Gespräche am Bankschalter Investment-Fonds mit Liquiditätsreserve
In diesen Tagen hat der Deutsche Investment Trust, Frankfurt Main, Tochtergesellschaft der Dresdner Bank, die Rechenschaftsberichte für sne vier Fonds (Concentra, Thesaurus, Industria und Transatlanta) vorgelegt. Das Geschäftsjahr 1961 stand bei allen Fonds im Zeichen der durchgreifenden. Veränderungen, die sich überall auf den Weltbörsen vollzogen haben. Die Fondsverwaltung bescheinigt den deutschen Anlegen, daß sie während der Berlin - Krise besonnen reagiert haben. Natürlich mußten sich die Fonds darauf einstellen, daß sich der Rückfluß der von ihnen ausgegebenen Zertifikate in den Krisenttonaten verstärken würde. Diese Vorsorge war richtig und hat schließlich zur Stabilisierung der Aktienmärkte beigetragen, denn die im August rückfließenden Zertifikate führten dank der geschaffenen Liquiditätsreserve nicht dazu, daß die Fonds an den wirklich schwachen Börsentagen Aktien aus ihren Beständen veräußern mußten. Meine verehrten Leser, wir haben schon oftmals an dieser Stelle versucht, den InvestmentFonds „auf ihre Anlageschliche zu kommen", einfach deshalb, weil die Dispositionen bei ihnen von unbestrittenen Fachleuten getroffen werden. Aus den Rechenschaftsberichten kann man sehen, was diese Experten für richtig und falsch angesehen haben. Aber man muß vorsichtig sein, wenn man daraus Schlüsse für die eigenen Änlageerwägungen ziehen will. Denn der Rechenschaftsbericht behandelt bereits ein Stück Vergangenheit. Was 1961 richtig war, braucht 1962 nicht mehr zu stimmen. Immerhin ist es ganz interessant, die Bewegungen innerhalb der Fonds mit seinen eigenen Entschlüssen zu vergleichen.
Ein wichtiger Punkt in der Anlagepolitik 1961 bei den Fonds Concentra und Thesaurus war die Liquiditätsreserve. Sie wurde nicht nur in Vorsorge vor überstürzten Zertifikatsrückflüssen gehalten, sondern auch in der Erwartung, daß sich die Aktienkurse nicht auf der bisherigen Höhe halten würden. Die Dresdner Bank war — das blieb in Börsenkreisen nicht verborgen — zu manchen Zeiten mit Aktienverkäufen recht großzügig, was darauf schließen ließ, daß sie — und daneben ihre Fonds — sich von Aktien „entlasteten", um möglichen Kursverlusten zuvorzukommen. Bei Concentra wurde ein Teil der flüssigen Mittel in festverzinslichen Werten angelegt. Das war richtig, denn die Aktienkurse fielen, während der Rentenmarkt zur gleichen Zeit freundlich bis fest lag. Eine solche Politik hat natürlich ihre Grenzen. Wenn man Investment Sparern Zertifikate eines Aktienfonds verkauft, so darf man nicht unbeschränkt festverzinsliche Werte hereinnehmen. Immerhin ist es gelungen, die Folgen der Aktienbaisse für die Sparer abzumildern.
Für alle am Aktienmarkt interessierten Kreise ergibt sich natürlich die Frage: „Sind die Fonds weiterhin bedacht, eine hohe Liquiditätsreserve zu. halten? Oder wird das Rentenpolster bereits abgebaut, um den Aktienbestand zu verstärken? Sieht die Dresdner Bank bereits den Ansatzpunkt für eine neue Aufwärtsbewegung gekommen?" Eine Antwort darauf findet man in den Rechenschaftsberichten natürlich nicht. Aber es haben sich bislang auch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, daß in den ersten Wochen des Jahres 1962 eine neue Schwenkung vollzogen worden ist. Jedenfalls vertritt die Dresdner Bank in ihren wöchentlichen Börsenberichten immer noch die These einer mehr vorsichtigen Zurückhaltung, wenngleich natürlich von Zeit zu Zeit dazu geraten wird, mit dem Kauf erstklassiger Papiere zu beginnen. Man könnte daraus den Eindruck gewinnen, daß das Institut den Endpunkt der Baisse in etwa als erreicht ansieht, aber eher mit Wochen kleinerer Schwankungen rechnet als mit einem forcierten Wiederanstieg der Kurse.
Aber zurück zu den Fonds. Faßt man Concentra und Thesaurus zusammen (zwischen den beiden Fonds kam es als Folge des Umtauschangebotes Concentra in Thesaurus, wo es keine Ausschüttungen gibt, zu Verschiebungen), dann zeigt sich, daß die Zahl der Zertifikate trotz der Aktienbaisse gegenüber Ende 1960 gestiegen ist. Das Wachstum hat sich allerdings merklich verlangsamt. Sowohl bei Thesaurus als auch bei Concentra ist der Anteil der Zinsen und Dividenden an den Einnahmen größer geworden. Man achtet mehr auf eine echte Rendite des Fonds. Um die Concentra Ausschüttung „aufzupulvern", werden den Besitzern der Zertifikate daneben Kursgewinne und Bezugsrechterlöse zur Verfügung gestellt. Ohne Zweifel nimmt ein bestimmter Kreis von Investment Sparern diesen gewissen Substanzverzehr für eine günstige „Investmentrendite" gern in Kauf.
Zur Anlagepolitik selbst ist zu sagen, daß die Gruppen „Elektroindustrie und Versorgung" und „Kali, Erdöl" nahezu unverändert geblieben sind, die Anteile der „Chemischen Industrie" und der „Montanindustrie" verringert wurden. Verstärkt wurden „Fahrzeuge, Maschinenbau" und „Verschiedene". Neu aufgenommen wurden u a die Aktien des VW Werkes sowie die Aktien der Münchener Rückversicherungs Gesellschaft und der Standard Elektrik Lorenz AG. Dabei ist anzumerken, daß Concentra schon sehr frühzeitig VWAktien gekauft haben muß und daß die Bestände vermutlich in den letzten Monaten des Jahres noch verstärkt worden sind. Concentra hat offensichtlich darauf verzichtet, die VW Aktien — als die Kurse über die 1000 Prozent Grenze hinausgingen — wieder aus dem Fonds zu entfernen, wie es seinerzeit die holländische Anlagegesellschaft Robeco getan hat, die damals rundheraus erklärte, daß sie in den Kursen keine Chance mehr sah.
. Bemerkenswerte Erfahrungen machte der Investment Trust mit seinen beiden Fonds Industria und Transatlanta, die Auslandswerte enthalten. Beide haben sich rückläufig entwickelt. Offenbar hat der private Sparer unter dem Eindruck der politischen Ereignisse weniger der Auslandsals der Inlandanlage getraut. Allerdings sind Zertifikate deutscher Investment Fonds auch kein Instrument für eine Kapitalflucht. Diese kann mit Erfolg wohl auch nur von einem kleinen Kreis von „Kapitalisten" vorgenommsn werden. Dennoch hätten natürlich die Investment Sparer im vergangenen Jahr besser daran getan, wenn sie ihre Ersparnisse in erhöhtem Maße den Fonds mit Auslandsaktien anvertraut hätten.
Der Transatlanta Fonds nahm eine gute Entwicklung. Sowohl die Kurse wie die Ausschüttungen (sie allerdings vornehmlich durch realisierte Kursgewinne) sind gestiegen. Die amerikanische Börsenhausse hat sich stark, und zwar vor allem auf die Ausgabepreise ausgewirkt. Die Sprecher der Fonds meinten hierzu, möglicherweise hätten Zertifikatsbesitzer, nachdem ihre Kurserwartungen in Erfüllung gegangen sind, ihre Engagements glatt gestellt, um in deutsche Werte zurückzukehren. Da die Transatlanta Zertifikate im Laufe des Geschäftsjahres um 7 °o gestiegen, Thesaurus Zertifikate zum Beispiel aber um 7 °o gefallen sind, war das möglicherweise kein schlechtes Geschäft. Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius
- Datum 16.02.1962 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.2.1962 Nr. 07
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