Von Marcel

Hans Werner Richter bedauert in der „Welt“ vom 5. Mai, daß die Monatszeitschrift „Die Kultur“ eingegangen ist, wogegen sich Klaus Harpprecht in „Christ und Welt“ vom 11. Mai weigert, diesen „natürlichen und nicht gewaltsamen Tod“ zu betrauern, und bei Gelegenheit wissen möchte, was an dem Feuilleton der ZEIT „noch konservativ“ sei. (Antwort: die Rechtschreibung, die bibliographischen Notizen und die Druckfehler.)

Friedrich Luft freut sich in der „Welt“ vom 10. Mai, daß das „Forum“ („österreichische Monatsblätter für Kulturelle Freiheit“) nicht eingegangen ist. Margret Boveri hofft in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 14. Mai, daß der „Merkur“ nicht eingehen wird.

Zunächst in Sachen „Kultur“. Richter zählt nicht alle Ursachen auf, die zum Untergang dieser Zeitschrift geführt haben. Leider muß ich Harpprecht zustimmen, wenn er über die „Kultur“ schreibt:

„Sie war, um es mit einem Wort zu sagen, einfach zu schlecht. Sie war vor allem langweilig...“

Im literarischen Leben hat sie daher schon lange so gut wie überhaupt keine Rolle gespielt. Und deswegen unter anderem (nicht nur wegen des linken Trends!) wollte sie kein Verleger kaufen. Aber Harpprecht hat nicht recht, wenn er meint, die Qualität dieses Organs sei auf den Mangel an Talenten unter den heutigen deutschen Schreibern zurückzuführen.

„Die Kultur“ krankte an ihrer grundsätzlichen Konzeption. Seien wir offen: Sie sollte eine oppositionelle Zeitung und zugleich ein Werbeblatt des Kurt Desch Verlages sein. Eine solche Synthese ist unmöglich. In der „Kultur“ durften Strauß und Sieburg angegriffen werden, aber die Autoren des Desch Verlages waren mehr oder weniger tabu. Sie konnten, ob sie gut oder schlecht schrieben, nur gerühmt werden – und wie viele Autoren dieses Verlages schreiben nicht schlecht?