Leipzig wirbt in NATO-Staaten

Voraussichtlich 500 Aussteller weniger aus der Bundesrepublik

ternehmen ihre Verträge über die Messestände derung des Handels mit der DDR beauftragt, die DunaesrepUDiiK unu wesioeriin seiir siürK iuiuuv- - - ,. ,,.

,H. L, Berlin, im Februar Gewohnheiten hat das Leif ziger Messeamt bisher die Zahl der Aussteller aus der Bundesrepublik und Westberlin, die sich der Leipziger Frühjahrsmesse vom 4 bis 13. März beteiligen wollen, nicht bekanntgegeben. Messedirektor Lemser beließ es bei der kurzen Feststellung, daß „mehrere hundert Firmen aus der Bundesrepublik und Westberlin" erwartet würden.

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Offenbar wollte er der Öffentlichkeit nicht mitteilen, daß mehrere hundert westdeutsche Unnach dem 30. September vorigen Jahres erneuert haben, trotzdem aber lieber die fällige Konventionalstrafe zahlen, als auf der Frühjahrsmesse zu erscheinen. Daß die Zahl der Aussteller aus der Bundesrepublik und Westberlin sehr stark zurückgegangen ist und sich gegenüber der Frühjahrsmesse 1961 um mindestens 500 verringert haben dürfte, geht schon daraus hervor, daß diesmal die westdeutschen Firmen lediglich eine Gesamtausstellungsfläche von 18000 Quadratmetern belegen, während im Frühjahr 1961 den 1217 Firmen aus der Bundesrepublik und Westberlin 30 802 Quadratmeter zur Verfügung gestanden haben.

An der Messe beteiligen sich Firmen aus 53 Ländern. Getreu der Chruschtschowschen Dreiteilungstheorie behauptete Messedirektor Lemser allerdings, auf der Frühjahrsmesse würden mit der „DDR", Westberlin und der Bundesrepublik 56 Länder vertreten sein! Es ist dies einer der ganz kleinen Tricks, die zeigen, daß in Leipzig Politik und Propaganda an erster Stelle stehen. Das Messeamt scheute auch keine Mittel, als Ersatz für die fehlenden westdeutschen Aussteller Firmen aus den NATO Staaten nach Leipzig einzuladen, um dann voller Stolz verkünden zu können, daß die Westfirmen trotz des „NATO Boykotts" gekommen seien. Leipzig konzentrierte sich einmal auf Dänemark, wo kürzlich mit großem Pomp ein „Leipziger Messeball" veran,staltet wurde, an dem über 1000 Kopenhagener Wirtschaftler teilnahmen. Außerdem wurde die Reklametrommel für Leipzig auf kostspieligen Empfängen in verschiedenen Großstädten Frankreichs und Belgiens gerührt.

Der Erfolg war allerdings nicht allzu durchschlagend. In den letzten vier Monaten meldeten sich nur noch 65 Firmen aus NATO Staaten zur Leipziger Messe an. Da die Funktionäre aus dem Messeamt in die westlichen Länder zur Zeit kaum Einreisevisa erhalten haben, wurden ausländische Vertreter und die jeweilige „Gesellschaft zur FörFirmenwerbung vorzunehmen.

Als Aussteller nicht vertreten sind diesmal China, die Mongolei und Nordkorea. China, so erklärte Messedirektor Lemser, sei drei Jahre von Naturkatastrophen heimgesucht worden, wor wesentliche Schwiengkeiten ergeben hat;,. Grund weshalb China diesmal nicht ausstellen könne. Keine 24 Stunden später wurde seine Behauptung allerdings von dem SEDZentralorgan „Neues Deutschland" desavouiert. Unter der Überschrift „China meldet Produktionserfolge" wurde dort über sensationelle Wirtschaftsergebnisse und über den erfolgreichen Kampf der Bauern gegen die Naturgewalten berichtet, denen in verschiedenen Gebieten „für immer ein Ende gesetzt sei".

Statt China ist aber erstmalig Japan vertreten und zwar mit der größten Ausstellung der Stahlbranche überhaupt. Die Zone liefert schon seit geraumer Zeit Roheisen an japanische Firmen und bezieht dafür hochwertige Stähle und Bleche. 70 % der gesamten japanischen Stahlindustrie stellt in Leipzig aus und hofft auf große Geschäfte. Trotz allem kann Pankow auf den Interzonenhandel nicht verzichten, wenn auch das Wort „Störfreimachung" in der SED Propaganda noch eine große Rolle spielt. Schwierigkeiten traten in der Versorgung mit hochwertigen Medikamenten auf, weshalb auch pharmazeutische Firmen aus der Bundesrepublik in Leipzig Chancen haben werden.

 
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