Bauspardarlehen – immer länger

Die Bausparkassen werden elastischer

Die Bausparkassen warten in letzter Zeit immer wieder mit Neuheiten auf, um ihr Geschäft zu erweitern, die Palette ihres Angebots zu verbreitern. Eine Kasse, die ihre Bausparer beeindrucken will, braucht heute (oder glaubt es wenigstens) nun einmal eine hauseigene Baulandbeschaffungsgesellschaft.

Damit allein ist es jedoch längst nicht mehr getan. Für eilige Kunden („Bauen ist billiger als warten“) muß sie ein ausreichendes Kontingent an Zwischenkrediten bereithalten. Und wo der Bausparvertrag zu klein geworden ist, muß ein Sofortdarlehen die Finanzierungslücke schließen – vorausgesetzt, daß der Geldbeutel mitmacht. Aber selbst für diese Fälle haben sich die Bausparkassen, wenn auch nicht alle, inzwischen gerüstet. Wem die finanzielle Belastung eines normalen Bauspardarlehens mit 5 % Zinsen und 7 % Tilgung zu hoch ist, kann jetzt auf die Tilgungsstreckung, auf länger laufende Darlehen zurückgreifen. Die Schuldenlast verteilt sich dadurch auf eine längere Zeitspanne.

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Die Methoden, die dabei bislang (noch weitgehend versuchsweise) praktiziert werden, sind recht unterschiedlich. Das gilt sowohl hinsichtlich der Konditionen als auch in bezug auf den Kreis derer, die von der Tilgungsstreckung Gebrauch machen können. Während beispielsweise die Bausparkasse GdF Wüstenrot“ ihren Bausparern die Möglichkeit einräumt, ein Darlehen mit einer Laufzeit von 19 Jahren bei 6 % Zins und 3 % Tilgung in Anspruch zu nehmen, kommen bei der Bayerische Landesbausparkasse“‚ deren Konditionen bei einer 20jährigen Laufzeit mit einer Annuität von 8,4% etwas günstiger sind, vorerst nur die Wohnungsunternehmen zum Zuge. In beiden Fällen übt man im Augenblick allerdings noch weise Zurückhaltung. Man will den Markt für länger laufende Darlehen, die eine Bausparkasse in die bisher ungewohnte Lage versetzen, sich Fremdgeld zu beschaffen, erst einmal kennenlernen.

Die neueste Variante der Bauspardarlehen stammt jedoch weder aus Ludwigsburg noch aus München. Sie hat ihren Ursprung vielmehr in Frankfurt, und zwar bei der „Landesbausparkasse Hessen“, die bereits 1958 als erste Bausparkasse das Sofortdarlehen mit Bausparvertrag propagierte, und dies mit sichtbarem Erfolg. Heute ist sie gewissermaßen das Paradepferd der „öffentlichen Bausparkassen“ in dem lange Zeit mit Argwohn bedachten Sofortdarlehensgeschäft: mehr als ein Drittel der Sonstigen, also außerhalb des Kollektivs gewährten Darlehen aller Bausparkassen entfallen auf diese Kasse. So nimmt es denn auch nicht wunder, wenn das Frankfurter Institut diese Sparte nochmals aktivierte. Nachdem sie bereits seit einem Jahr jedem Interessenten ohne Kontingentierung Sofortdarlehen mit einer Tilgungsrate von nur 3% gewährt, will sie jetzt sogar Darlehen mit einer 2prozentigen Tilgung einsetzen. Die Laufzeit verlängert sich dadurch von 18 auf 23 Jahre! Zu den ersten Hypotheken besteht damit in der Laufzeit kaum noch ein sonderlich ins Gewicht fallender Abstand. Und die Kosten? Auch hier ist der Unterschied nicht allzu groß: für ein Sofortdarlehen dieser Art liegt der Zins um etwa 0,75 % über dem marktüblichen Kapitalzins. Bei einer Laufzeit von 23 Jahren beträgt die Annuität also 8 3/4%. h.

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  • Quelle DIE ZEIT, 27.4.1962 Nr. 17
  • Schlagworte Darlehen | Ludwigsburg | München
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