Von Wolf Jobst Siedler

„Werter Herr!

Ihr letzter Artikel strotzt schon wieder von Fremdwörtern. Man braucht sich nicht zu wundern, wie weit es mit Deutschland gekommen ist, wenn nicht einmal unsere Muttersprache vor der Nachäfferei des Auslandes bewahrt wird ...“

(Aus einem Leserbrief)

Mitte Juli 1793 rückte die preußische Armee unter Kalkreuth gegen die Festung Mainz, die sich kurz zuvor den Franzosen ergeben hatte – zum Wohlgefallen vieler ihrer Bürger übrigens, von denen nicht wenige die Offiziere der französischen Okkupationsarmee als die Sendboten einer neuen Zeit begrüßten.

Unter diesen kollaborationsfreudigen Bürgern befand sich auch Caroline Michaelis, verwitwete Böhmer, spätere Schlegel und dereinst Schelling. Als sich das Nahen der preußischen Belagerungsarmee durch das Aufwerfen von Wällen und das eilige Zusammenhämmern von Barrikaden ankündigte, sah sie gerade ihrer Entbindung entgegen, da sich ihre leidenschaftliche Schwärmerei für die republikanischen Ideal? allzu konkret auf einen bestimmten Offizier der französischen Revolutionsarmee konzentriert hatte.

Der französische Festungskommandant General Custine hoffte vergebens auf Entsatz; am 22. Juli fiel Mainz in die Hände der Preußen – deren erstes es übrigens war, Caroline und die führenden „Clubbisten“ (wenn ihnen nicht wie Georg Forster die Flucht nach Paris gelungen war) auf die Festung Königstein zu verbringen. Nur die Intervention der Brüder Schlegel beim König von Preußen bewahrte Caroline davor, ihr Kind hinter Mauern zur Welt zu bringen.