu fordern berechtigt.“ Ein ganzer Katalog von Grundrechten des Bürgers ist dort erstmalig lange vor den Verfassungskämpfen des 19. Jahrhunderts zusammengestellt worden.

Wider die Willkür