Ruhe für ruhige Gäste
Von Ernst Kreuder
"Cpr erzählte mir diese Geschichte im Gasthof ■- J „Zur Löwengrube", der gegenüber den Gefängnistoren liegt "Dort holte ich ihn ab, nachdem man mich rechtzeitig informiert hatte. Er aß jetzt zum ersten Male wieder Rindswürstchen mit Kartoffelsalat.
„Damals", sagte er mit fettigen. Lippen, „als ich das unscheinbare Hotel übernahm, war mir daran gelegen, den Gast weder zu täuschen noch ihn zu etwas zu zwingen. Daher schaffte ich erst einmal das ganze übliche Hotel Trick Frühstück ab " „Gefärbtes Mus", sagte er kauend, „gefärbte heiße Brühe mit Kaffeegeschmack, zwei Semmeln, zwei geriefte Butterkleckse, das war noch niemals seine zweifünfzig wert, ohne Prozente. Ganz abgesehen davon, daß kein Mann, kräftig oder nicht, damit von halb neun bis halb eins auskommen kann. Ich ließ den Kaffee filtern, gab bei gleichem Preis ein Ei, etwas rohen Schinken und Orangenmarmelade, bitter. Schmeckt allen Gästen. Dann sorgte ich dafür, daß in den Stunden der Mittagsruhe auf den Fluren und aus den offenen Zimmern kein Staubsaugergebrumm und kein Metallgeklapper von Bohnerbürsten erdröhnte, wie das heute in guten Hotels noch ausgiebig zu hören ist. Garantierte meinen Gästen ungestörte Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr " „Straßenbahnen, kläffende Köter, plärrende Kinder, röhrende Lastwagen mit rumpelnden Anhängern?" fragte ich.
„Nichts davon", sagte er; „das Hotel lag am See. Durchgangsverkehr gesperrt. Ich sorgte auch im Seegarten für Ruhe. Gäste mit Kindern oder Hunden schickte ich zur Konkurrenz. Dann richtete ich getrennte Gaststuben ein. Für Einzelgänger und für Paare. Mit Einplatz Ecktischchen und mit Familientischen. Im Gastzimmer für Einzelgänger sorgte ich für in- und ausländische Tageszeitungen, außerdem für Schweigen.
Es kamen so viele Gäste, die dringend Ruhe nötig hatten, daß ich mir schließlich ein größeres Gebäude suchen mußte. Ließ also eines Tages einen umfangreichen Besitz in einem Waldtal, Haupthaus und zwei Seitengebäude, ausgedehnter Park mit Wiesen, Platanen, Fichten, Tannen und mit einem Bach mit Sumpfdotterblumen, nach meinen Plänen herrichten. Dort nahm ich nur noch rücksichtsvolle Leute auf, die mir persönlich bekannte Gäste empfohlen hatten. Die Garagen lagen weit ab. Es gab kein Hotelschild mehr, und die Rufnummer verschwand aus dem Telephonbuch. Die Gäste waren für die ungewöhnliche Ruhe außerordentlich dankbar und verließen nur widerstrebend mein Hotel " „Und warum kamen Sie ins Gefängnis?" „Wegen der Jagdflugzeuge", sagte er und brannte sich eine Brasil von mir an „Sie veranstalteten ihre Übungsflüge über meinem Waldtal, regelmäßig zwichen 14 und 15 Uhr. Glaube nicht einmal, daß die Konkurrenz dahintersteckte. Ich beschwerte mich, schriftlich, mündlich, umsonst. Das Gebrumm wurde von Tag zu Tag wüster. Die an vorbildliche Ruhe gewöhnten Gäste verzweifelten, dann reisten sie ab.
Ich kaufte ein Jagdgewehr und schickte Warnschüsse hinauf. Nützte gar nichts. Dann nahm ich Verbindung mit dem illegalen Waffenhandel auf. Eines Tages erhielt 1 ich drei stabile Kisten: ein modernes Maschinengewehr und genügend Vorrat an Leuchtspurmunition. Montierte das- MG auf dem Dach und schoß — ungezielt — in das betäubende Gebrumm. Nach einer Viertelstunde verschwanden die Ruhestörer, nach dreißig Minuten brauste der Wagen des Überfallkommandos in meinen Park " „Werden Sie es dennoch wieder mit Ihrem Hotel versuchen?" „Unter Wasser", sagte er, „falls man die Baupläne eines Tages genehmigen sollte. Ich habe sie schon eingereicht " Hundert junge Engländer werden sich im April für einige Wochen an der irländischen Westküste, in Westport, einquartieren. Sie werden die ersten Schüler eines in Irland neuen Ausbildungsinstitutes sein, das dank dem modernen Tourismus nie unter mangelnder Beachtung wird klagen müssen: Es ist die Sportanglerschule des Westport Sea Angling Clubs, gut gelegen an einer der interessantesten Plätze für Hochseeangelei und in der Nähe fischreicher Binnengewässer. Man erwartet künftig noch mehr Gäste aus vielen europäischen Ländern, die entweder das „Sea Angling Festival" des Clubs besuchen oder einfach ihre Ferien in Irland mit Angeln bereichern wollen.
Was Irland und neunzehn andere Länder reiselustigen Sportanglern bieten, ist jetzt auch einem Buch zu entnehmen, das den Urlauber „Mit der Angel durch Europa" (Verlag Stichnote, Darmstadt; 264 S, 10 80 DM) führt. Der mit Sorgfalt zusammengestellte Reiseführer gibt Auskunft darüber, wo man unter welchen Bedingungen welche Fische in welchen Gewässern zu welchen Zeiten angeln kann. Für Deutschland hat der Verfasser, Albert Drexler, sogar Hotels genannt; für die anderen Länder erhält der Leser genügend nützliche Hinweise, wie er günstig logieren kann. Drei Segelschulen werden in diesem Jahr wieder mehrere Lehrgänge abhalten. Die Teilnehmer werden so ausgebildet, daß sie am Schluß die Prüfungen für die Führerscheine des Deutschen Seglerverbandes — A (Binnensegeln), B (ortsnahe Küstenfahrten) und C (Seefahrt) — ablegen können. Sie werden teils in Heimen, teils — bei seegehenden Jachten — an Bord untergebracht.
Die Ausbildung für Segeln auf See vermittelt die Hanseatische Yachtschule Glücksburg an der Ostsee, die zur Zeit über acht größere Jachten mit vierzig bis einhundertachtzig Quadratmetern Segelfläche und mehrere kleinere Fahrzeuge verfügt. Die Hauptlehrgänge — nur für Herren — beginnen hier am 1 1. April (Deutscher Hochseesportverband Hansa, Hamburg 36). Für die Ausbildung im Binnensegeln bieten sich die Chiemsee Yacktsdoule m Prien (Oberbayern) und die Segelschule Steinhuder Meer in Steinlinde (Hannover) an. Hier finden in diesem Jahr zehn bis dreizehn Lehrgänge statt.
- Datum 16.02.1962 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.2.1962 Nr. 07
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