Diese Heimat der sachsenfreundlichen Angeln wurde von den Wikingern besonders gern, sie wird von den Gegenwartskünsten nur selten besucht i Die so besondere Atmosphäre des Nordens, mal grau, mal farbgewaltig und durchsichtig wie eine Pazifiklandschaft, beschattet und erhellt die Niederungen der Bundesrepublik. Die ersten Seen yon skandinavischer Art blinzeln ihre Besucher zwischen Lübeck, der Fehmarnspitze und Kiel an. Hier ist die Landschaft garniert mit Teichen und Laubwäldern, mit weißen Bänken und runden, schwarzweißen Kühen. Eine Gegend, zum Ausruhen wie geschaffen. Gasthöfe und Pensionen, Backsteinbauernhöfe und Kirchenbollwerke stehen hier wie Farbtupfen in der Natur. Daneben Schilfgebiete, Anglerparadiese wie die vor Stockholm, und Knicklandschaften wie vor Kopenhagen. Auch ein Vorsommerabend an der Kieler Förde ist wie ein Abend im hohen Norden. Bereits hier läßt die Spätsonne erkennen, zu welchen Farbeffekten sie fähig ist. Sie schüttet Violett und Rot über den Horizont ; und ihr Widerschein ist während der ganzen kurzen Nacht zu erkennen. Im Außenbogen der Förde locken Laboe, Bad Stein, bäder. Kiel ist auf dem besten Wege, eine Stadt der Touristen zu werden. Die neuen Anlägen am Hindenburgufer, die Holstenstraße, die allein den Fußgängern vorbehalten ist, die Promenaden und Aussichtspunkte geben der Förde Metropole unerwartet friedliche Züge. Schon von Hauptbahnhofnähe stechen den lieben langen Tag lang die Fördedampfer in See. Weiter oben sind die Segelboote vertäut, an den gegenüberliegenden Kais die dickeren Pötte. Zu- einem beliebten Seebad ist Eckernförde geworden. Die Schlei mit ihren Schilfwinkeln und Rinnsalen (etwa vierzig Kilometer reicht sie von der Ostsee bei Kuppeln bis nach "etwa". Von Eckernförde bis an die Flensburger Förde erstreckt sich das unbekannteste Teilstück der den Deutschen verbliebenen Osteeküste. In der Lübecker Bucht drängeln sich die Sommergäste, aber beiderseits der Schleimündung ist der kilometerlange helle Strand oftmals auch m schönen Tagen leutelos, verplätschern sich einsam die Ostseewellen, segeln Wattewolken über Binnenseen, Wiesen, Waldungen und Strohdächer der Bauernhäuser hinweg. Wer von Eckernförde her anrollt, erreicht bei Winnemark das Schleiufer und bei Karby (einem Dorf mit frühgotischer Kirdr e, in der eine reichgeschnitzte Kanzel von 1592 zu sehen ist) die Abzweigung nach Schönhagen und anerkanntes Strandbad sein, aber wer kennt es schon? Die Voraussetzungen sind da: Sand, See, Quartiere, ein Zeltplatz. Ein sandiger Fahr- und Bummelweg führt parallel zum Strand zur Schleimündung. Unterwegs lädt mancher Platz zu See- und Sonnenbädern ein. Wie eine Sandzunge reckt sich eine schmale Halbinsel weit in die Schldmündung. Wer gut im Schwimmen ist, kann von ihrer Spitze hinüber zum Vogelschutzgebiet auf der Lotseninsel abstechen. Bequemer wird das auf der Insel eingerichtete Strandbad Schleimiinde vom malerischen Fischer- und Feriendorf Maasholm. aus erreicht. Ein nach Fahrplan auf und ab fahrendes Motorboot verbindet Maasholm mit Schleimünde und auf der anderen Seite mit Kappeli, dem barocken Städtchen an der Schlei mit einer Pfarrkirche von 1793, in der ein gut gelungener Barockaltar von Hans Gudewerdt dem Jünger! prunkt. Maasholm, im Sommer gern besucht, kann ein erholsamer Mittelpunkt für einen Urlaub an der See sein.

Kleiner, aber jeweils mit einem oder mehreren Hotels bestückt sind die Küstenorte der Landschaft Angeln: Wackerballig mit Gelting, Steinberghaff in der Geltinger Bucht, Neukirchen, Langballigau, und Bockholmwik an der Flensburger Außenförds. Hier und da ist Steilküste, sind Obstgärten, überall ist Sand und läuft die See so flach aus, daß aui Kinder im Wasser herumplantschen können. Sehenswert sind Glücksburg mit dem Wasserschloß, die Flensburger Innenförde, Flensburg. Einen rechten Reisegenuß vermittelt eine Fahrt mit dem Routenboot auf der Schlei. Sie kann in Kappein ihren Anfang nehmen, führt, am reizvollen Inselstädtchen Amis vorbei, unter der Bahn- und Straßenbrücke von Lindaunis hindurch bis zur Schleihauptstadt Schleswig.

Ein stets lohnendes Ausflugsziel ist der von Kappein nur rund zehn Kilometer entfernt liegende Marktort Süderbrantp, ein Mittelpunkt des Landes Angeln. Richtig, eine größere Abordnung dieses alten germanischen Volksstammes erschien im fünften Jahrhundert in Britannien und sorgte dafür, daß die große Insel den Namen England (Angelland, Angelsachsen) bekam. Ein anderer Teil der reisefreudigen Angeln zog seinerzeit nach Thüringen. In Süderbrarup nun wurden 1939 Dokumente aus der Frühgeschichte der Angeln freigelegt. Hier fand man sage und schreibe 1100 Urnen aus dem 1 bis 4. Jahrhundert. Das sich nördlich vom Markt ausdehnende Thorsberger Moor ist eine der bedeutendsten frühgeschichtlichen Fundstätten Schleswig Holsteins. Die hier und in der Umgebung gemachten Funde sind im Schleswiger Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte zur größten vorgeschichtlichen Sammlung Deutschlands zusammengetragen. In der Nydom Halle steht das 1863 gefundene 23 Meter lange und 3 3 Meter breite Boot aus dem 4. Jahrhundert, der Zeit der Völkerwanderung. Hier lagern Runensteine, Mooiv leichen, alte Waffen, hier wird der Suebenschädel (mit dem bei Tacitus erwähnten Haarknoten an der rechten Stirnseite) gehütet.

Hier liegen auch die Kostbarkeiten aus Haithabu, der untergegangenen Wikingerstadt, in frühgeschichtlicher Zeit ein bedeutender Handelsplatz. Das Areal von Haithabu gehört zum Schleswiger Ortsteil Haddeby: eine um 1200 erbaute Feldsteinkirche, eine frühgeschichtliche Burganlage, außerdem die sogenannte Oldenburg, ein mächtiger Halbkreiswall von elf Metern Wallhöhe, der sich einst um die Wikingerstadt herumzog. In der Nähe stehen auch die Reste des im neunten Jahrhundert angelegten Dannewerkes, einst Schutz der Südgrenze Dänemarks. Die Wikinger jedenfalls waren im Angler- und Schleswiger Land zu Hause, auch Dänenkönige, auch von Herzögen und Kirchenherren angezogene Künstler der Gotik und des Barock. In dem erstmals zwischen dem 13 und