Frieden steht vor der Tür

Wie werden die Algerier und die Franzosen ihn aufnehmen?

Paris im Februar

feines der wichtigsten Ereignisse, die unser aufgeregtes Europa augenblicklich beschäftigen, spielt sich in diesen Tagen wie ein grandioser Kriminalroman ab: Die Vorverhandlungen um den Frieden in Algerien. Bomben, Schüsse, Morde. Aber nicht zu vergessen die Verfolgungsjagden im Dunkeln, die sich im Grenzgebiet zwischen Frankreich und der Schweiz abspielen, wo Journalisten und gewiß auch OAS-Kommandos tagelang atemlos hinter französischen Ministern und algerischen Zukunftsministern dreinhetzen.

Anzeige

Wo sind die geheimnisvollen Verhandlungsorte? Man raunt von dem und jenem feudalen Hotel, wo die Partner beider Gruppen friedlich unter ein und demselben Dach geschlafen, friedlich an ein und demselben Tisch verhandelt haben. Erreicht dann die Meute einmal das Wild, so sieht sie gerade noch seine Lichter – will sagen die Schlußlichter der zu neuem unbekanntem Ziel abbrausenden Automobile.

So geheim sind in der Tat noch keine Verhandlungen geführt worden wie diese, die sich schon seit Monaten um das Schicksal Algeriens abspielen und um das Los der „europäischen Minderheit“: so der Ausdruck de Gaulles in seiner letzten Rede. Dabei war die Schweigsamkeit der französischen Unterhändler noch stets viel größer als die der algerischen Führer. Aus Tunis kamen die sichersten Zeichen, daß alles sich zum Guten – das heißt zunächst: zum Waffenstillstand – wenden werde, wobei man hinzufügte: Falls in letzter Stunde noch etwas schief ginge, so käme das allein auf das Schuldkonto Frankreichs.

Tüpfelchen aufs i

Nachdem in Vorverträgen Buchstabe für Buchstabe die gemeinsame Ausbeutung der Bodenschätze in der Sahara festgelegt wurde, stiegen auf einen Schlag die Petroleum-Aktien an der Pariser Börse. Das war sozusagen das Tüpfelchen auf das i. Gleichermaßen sichere Vorzeichen liegen für das Gelingen der anderen Vertragspunkte freilich nicht vor. So zum Beispiel nicht für gewisse Passagen des Vertrags, in denen vorgesehen ist, daß der „schmutzige Krieg“ mit seinem Ende auch den Schmutz verlieren wird. Nichts mehr von Torturen und Greueltaten. Keine nachträglichen Prozesse nach Nürnberger Art. Bemühungen beiderseitigen Verzeihens – wie segensreich! Aber läßt sich dies durch Verträge erreichen?

Service