Der zweite amerikanische Versuch, einen Astronauten auf einer Satellitenbahn dreimal um die Erde zu schicken, ist auf Ende Mai verschoben worden. Die automatische Steuerung der Raumkapsel funktioniert noch nicht richtig, jenes System von Gasdüsen, das auf Glenns Flug nach der ersten Erdumkreisung ausfiel, weshalb der Raumfahrer seine Kapsel während der nächsten Runden manuell steuern mußte.

Zur Handbetätigung des Kontrollmechanismus wird dem Marineoffizier Malcolm Scott Carpenter, der jetzt am Cap Canaveral auf seinen Start wartet, kaum Zeit bleiben. Ihn erwartet eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben während des Fluges, Aufgaben, die der Entwicklung einer Weltraum-Rendezvous-Technik dienen sollen. Wenn das Mercury-Raumschiff die Umlaufbahn erreicht hat, wird Carpenter einen bunten Ball von 80 Zentimetern Durchmesser hinauswerfen und an einer dreißig Meter langen Nylonschnur hinter sich herziehen.

Der Ball ist in fünf verschieden gefärbte Segmente eingeteilt – orange, weiß, silber, gelb und eines phosphoreszierend, damit es bei Nacht leuchtet. Carpenter soll feststellen, welche Farbe sich in einer Höhe von rund 160 Kilometern am besten erkennen läßt. Gleichzeitig wird die Belastung des „Schleppseils“ Auskunft über die Dichte der oberen Atmosphäre geben.

Bunt wird auch das Konfetti aus kragenknopfgroßen Plasticscheiben sein, das der Raumfahrer verstreut. Hiermit soll ebenfalls die Sicht geprüft werden. Aber nicht allein auf die Augen des Astronauten will sich die NASA verlassen; Ball und Konfetti werden gleichzeitig mit Bordkameras photographiert.

Mit der Farbe, die den stärksten Kontrast unter den ungewohnten Lichtverhältnissen des Weltraums liefert, will man später die Kapseln bemalen, die sich auf einer Satellitenbahn treffen sollen. Das Zusammenfügen zweier Satelliten, eines bemannten Raumfahrzeuges mit einer Raketenstufe, soll einmal die Reise zum Mond ermöglichen.

Der Vorbereitung zur Mondfahrt dient auch die Beobachtung der grünlichen Flüssigkeit in einer Glaskugel hinter dem Kopf des Astronauten. Automatische Filmkameras werden auf das gefärbte Wasser gerichtet sein, und von Zeit zu Zeit wird Carpenter mit einem Handspiegel nachschauen, wie es sich in der Schwerelosigkeit benimmt.

Gewichtsloser flüssiger Brennstoff könnte sich in der Mitte der Tanks ansammeln oder gar in Kügelchen darin herumfliegen. In beiden Fällen würde das Ansaugen des Treibmittels in die Brennkammern recht problematisch. Die Wissenschaftler der Raumfahrtbehörde nehmen an, daß die Flüssigkeit wegen ihrer Oberflächenspannung in einem Rohr aufsteigen wird, das innerhalb der Glaskugel angebracht ist.