Film
„Der General" (USA; Verleih: Atlas): Der General ist gar kein General, sondern eine Lokomotive, die „General" heißt. Sie dampft im nordamerikanischen Sezessionskrieg quer durch die Fronten von einem Hinterland ins andere und zurück, stiftet Verwirrung und verhilft gar einer Seite zum Sieg. Dennoch ist „The General" alles andere als ein Kriegsfilm. Denn auf dem „General" sitzt als Lokführer Buster Keaton, jener kleine Stummfilmkomiker mit dem wie aus Holz geschnitzten, todernsten Gesicht, unter welchem sich die restlichen Körperteile in dauernder, lächerlicher Bewegung befinden. Um ihn herum verkleinert sich die nationale Auseinandersetzung zu einem absurden Durcheinander. Das Thema ist der Maschinist und seine Lok. Dabei ist der Hauptdarsteller die Maschine. Sie ist vom Menschen konstruiert, entwickelt aber ihren eigenen, ihm entgegengesetzten Willen, sobald er sie (wie hier im Krieg) zweckentfremdet strapaziert. Dem Verleih, der diesen Film aus dem Jahre 1927 aus dem Archivschlaf befreit hat, gebührt Dank ktl Der verdienstvolle Verleiher Walter Kirchner macht uns hier mit einem wichtigen Werk der neueren Filmgeschichte bekannt, von dem man bei uns nur aus ausländischer Literatur und vom Hörensagen wußte. Dieser Film Roberto Rossellinis von 1948 besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. Der erste, „La Voce umana" („Die menschliche Stimme"), ist eine Filmbearbeitutig des gleichnamigen Einakters und Einpersonenstücks von Cocteau, er zeigt eine verzweifelte Frau, die am Telephon das letzte Gespräch mit ihrem Geliebten führt, der sie verläßt, um eine andere zu heiraten. Der zweite, „II miracolo" („Das Wunder"), handelt von einer Irren in einem süditalienischen Dorf, die von einem wandernden Hirten, den sie für den heiligen Josef hält, ein uneheliches Kind bekommt und grausamen Verhöhnungen aus ihrer Umwelt ausgesetzt ist. Beide Rollen sind darstellerische Bravourleistungen der Magnani. Ja, der erste Teil wird eigentlich nur durch diese Schauspielerin erträglich. Der zweite ist der vehemente Erstling jener „metaphysischen Variante des Neoverismus, der später seine Blüte in den Filmen Fellinis erlebte (der hier das Drehbuch geschrieben hat und den Hirten spielt) ktl
- Datum 16.02.1962 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.2.1962 Nr. 07
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