"Der Festzug"

Jies ist die, ach, so schlimme Geschichte vom willensschwachen Maschinenschlosser Anton Seifert, der sich zwischen Fernweh und Heirat nicht entscheiden konnte: Autor Rainer Puckert schrieb eine Struwwelpetergeschichte mit überdeutlicher Moral.

Seifert also war mit einem lieben Mädchen verlobt, hatte die Hochzeit aber schon zehnmal verschoben, weil ihm halt das Erreichbare — ein lokales Durchschnittsleben — nichts galt und er doch so sehr nach verwegenem Abenteuer in anderen Zonen lechzte. Er gerät eines Abends in die unübersehbare Menge von Menschen, die auf einen Festzug warten. Und auf einmal überkommt ihn der Geist der Masse, und er lyncht mit anderen einen Polizisten.

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Nun hat man sich ja eigentlich auf ein Hörspiel vorbereitet und weniger auf einen Anschauungsunterricht in Psychoanalyse. Umständlich und haargenau wird jedoch das stundenlange Anwachsen der Menschenmenge geschildert, dazwischen eingestreut sind banale Episoden zur Zeichnung von Seiferts unzweckmäßiger Seelenlage. Das gibt sich sehr bedeutsam, geht aber bei so mäßig angewandten Stilmitteln und beim Fehlen jeder Dramatik und Spannung denn doch verloren, und die Aufmerksamkeit des Hörers erlahmt rasch. H. K.

 
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