Wer ruft von der Galerie herunter "buh"?

t?Lih" Rufe sind die jüngste Ausdrucksform des ■ Unwillens bei Theaterpremieren. Es war ein historischer Augenblick, als nach seiner Neuinszenierung von Richard Wagners „Meistersingern von Nürnberg" der Regisseur und Bühnenbildner Wieland Wagner im Bayreuther Festspielhaus beim Erscheinen an der Rampe mit BuhRufen empfangen wurde. Das hatte es niemals zuvor in Bayreuth gegeben, Wohl aber Schlimmeres. Als Wielands Varer Siegfried Wagner 1924 die Festspiele nach dem Ersten Weltkrieg wiederaufnahm, da waren die Zuschauer von den „Meistersingern" derart begeistert, daß sie anschließend das Deutschlandlied „absangen". Seitdem klebte an den Türen des Festspielhauses ein Plakat, durch das sich die Festspielleitung alle Kundgebungen verbat, die nicht den Kunstwerken Richard Wagners galten. Buh Rufe lassen sich propagandistisch verwerten. Die Nachrichten Agenturen machen eine Meldung daraus, und noch die kleinste Tageszeitung nimmt auf diese Weise Notiz von einer sonst unbeachteten Aufführung.

Komplizierter wird die Situation, wenn zum Ausdruck des Mißfallens Instrumente benutzt werden, Trillerpfeifen zum Beispiel. Die steckt heute doch niemand, der sich für eine Premiere umgezogen hat, ohne Absicht in die Tasche. Da wirkten die Hausschlüssel, auf denen man früher pfiff, schon einleuchtender. Aber in Schlüsseln zu BKSund Zeiß Ikon Schlössern findet sich kein Loch zum Pfeifen mehr. Auch nicht in den Autoschlüsseln. Nein: Trillerpfeifen sind ein Indiz für vorbedachte Demonstrationen.

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In der vorigen Nummer der ZEIT ist anläßlich der Hamburger Uraufführung von Richard Heys Tragikomödie „Weh dem, der nicht lügt" auf eine Gruppe von Demonstranten hingewiesen worden, die durch ihren Affront gegen den Regisseur und Schauspiel direktor Ulrich Erfurth nicht zum erstenmal eine falsche Optik im Deutschen Schauspielhaus erzeugten. Alarmierend erschien das Signal, das mitteis einer Trillerpfeife gegeben wurde.

Inzwischen sind einige Buh Rufer aus der BuhAnonymität hervorgetreten. Sie haben mir gegenüber betont, daß ihre Buh Rufe nichts mit der Trillerpfeife zu tun gehabt hätten. Auch zu persönlichen Racheakten hätten sie keinen Anlaß. Deshalb haben, wir die wichtigsten Stellen dieser Zuschriften abgedruckt.

Dem Kritiker mögen noch einige konkrete Bemerkungen dazu erlaubt sein.

1. Zu bejahen ist die Frage: „Wenn uns ein Stück mißfällt, ist es berechtigt, dem Mißfallen Ausdruck zu verleihen?" 2 „Die Jugendlichen haben eine feste Meinung, diskutieren offen und sind tolerant und unvoreingenommen — Woher beziehen diese Schnellfertigen ihre „feste Meinung" über eine Uraufführung? Der Kritiker jedenfalls hat am Ende der Aufführung bei neuen Stücken leiten schon eine „feste Meinung". Er liest nachts oder am nächsten Tag den Text nach, sofern er ihn durch Entgegenkommen der über das Bühnenmanuskript Verfügungsberechtigten überhaupt in die Hand bekommt. Am liebsten sieht er sich die Aufführung zweimal an und ist glücklich, wenn e- sich bis zum Redaktionsschluß eine „feste Meinung" erarbeitet hat.

3. Die jugendlichen Enthusiasten, die sich zu Wort gemeldet haben, pochen auf ihre individuelle Ansicht. Gleichwohl treten sie in der Wir Form auf Doch „Uschi", das Mädchen mit der Trillerpfeife, tadeln sie. Warum aber tut „Uschi" so etwas? Sie hatte, wie mündlich zu erfahren war, tatsächlich eine „feste Meinung" schon mitgebracht. „Uschi" hatte die — nicht öffentliche — Generalprobe gesehen. Dahinein kommt man nicht ohne persönliche Beziehungen zu Theatermitgliedern. Womit sich ein Teil der „Claque" doch als Clique entpuppt. Johannes Jacobi „ vor längerem haben Sie in der ZEIT den Konjunktiv im Deutschen behandelt Sie kamen damals zu dem Schluß, das bei Rahn Gebotene sei ja wohl nicht geradezu irrig, aber doch nicht so klar und deutlich, wie es wünschenswert erscheine. Inzwischen ist die Ausgabe B des Rahnschen Werkes nahezu abgeschlossen, und in dem Heft 6 findet sich der Konjunktiv erneut behandelt " Wir bescheinigen dem B rief Schreiber des KlettVerlages, der selber seine Konjunktive so vorzüglich zu setzen weiß, gerne, daß der Konjunktiv in der neuen Behandlung sehr gewonnen hat, daß also die „Deutsche Spracherziehung" von Rahn Pfleiderer, von jeher das brauchbarste Unterrichtswerk für Schulen, noch urn einiges brauchbarer geworden ist. An diesem oder jenem ließe („Konjunktiv II" oder eben doch lieber einfach: „Irrealis") sich gewiß noch manches aussetzen — aber wo läßt sich das nicht? ses sonderbar einherstelzende „habest" in einem paradigmatischen Übungssatz falsch scheinen will — gut, es sei darauf hingewiesen (Übungsfrage: Warum stimmts hier auf einmal?), daß das Resultat der Rahn Pfleidererschen Bemühungen um den Konjunktiv im allgemeinen richtig ist.

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