Hamburg Die "Profis" setzen sich durch

Aus der Statistik des Landeskriminalamtes Hamburg R. H., Hamburg

Über Mangel an Arbeit kann sich das Landeskriminalamt Hamburg nicht beklagen. Aufgeklärt wurden 1960 von 86 588 Fällen 51 3 Prozent, 1961 von 90 193 Fällen 50 4 Prozent. Daß die Prozentzahl niedriger ist als in anderen Ländern, liegt daran, daß man in Hamburg unter „Fällen", nur wirkliche Kriminalfälle versteht, während andernorts oft Zoll, Steuer- und Paßvergehen, Verstöße gegen das Lebensrnittelgesetz und die Gewerbeordnung sowie Verkehrsvergehen mitgezählt werden. Nur solche Verkehrsdelikte, bei denen Menschen getötet worden sind, wurden auch in Hamburg mitgezählt „Bei uns liegt also eine echte Kriminalstatistik vor", betonte Hamburgs leitender Kriminaldirektor Dr. Land. Hamburgs Einwohner haben sich im vergangenen Jahr um 0 7 Prozent vermehrt, die Kriminalfälle aber nahmen um 4 4 Prozent zu. Lag es daran, daß es den alten und neuen Hamburgern recht gut gegangen ist, daß sie gegenüber ihrem Eigentum sorgloser geworden sind? Auf jeden Fall: sie hatten mehr, und sie ließen sich mehr stehlen. Wo in der Stadt etwas zu finden ist, wissen freilich am besten die rund fünfzehnhundert Gewohnheitsverbrecher, durchweg alte Bekannte der Polizei, von denen im Dezember 381 in Haft waren. Die Wohlhabenheit in der Freien und Hansestadt, mit viel Besitz und Vollbeschäftigung, erhöht die Aussichten für Diebe und Betrüger auch indirekt: beachtliche Werte werden Leuten anvertraut, die früher kein Chef eingestellt hätte. Und diesen Leuten ergeht es zuweilen nicht einmal schlecht, wenn es herauskommt, daß sie gestohlen oder betrogen haben. Ein ungetreuer Angestellter, der ertappt worden ist, sich aber bessern und womöglich den Schaden ersetzen will, ist mancher Firma lieber als kein Angestellter. Die Polizei mag von der Existenz solcher „Dunkelziffermänner" wohl etwas ahnen, kann sie aber nur fassen, wenn der breite Rücken des Chefs nicht volle Deckung gibt.

Im übrigen liegt das Geld auf der Straße: in Form von Autos (2368 wurden gestohlen, 2254 wieder herbeigeschafft), im Innern der geparkten Autos (in einer Woche wurden aus drei Wagen drei Nerzcapes gestohlen!); es liegt in den Taschen der Teilnehmer von Bierreisen, besonders auf St. Pauli. Offen wie die Straßen — und meist unbewacht — stehen die Neubauten da. Neben vielem anderen, was „einer, der selbst ein bißdien baut, gut brauchen kann", fanden sechzig teure Boiler in Neubauten ihren unrechtmäßigen Besitzer. Schwerer, und einfacher Diebstahl sind mächtig aufgeblüht: über viertausend Fälle mehr als 1960; zurückgegangen sind Betrug, Unterschlagung und Brandstiftung. Eine konstante Größe, vergleicht man die beiden vergangenen Jahre, sind Morde und Totschlag (1960 — 39, 1961 — 38 Fälle). Unaufgeklärt blieben zwei Morde (auf St. Pauli) und der Mordversuch an einem Polizeibeamten. „Wir könnten mehr aufklären, wenn wir mehr Leute hätten", sagt Hamburgs Kriminaldirektor. „Unsere Beamte sind manchmal vier Tage und Nächte nacheinander im Einsatz. Danach brauchen sie einfach Ruhe Zu wenig Fachleute hat man am Karl Muck Platz besonders für die „Fachleute". Die Fälle nahmen zu, die Zahl der Täter nahm ab. Das heißt: es waren mehr Täter am Werk, die im Hauptberuf Rechtsbrecher sind, die keine andere „Arbeit" anfassen. Sie machen dem Kriminalisten, mehr Schwierigkeiten als die Laien, die mit dem Leugnen, Verdunkeln und Schweigen nicht so gewandt sind wie die Professionellen.

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