Bonn auf altem Kurs

Das Ergebnis der Botsehalterkonferenz im Auswärtigen Amt R. S., Bonn, im Februar

In der kleinen „Gipfelkonferenz" des Auswärtigen Amtes kamen die Missionschefs aus Washington, Moskau, London, Paris (hier gleich zwei: Botschafter Blankenhorn und NATO Botschafter v. Walther) und Rom in die Koblenzer Straße zu Bonn. Der Botschafterkonferenz wohnten auch die beiden Staatssekretäre und die Leiter der drei einschlägigen Abteilungen des Auswärtigen Amtes bei.

Dr. Kroll, unser eigenwilliger Botschafter in Moskau, scheint auch bei dieser Gelegenheit die Entspannungsmöglichkeiten zwischen den Westmächten und der Sowjetunion, im besonderen zwischen Moskau und Bonn, optimistischer beurteilt zu haben als die anderen Konferenzteilnehmer. Mag sein, daß er die Bedeutung persönlicher Beziehungen überschätzt. Immerhin hielt es Außenminister Schröder für richtig, ihn einige Tage über den ursprünglich vorgesehenen Abreisetermin hinaus in Bonn zu behalten, um sich eventuell seines Rates bei der Schluß Formulierung der deutschen Antwort auf das sowjetische Memorandum vom 27. Dezember zu bedienen. Die Antwort soll noch in dieser Woche fertiggestellt werden. In welcher diplomatischen Form auf das merkwürdige, adressaten- und absenderlose Memorandum geantwortet werden soll, war Mitte der Woche noch nicht entschieden. Diese letzte Entscheidung hat sich der Bundeskanzler vorbehalten. Vor ihrer Überreichung in Moskau wird die deutsche Antwortnote auf jeden Fall noch den Alliierten — vermutlich dem Lenkungsausschuß in Washington — gezeigt werden. Es stand von vornherein fest, daß ohne eine solche vorherige Konsultation mit den Verbündeten die Antwort nicht nach Moskau gehen werde.

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Die Diskussion auf der Botschafterkonferenz ergab, daß die NATO Partner der Bundesrepublik eine deutsch sowjetische Sondierung keineswegs mit Mißtrauen beobachten würden. Aber der Bundeskanzler war schon vorher entschlossen — und die Mehrzahl der Botschafter scheint diesen Entschluß für richtig zu halten —, zunächst von deutscher Seite nichts zu tun, was die Sondierungsgespräche Thompsons mit Gromyko irgendwie berühren könnte. Ob für später, falls Thompsons Erkundungsaktion ergebnislos bleibt, eine deutschsowjetische Fühlungnahme in Erwägung gezogen sverden könnte, ist noch offen. Grundsätzlich abgelehnt wurde ein solcher Versuch von der Botichafterkonferenz nicht.

Bei der Analyse der gegenwärtigen Situation ergab sich der Eindruck, daß der Kreml zur Zeit in einer Regelung der Berlin Frage nicht interessiert sei. Denn Chruschtschow hat wohl eingesehen, daß er die von ihm angestrebte Lösung, die Umwandlung Westberlins in eine „freie" — also schutzlose — Stadt, nicht haben kann. Und deslalb scheint er es vorzuziehen, den Berlin Hebel In der Hand zu behalten, um ihn bei Gelegenheit, vielleicht erst nach Monaten, aufs neue anzusetzen. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme auf der Botschafterkonferenz scheint zu sein, daß sich an den Voraussetzungen der bisherigen Außenpolitik der Bundesregierung gegenüber Moskau nichts wesentliches geändert hat, so daß der eingeschlagene Kurs bis auf weiteres beibehalten werden svird.

 
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