Den Kommunismus begreifen

Von Walter D. Schultz

Für manche scheint es eine jenseits des Zweifels stehende Tatsache zu sein, daß der westliche, europäisch amerikanische Lebensstil auf Fels gebaut und in Ewigkeit unveränderlich ist. Der Kommunismus als Idee und Praxis ist für sie weit entfernt, wenn nicht in Kilometern, so im Bewußtsein. Mit anderen Worten, sie reagieren so, wie das kultivierte, aber unpolitische, das ästhetisierende, aber passive Bürgertum zu Zeiten des aufkommenden Nationalsozialismus, reagiert hat. Solches selbstzufriedenen Lebensgenusses wegen schlägt das Buch Ernest J. Salter: „Deutschland und der Sowjetkommunismus — Die Bewährung der Freiheit"; Piper Verlag, München; 305 S, 8 80 DM Alarm. Salter versucht, seine deutschen Mitbürger über die eigentliche Natur des Sowjet Kommunismus aufzuklären.

Einige Thesen, die Salter vertritt, reizen vor allem diejenigen zum Widerspruch, die in der Entwicklung nach dem XX und XXII. Parteitag der KPdSU so etwas wie eine Liberalisierung erkennen wollen oder an eine „Verbürgerlichung" der sowjetischen Gesellschaft glauben. Salter vertritt dagegen die These, man habe es da mit ganz neuen und höchst aggressiven Praktiken zu tun, denen man nur ebenso dynamisch begegnen könne. Salter setzt sich daher energisch mit den deutschen- Irrtellektuelleri. Auseinander, - den£n„etJSlicbjt; begreifen des Sowjetkommunismus vorwirft und eine verhängnisvolle „sentimentale" Haltung. Salter fordert den aktiven Kampf gegen den Kommunismus, und er stellt darum Forderungen wie diese: „Die Bundesrepublik muß, wenn sie überleben will, bereit sein, einen wesentlich größeren Teil ihres Sozialproduktes als bisher für die soziale und damit für die politische Immunisierung einzusetzen. Wenn von Opfern für die Verteidigung der Freiheit in der Bundesrepublik gesprochen wird, so muß dieses Opfer einen konkreten Inhalt erhalten. Den konkreten Inhalt aber kann nur die Persönlichkeit geben, die bereit ist, auf einen Teil des Eigenen zu verzichten, damit Leben und Freiheit erhalten bleiben " Obwohl ich dem Autor nicht immer zu- folgen vermag, fasziniert mich die Scharfsinnigkeit seiner Gedankengänge. Sein Buch, als Beitrag zur oft beschworenen Aktivierung der deutschen Politik gedacht, erfüllt seinen Zweck durchaus in dem Sinne, daß es zu Diskussionen anregen kann.

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