Ein Mann mit vielen Stärken

Dufhues soll die CDU-Krise auffangen / Von Walter Gong Bochum, im Februar.

Fn der Westfalenhalle zu Dortmund hatte er, ein wohlbeleibter, aber dennoch agiler Mann, den Wahlkampf 1961 für die CDU mit einer so donnernden Ansprache eröffnet, daß es im. Rund der 20 000 zu brodeln begann. Fast habe er den Höhepunkt der Großkundgebung — den Aufmarsch der Gladiatoren, mit Adenauer an der Spitze — vorweggenommen, hieß es damals unter den anwesenden Parteistrategen. Jetzt haben ihn diese Parteistrategen in die vorderste Reihe berufen. die drohende CDU Krise abzufangen.

Es fällt einem schwer, den Redner vor 20 000 begeisterten CDU Wählern in dem ruhig liebenswürdigen Gastgeber wiederzuerkennen, der den Besucher mit einem gefüllten Kuchenteller, viel Schlagsahne, bitterduftendem Kaffee und selbstsicherer Gelassenheit erwartet.

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„Sind Sie und der Redner in der Westfalenhalle eigentlich derselbe?" Da lacht Dufhues und meint: „Ach, wissen Sie, wenn man sich das vorher überlegt Er sprichts nicht aus, aber was er meint, spürt man: Wenn einer nur scharf genug nachgedacht, wenn er von vornherein die Akzente richtig placiert hat, kann er auch ruhig donnern „An sich bin ich Industrieanwalt. Meine Stärke ist das Verhandeln " Er hat, so scheint es, der Stärken viele, und er hat sie in der richtigen Dosierung: Nicht zuwenig Temperament und auch nicht zuviel; Intellekt, ja, aber auch, wenns sein muß, die Ärmel hochgerollt und ran an den Feind; Jdihler Verstand und naturgegebene Jovialität.

Was die Partei an ihm hat, weiß er, weiß aber auch der greise Parteichef, zu dem Dufhues — so er selber — „oft in einem Spannungsverhältnis stand", der ihm jetzt aber, da Dufhues zum künftigen Generalsekretär der CDU gekürt wurde, ausdrücklich sein Vertrauen ausgesprochen hat und seine moralische Unterstützung nicht versagen wird.

„Und die anderen?" „Ja, als meine künftige Aufgabe erörtert wurde, da haben zwar die einen gesagt, das stand doch gar nicht auf der Tagesordnung, und die anderen, laßt uns das mal ein paar Wochen überlegen — aber zum Schluß herrschte Einmütigkeit " Einmütigkeit worüber? Daß die CDU JosefNordrhein Westfalen und Innenminister des großen Landes, den heißen Redner, den kalten Organisator, den zupackenden Anwalt, in Bonn braucht, an der Frontlinie des politischen Kampfes um die künftige Geltung der seit 1949 regierenden Christlichen Demokraten.

Der 1908 in Castrop Rauxel geborene, als erfolgreicher Industrieanwalt bekanntgewordene, 1945 zunächst in der Zentrumspartei, dann in der CDU wirkende Politiker spielte sich zum ersten Male 1956 auf dem Bundesparteitag der CDU in den Vordergrund: Damals verlangte er eine Erweiterung des Bundesvorstandes und setzte sie durch. Adenauer widersprach zunächst, schickte sich dann aber drein.

Dufhues weiß, was er will: „Angestellter der Partei werde ich nie. Ich nehme keinen Pfennig von ihr. Ich wahre meine Unabhängigkeit. Meine Anwaltspraxis betreibe ich weiter".

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