Von Willi Bongard

Erweitern Sie Ihren Wortschatz! Sie werden nämlich sonst bald nicht mehr mitreden können. Zu den Vokabeln, die Ihnen noch zu Ihrem Glück, d. h. (heutzutage) zu Ihrer Gesellschaftsfähigkeit gefehlt haben, zählt das Wort „Image“ – gesprochen Imitsch. Wir wissen nicht, ob Readers’ Digest seinen Lesern mit der altbewährten Methode schon auf den Weisheitszahn gefühlt hat. Nach dem gegenwärtigen Stand der Begriffsverwirrung könnten die Alternativen für die mögliche Bedeutung von Image etwa lauten:

1. Fertig ausgebildetes, geschlechtsreifes Insekt;

2. Hochgezüchtetes, fortentwickeltes Putz- und Scheuermittel;

3. Kurzform für „Ich-möchte-auch-gern-einmal“ (wissen, was das ist);

4. Die vereinfachte psychologische Bewältigung eines Produktes (oder einer Firma) und der bunten Mannigfaltigkeit der Gesamtheit eines werblichen Angebotes auf der Basis einer emotional verankerten, mehrdimensional stereotypen Form, die in Korrespondenz zur Psychologie der, Konsumenten steht.

Diesmal versagt der Griff zum Duden. Nicht einmal die völlig neubearbeitete Jubiläumsausgabe hat diesen Begriff in ihre Spalten aufgenommen. Alphabetisch würde Image zwischen „I. M. =Ihre Majestät“ und „imaginabel“ einzurangieren sein – eine dankbare Aufgabe für die Lobby der deutschen Werbewirtschaft! Die Dudenredaktion dürfte sich freilich hart tun, eine kurze deutsche Erklärung für das Wort Image zu finden: Werbesprache – schwere Sprache.