Werben um Adoula

Der „starke Mann" am Kongo heißt Cyrille Adoula. Ihm gelang — mit teils direkter, teils indirekter Hilfe der UN Blauhelme und der Amerikaner —, was nach den chaotischen, turbulenten achtzehn Monaten der Unabhängigkeit dieses Landes kaum noch jemand für möglich hielt: Er stellte den Frieden im Land wieder her. Antoine Gizenga, der radikale „Lumumbist" aus Stanleyville, ist in seiner Gewalt. Moise Tschombe, der nimmermüde Störenfried, wurde in die Ecke gedrängt, wo er noch poltert, aber wohl kaum noch größeren Schaden anzurichten yermag.

In Washington zudem, wo Adoula unlängst mit Präsident Kennedy und einflußreichen Bankiers zusammentraf, hält man zu dem energischen, zielstrebigen, dabei völlig undemagogischen Kongo Premier und ist auch weiterhin entschlossen, die Zentralregierung in Leopoldville bei der Abwehr jeder neuen Bedrohung zu unterstützen. Und sogar Moskau, das sich schließlich zu einer Anerkennung der Regierung des Ministerpräsidenten bequemte, lud Adoula inzwischen in die Sowjetunion ein. Der vierzigjährige kongolesische Regierungschef, vor einem Jahr noch ein völlig unbekannter Politiker, ist plötzlich ein von beiden Lagern heftig umworbener Mann — ein Premier allerdings, der offenbar nicht, wie manch anderer afrikanischer Freiheitsapostel, auf zwei Klavieren spielen will.

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Noch freilich liegen auf dem Wege, der zur Einigung des aufgespaltenen Kongo führen soll, einige Barrieren. Noch streifen marodierende Soldaten durch das Land, noch ist Katanga nicht in Adoulas Händen. Obendrein sind die Verhandlungen mit der Union Miniere, der „Futterkrippe" Tschombes, über die Steuerzahlung von jährlich 160 Millionen Mark an die Zentralregierung noch nicht abgeschlossen.

Die Sowjets ! dagegen, die Adoula erst kürzlich wegen der Verbannung Gizengas vor dem Tribunal des Weltsicherheitsrates verdammen wollten, haben sich abermals verkalkuliert. Bis heute sind all ihre Versuche fehlgeschlagen, den Kongo zu einem Einfallstor des Kommunismus in Afrika zu machen. Sie werden diesem Ziel sicherlich auch bei den Gesprächen mit Adoula hinter den Mauern des Kreml nicht näherkommen äst.

 
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