Aktion Luftkorridor

Wohlkalkulierter roter Nervenkrieg gegen Westberlin Berlin, im Februar

Was auch immer auf dem internationalen Verhandlungsparkett geschehen mag — der rote Nervenkrieg gegen Westberlin hat sich wieder verstärkten, in Alarmbereitschaft stellten und darüber hinaus Jagdfliegerpatrouillen in die Korridore schickten.

Sowjetische Transportflugzeuge haben inzwischen zu den angegebenen Zeiten und Höhen tatsächlich die Luftkorridore benutzt. Es gab keine technischen Schwierigkeiten, weil der zivile Luftverkehr Berlins mit dem Westen sich zumeist zwischen 2500 und 3000 Meter abspielt, die Sowjets aber mit ihren Transportern bisher eine Flughöhe von 2500 Meter nicht überschritten. Praktisch sind die westlichen Flüge auf die 500 Meter beschränkt worden, die zwischen 2500 und 3000 Meter liegen. Denn es liegt eine alte sowjetische Maßgabe vor, wonach die Korridore nur bis 3000 Meter frei seien. Als die Sowjets vor Jahr und Tag damit herauskamen, protestierten die Alliierten zwar, aber richteten sich in der Praxis danach, um die „internationale Spannung" nicht zu erhöhen. Das war eine alliierte Rücksichtnahme auf sowjetische Wünsche, eine der vielen, die nichts einbrachte. Di? Sowjets verfolgen mit ihren Vorstößen gegen den freien Luftverkehr offenbar ein doppeltes Ziel. Nummer eins ist der „Freistadt" Plan für Westberlin. Nach Ansicht östlicher Funktionäre sind die Methoden zu seiner Verwirklichung heute so auskalkuliert, daß es nicht einmal mehr des separaten Friedensvertrages bedarf. Verschiedene in Aussicht genommene Maßnahmen reichen, so meinen diese Funktionäre, völlig aus. Die Kernüberlegung dabei ist, daß es durch ständige Intervention in den Korridoren gelingt, unterschiedliche Bedingungen für die alliierten Militärzüge und die alliierten Passagierflüge, zu schaffen. Das Ende vom Lied soll sein, daß die Militärflüge frei bleiben, über die Zivilflüge aber verhandelt wird. Sobald es gelungen ist, die Passagierflüge unter Sowjetzonale Kontrolle zu bringen, ist — nach diesem Plan — auch Westberlin unter sowjetzonale Kontrolle gebracht. Und damit sei, heißt es, auch das Ziel Nummer zwei gleichzeitig verwirklicht, nämlich die Flucht der aktiven Elemente. Berlins zu bewirken — damit die Stadt führungslos werde und dem roten Druck in der Zukunft völlig anheimfalle. Rene Bayer

Anzeige
 
  • Quelle DIE ZEIT, 16.2.1962 Nr. 07
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service