Wer sich darüber informieren will, was heute in Rechtswissenschaft und Rechtspolitik aktuell ist, muß eine Überfülle von Publikationen bemühen und wird doch, wenn er nicht schon vorher viel weiß, nur kleine Teilgebiete kennenlernen. Der Stoff ist so angewachsen, daß selbst versierte Juristen nur noch wenige Gebiete beherrschen und von der Entwicklung in anderen Bereichen keine Vorstellung mehr haben. Da ist es erfreulich, daß ein Verlag, der sich schon früher durch Unternehmungsgeist hervorgetan hat, diesem so oft beklagten Spezialistentum auf seine Weise begegnet. Ihm verdanken wir das

„Juristen-Jahrbuch“, unter Mitarbeit des Deutschen Juristentages, des Deutschen Richterbundes, des Deutschen Anwaltvereins, der Gemeinschaft des Deutschen Notariats und von Angehörigen der juristischen Fakultäten und der Justizministerien herausgegeben von Dr. Gerhard Erdsiek, 2. Band, 1961/62; Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln; 324 S., 26,– DM.

Es enthält Beiträge höchst kompetenter Fachleute: Nach einer rechtsgeschichtlichen Einleitung zum 100. Todestag Savignys ergreift der Präsident des Bundesverfassungsgerichts das Wort (zum Thema Wirtschaftsverfassungsrecht); es folgen – in streng alphabetischer Reihenfolge! – Beiträge prominenter Professoren und Praktiker über Entwicklungen im bürgerlichen und Handelsrecht, über die Betriebsverfassung, die Reform von Zivil- und Strafprozeß, über das Beamtenrecht und die neuere deutsche Strafrechtsdogmatik. Ein umfangreicher Anhang bringt Statistiken über Richterzahl und „Geschäftsanfall“ bei den Gerichten, Anschriften, eine Tabelle zur Rechtsgeschichte und auf 35 Seiten die Mitglieder der juristischen Fakultäten. Sehr nützlich: Inhaltsangaben neuer Festschriften.

Auch der Nichtjurist, der Sinn hat für nüchternes – nicht indifferentes – Abwägen von Interessen und begriffliches Erfassen sozialer Ordnungen, wird am Juristen-Jahrbuch Freude haben. Angesichts der Neigung vieler Laien, immer nur auf die Strafjustiz zu schauen, ist es gut, daß hier auch die Bewegung in anderen Rechtsgebieten gezeigt wird, jene stets fließende, von so vielfältigen Impulsen getriebene (oder verzögerte) Evolution des Rechts, die meist nur an Einzelfragen sichtbar wird und darum für Außenstehende so schwer erkennbar ist.

Die meisten Beiträge sind lebendig und allgemein verständlich geschrieben; die wissenschaftliche Zuverlässigkeit aber ist gewahrt. Auf diese Weise wird das Juristen-Jahrbuch wirklich die „repräsentative Veröffentlichung des Juristenstandes“ werden – eines Standes, der es mehr als andere nötig hat, in der Öffentlichkeit gehört und verstanden zu werden. Hans Peter Bull