DIE ZEIT

Der unbotmäßige Generaldirektor

Entgegen vielen Erwartungen (und Zeitungsmeldungen) hat das Volkswagen-Werk allen Vorstellungen des Wirtschaftsministers zum Trotz die am 1.

Macmillan auf Reisen

Es ist etwas über drei Jahre her, seit Macmillan, mit einer weißen Pelzmütze auf dem Kopf, als ehrlicher Makler zwischen West und Ost erschien.

Strauß mit fremden Federn

Damals ging es freilich um das Fibag-Unternehmen. Als es ein Jahr später um das Projekt ging, die NATO zur „vierten Atommacht“ zu erheben, hat sich der Bundesverteidigungsminister keineswegs dieselbe Mäßigung auferlegt.

Bildet Nikita Chruschtschow seine Parteispitze um?

Ende April fanden in Moskau zur gleichen Zeit zwei Tagungen statt. Über die Sitzung des aus 1443 Abgeordneten bestehenden Obersten Sowjet wurde seitenlang in der Prawda berichtet; über die sicher viel wichtigere Zusammenkunft des Zentralkomitees aber brachte das sowjetische Zentralorgan nur eine lapidare Notiz von acht Zeilen.

Brentanos Geist

Der Berliner Bürgermeister Franz Amrehn gab am vergangenen Sonnabend den Startschuß zu einem politischen Unternehmen, das, wenn es gelingt, in die bundesrepublikanische Geschichte eingehen dürfte.

Wer zieht ins Quirinal?

Wer wird als Gronchis Nachfolger in den Quirinal einziehen? Die Frage nach dem neuen Staatspräsidenten bewegt die Italiener, auch wenn die „Generalelektoren“, die Generalsekretäre der Parteien und Führer der verschiedenen Gruppen ihre Karten noch nicht aufgedeckt haben.

Zeitspiegel

Der Warschauer Kardinal Wyschinski ist jetzt zum erstenmal seit dem letzten Sommer wieder von der polnischen Presse angegriffen worden.

De Gaulle und sein Volk

Ein Zitat, das nachdenklich macht: „Sie dachte, mit Recht, daß ein Volk, das nur durch diesen oder jenen Mann gerettet werden könne, nicht für lange gerettet sein werde – selbst durch diesen Mann – und es außerdem kaum verdiene, gerettet zu werden.

Der „Mandarin“ schweigt

In Paris ist der Prozeß gegen den obersten OAS-Chef Salan für den 20. Mai angesetzt. Wie es heißt, sind zehn Verhandlungstage vorgesehen.

Sind Riesenstädte formbar?

Erst wenn man im Flugzeug den Sicherungsgurt lockern und die Zigarette anzünden darf, gewinnt man den Blick über Stadt und Land, der den Dimensionen unserer Zeit entspricht.

Über Stock und Stein

Angesichts der Entwicklung der Hovercraft, die mit großer Geschwindigkeit über Spezialstraßen zu fliegen vermag und nach Belieben anhalten kann, ist es unwahrscheinlich, daß wir am Ende dieses Jahrhunderts noch Eisenbahnen im herkömmlichen Sinn brauchen werden“, schrieb kürzlich der Leitartikler des sonst gar nicht zu utopischen Voraussagen neigenden „Guardian“.

Der Schriftsteller und Philosoph Ernst Jünger

Die Stellungnahmen zu dem Aufsatz von Siegfried Lenz „Der Schriftsteller und Philosoph Ernst Jünger“ (ZEIT Nr. 16/62) übertrafen quantitativ alle unsere Erwartungen – was über die Qualität weder Positives noch Negatives aussagen will.

Nr. 18 vom 1. Mai 1952: Und so geschah’s

Werden wir in diesem Jahr wieder so viele Wohnungen bauen können wie 1951 oder 1950? Nun: Baustahl ist zwar noch knapp, aber sonst besteht kein „Engpaß“ mehr für Baumaterial, und die Ziegeleien klagen auch nicht mehr über Kohlenmangel.

Was ist ein Opernstar?

An ihren Abendgagen gemessen, müßten Opernstars „Dollar-Millionäre“ sein. Nach Auskunft des international im Operngeschäft tätigen Wiener Agenten Viktor Viadarski werden die Spitzengagen der „Weltklasse“ heute von den Sopranistinnen Maria Callas und Birgit Nilsson kassiert: 20 000 DM je Abend.

Der Held des heroischen Nihilismus

Ernst Jünger mit Baumann oder gar mit Ziesel in einen Topf zu werfen, ist gewiß ein „Unding“, denn Jünger ist kein kleiner Fisch, den man mehr oder weniger verächtlich aus dem Netz der Zeitgeschichte ins Wasser der Abflüsse wirft, so daß er sogar – wie Baumann und Ziesel – dem Kochtopf der „unbewältigten Vergangenheit“ entrinnt.

Wolfgang Ebert:: Kleine Dämpfer

Immer wieder steht mancher von uns vor der Frage, wie er einem guten Bekannten aus diesem oder jenem Grunde einen kleinen Dämpfer versetzen, ihm einige Fünklein Hoffnung nehmen, ihm Vorfreuden leicht versauern, ihm wenigstens für einen Tag die Stimmung rauben kann, ohne deswegen gleich als lieblos verschrien zu werden.

Liebend erkennende Menschlichkeit

Siegfried Lenz sieht Jünger als den Typus, der in sich die Distanz zur Umwelt trägt, aus der heraus er – ohne menschliche Bindungen zu ihr, ohne Verantwortungsgefühl für sie – über sie Bericht erstattet und nach der fast wissenschaftlichen Analyse seine Prognose stellt.

Wer ist schuldig?

Mit dem, was Siegfried Lenz über Ernst Jünger geschrieben und vor allem, wie er über ihn geschrieben hat, werden nur wenige von uns Jüngeren nicht einverstanden sein.

Vor dem Gericht der Natur

Am 4. Mai wird Wilhelm Lehmann achtzig Jahre alt, und allerorts richtet man plötzlich das Augenmerk auf einen Dichter, dessen Werk als eine verhaltene geistige Kraft seit vielen Jahrzehnten gegenwärtig ist, der sich selber jedoch immer zurückgehalten hat, überzeugt, daß ein Gedicht, für den einzelnen bestimmt, nur aus der Einsamkeit erwachsen kann.

Zeitmosaik

Eine soziologische Statistik, mit Hilfe von Fragebögen erarbeitet, brachte von polnischen Studenten auch die folgende Auskunft: 39,2 (26,8) Prozent glauben, künftige Historiker werden die Epoche 1945/55 in der polnischen Geschichte überwiegend positiv beurteilen; „eher negativ“ sagen hingegen 42,6 (72,5) Prozent.

Betrifft: Werbung

Ich bin entsetzt über Ihre Rückständigkeit. Haben Sie den Säugling denn ganz vergessen? Ja, meine lieben Fabrikanten und Händler, es sieht tatsächlich so aus, als wollten Sie auch weiterhin achtlos an ihm vorbeigehn.

Mein Bild

Das einsame Schiff von Caspar David Friedrich hat lange in meinem Arbeitsraum gehangen. Als ich es zu meinem Gefährten wählte (für je ein paar Jahre wie seine Vorgänger auch), war es ein sehr vordergründiger und durchaus nicht künstlerischer Impuls, der mich den Kontakt mit diesem Bilde aufnehmen ließ: nämlich die pure Freude an einem großen Segler und am Element des Meeres.

Hüben und drüben: Bedrohungen

Eines der wichtigsten und interessantesten literarischen Organe in deutschen Landen, die in München erscheinende Monatszeitschrift „Merkur“, ist ernsthaft bedroht.

Kurtchen schnarchte fürchterlich

Ende Januar 1927 lernte Kurt Tucholsky auf einem Ball die Berlinerin Lisa Matthias kennen. Was sich zwischen ihm und dieser Dame innerhalb von einigen Jahren abgespielt hat, war dem deutschen Leser bisher nicht bekannt.

Sogenannte Wohnkultur

Auch Adam und Eva wohnten schon! – Aus dieser fundamentalen Erkenntnis resultiert eine ganze Reihe von Büchern, die dem Leser das, was er ohnehin seit dreißig oder mehr Jahren tut, erklären oder korrigieren will.

Unser Seller-Teller

Keine Experimente, keine Kapriolen. Zwar ist vom letzten Seller-Teller nur noch ein einziges Buch übriggeblieben, die Verwandlung des Curt Goetz, aber diese saisonbedingten Umwälzungen scheinen unter der Devise „gepflegt und billig“ zu stehen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT wichtige und schöne deutsche Balladen, angefangen von der Volksballade „Es freit ein wilder Wassermann“ bis zu Bert Brechts „Kinderkreuzzug“, dazu einen einleitenden Essay des Münchener Germanisten Hans Fromm.

Der Duce in der Badehose

Benito Mussolini rief die Geister eines terrorisierenden nationalistischen Bürgertums, die Europa bis heute nicht mehr losgeworden ist.

Film

„Noch Zimmer frei“ (USA; Verleih: Columbia): Spontan verliebt sich der Londoner US-Botschaftsangestellte (Jack Lemmon), kaum hat er in Mayfair Wohnung genommen, in seine attraktive Wirtin (Kim Novak).

Funk

In den Jahren zwischen Zusammenbruch und Währungsreform hörten wir mehr von der Heilsarmee. Aber gewußt haben wir auch damals über diese eigenartige Organisation nur wenig.

Fernsehen: Hamlet in Eger

Dies war der achtbarste Klassiker, den man seit langem auf dem Bildschirm sah. Nicht, daß es der treueste „Wallenstein“ oder gar der verläßlichste Schiller gewesen wäre.

Theater

Leopold Lindtberg, der in Zürich und Wien hervorragende Schauspielregisseur, betätigt sich in zunehmendem Maße auch auf dem Gebiet der Oper.

Am Rubikon der Eigentumsverteilung

Die in der vergangenen Woche publizierte Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) zur Eigentumsbildung und Eigentumsverteilung in der Bundesrepublik hat in der Öffentlichkeit vied spontane Zustimmung gefunden.

Der mißverstandene Wirtschaftsminister

Rund ein Monat ist es her seit des aufrüttelnden Erhard-Rufes an das deutsche Volk. Und viel ist inzwischen geredet worden. Die Kritik, die sein Menetekel weitherum auslöste, nahm der Minister mit gewohnter Gelassenheit hin.

Der „Trabant“ soll sterben

In der Sowjetzone wurde nun endgültig beschlossen, die Produktion der Kleinwagen „P 70“ und „Trabant“ einzustellen. Damit realisiert sich ein Gerücht, das sich schon seit langer Zeit in den Kreisen der Autokenner der „DDR“ hält.

Das schwere „süße Leben“

Schokoladepreise fallen. Kindlein und andere Nascher können vielfach ihre Tafeln um 10 bis 15 % billiger kaufen als vor Weihnachten.

DDR nur noch eine Wirtschaftskolonie?

Aufgebracht reagierten einige westdeutsche Zeitungen, als sie von dem engeren Anschluß der Zonen-Wirtschaft an die sowjetische Wirtschaft erfuhren.

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