Gewinne wuchsen nicht mit
Beträchtliche Geschäftsausweitung bei der Vereinsbank in Hamburg
Bei der Vereinsbank in Hamburg war es im Geschäftsjahr 1961 nicht viel anders als bei den zahlreichen Industriebetrieben: Das Geschäft nahm stark zu, aber die Gewinne wuchsen nicht mit. Von zwei Seiten her wurden die Erträge verkürzt. Einmal stiegen die Unkosten, besonders auf dem Gebiet der Gehälter, zum anderen mußte bei eingeengter Zinsmarge gearbeitet werden, verursacht durch die diversen Diskontsenkungen, denen die Herabsetzung der Habenzinsen nur schleppend folgte, sowie durch den härteren Wettbewerb der Banken untereinander. So kam es, daß die Vereinsbank in Hamburg, obwohl ihre Bilanzsumme per 31. 12. 61 um 10 5 °o auf 735 2 Mill. DM stieg kaum mehr verdient haben dürfte als im Jahre 1960, das die Banken jedoch als ein Rekordjahr ansehen.
Die Verwaltung schlägt der auf den 6. März einberufenen Hauptversammlung vor, wieder eine Dividende von 16 °o auszuschütten. Die Dividende wird allerdings auf ein um 9 auf 25 Mill. DM erhöhtes Aktienkapital gezahlt. Es müssen für die Gewinnverteilung diesmal 4 Mill statt zuletzt 2 56 Mill. DM zur Verfügung gestellt werden. Die Mehrausschüttung geht jedoch nicht allein aus den Kassen der Bank, sondern auch aus denen des Finanzamtes, denn durch die erhöhte Dividende unterliegt ein größerer Teil des Gewinnes als im Vorjahr der ermäßigten Körperschaftsteuer von 15 %. Das erklärt auch, warum sich die in der Gewinn- und Verlustrechnung befindliche Steuerposition auf 6 6 (8 1) Mill. DM verringert hat. Daneben wurden Abschreibungen steuerlich wirksam, die auf die Errichtung von Niederlassungen und Zweiggeschäften gemacht werden konnten. Wer versucht ist, über die gezahlten Steuern den „wahren" Gewinn zu berechnen, wird berücksichtigen müssen, daß in dem Posten „verzinsliche Wertpapiere" von 33 1 (28 3) Mill. DM überwiegend steuerfreie und steuerbegünstigte Titel enthalten sind, die schätzungsweise eine steuerfreie Einnahme von 1 25 Mill. DM gebracht haben dürften. Daneben sind aus den Schachtelbeteiligungen (Bavaria- und St. PauliBrauerei, Holsten Brauerei und New York Hamburger Gummi Waaren Compagnie) höhere Beträge steuerbegünstigt angefaller als in 1960. Den offenen Rücklagen hat die Bank 2 2 (2 8) Mill. DM zugeführt. Sie machen jetzt 23 Mill. DM aus, so daß die ausgewiesenen Eigenmittel der Bank 48 Mill. DM betragen, das sind 6 53 (5 53)% der ausgeweiteten Bilanzsumme. Eine Notwendigkeit, das Kapital zu erhöhen, ergibt sich deshalb vorläufig nicht. Wie es am Ende dieses Geschäftsjahres aussehen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht geht die Bank dann den Weg, den die Großbanken im Vorjahre beschritten haben, und schlägt eins PariKapitalerhöhung vor als Ersatz für eine Dividendenerhöhung, die dann gleichzeitig dazu beiträgt, das Eigenkapital in einem optisch richtigen Verhältnis zur Bilanzsumme zu halten. Vieles deutet darauf hin, daß man nur ungern den Dividendensatz von 16 °o überschreiten würde. Der Gewinnverteilungsvorschlag des vergangenen Jahres hat jedoch gezeigt, daß die Bank Phantasie genug besitzt, um die Aktionäre in guten Geschäftsjahren auch entspreche1 am Ergebnis zu beteiligen. Für 1960 wurde neben der Ausschüttung einer Dividende von 16 % noch eine „Aufstockungsdividende" (oder Stockdividende) von 5 °o verteilt. K. W.
- Datum 16.02.1962 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.2.1962 Nr. 07
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