In Laos ist der Damm gebrochen, der bisher die kommunistische Flut aufgehalten hat. Können die USA diese Bresche schließen? Amerikanische Marineinfanterie ist nach Thailand geworfen worden, um die Grenze nach Laos abzusichern. Aber werden die Amerikaner, wie schon in Südvietnam, nun auch in Thailand und Laos kämpfen?

Kennedy hatte für Laos das fast Unmögliche zu erreichen versucht: seine Neutralisierung. Heute sieht es so aus, als sei dies Ziel unerreichbar geworden. In Washington ist man allerdings davon überzeugt, daß die fatale Entwicklung in Laos nicht nur auf die skrupellose Taktik der Kommunisten zurückzuführen ist, die, als es ihnen vorteilhaft erschien, ohne Zögern den Waffenstillstand gebrochen haben. Schuld daran waren nach Kennedys Meinung auch die kämpf- und koalitionsunwilligen eigenen Verbündeten.

Die laotischen Schützlinge der USA, Ministerpräsident Boun Oum und sein starker Mann, General Nosavan, haben sich bisher beharrlich geweigert, zusammen mit den Kommunisten in ein Koalitionskabinett unter Führung des Neutralisten Souvanna Phouma einzutreten, so wie es letztes Jahr bei der Genfer Vierzehn-Mächte-Konferenz beschlossen worden war. Und selbst harter amerikanischer Druck – Washington sperrte im Jaruar kurzerhand die Wirtschaftshilfe – vermochte sie nicht umzustimmen.

Das Zögern und Finassieren der von Amerika nur noch halben Herzens unterstützten laotischen Regierung hat ohne Zweifel viel dazu beigetragen, die Kommunisten zu einem Angriff zu ermuntern. Sie überrannten im Nordwesten die Truppen Nosavans und stießen an einer Stelle bis zum Mekong vor, dem Grenzfluß zwischen Laos und Thailand.

In Thailand aber sind die USA ebenso wie in Südvietnam ein festes militärisches Engagement eingegangen. Und als Thailand bedroht schien, zögerten sie nicht, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Sie demonstrierten ihre militärische Macht – bis an die Grenze von Laos.

Was soll nun weiter geschehen? Vorerst, so scheint es, haben die Kommunisten ihren Vormarsch in Laos gestoppt, und Boun Oum zeigt sich jetzt geneigter, in eine Koalition einzutreten. Allerdings ist jetzt seine Position bei Koalitionsverhandlungen, falls es überhaupt noch dazu kommt, schlechter als je zuvor. Seine Demütigung ist für die USA freilich ein schwacher Trost. Denn nicht nur Boun Oums Position ist nun erschreckend schwach geworden, auch die Hoffnungen auf eine Neutralisierung, die Kennedy immer noch anstrebt, sind jetzt verschwindend gering.

Ob diese Hoffnungen überhaupt je gerechtfertigt waren, mag man bezweifeln. Jedenfalls hat es den Anschein, als ob das halbe Engagement der USA in Laos zu einer ganzen Niederlage führen werde. Die Demonstration amerikanischer Stärke mag in Thailand und Südvietnam beruhigend wirken; in Laos, so ist zu fürchten, kommt sie zu spät.

R. Z.