Die Bilanzsumme der Braunschweigische Staatsbank erhöhte sich im Jahre 1961 um 22,5 % auf 1,99 Mrd. DM. Das läßt den Schluß zu, daß auch die Zonengrenzgebiete, in denen dieses Institut tätig ist, voll von der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung erfaßt worden sind. Von dem Bilanzzugang von 365 Mill. DM entfiel rund die Hälfte auf langfristige Ausleihungen, eine Tendenz, die auch bei anderen öffentlich-rechtlichen Instituten festzustellen war, denen eine Hypothekenbank-Abteilung angegliedert ist. Die Expansion im kurzfristigen Kreditgeschäft geschah wesentlich langsamer. Die Staatsbank half der Landwirtschaft im vergangenen Jahr vor allem mit Überbrückungskrediten bis zum Anlaufen der öffentlichen Maßnahmen zur Überwindung der Wasser- und Ernteschäden. Außerdem brauchte die Zuckerwirtschaft zur Finanzierung des „Zuckerberges“ höhere Kredite als in den Vorjahren.

Wie bei allen anderen Banken auch, so hat die Ertragsentwicklung bei der Staatsbank mit der Ausweitung des Geschäfts nicht Schritt gehalten. Im kurzfristigen Geschäft ermäßigte sich die Zinsspanne fühlbar. Im langfristigen Geschäft begrügten sich die Realkreditinstitute im Wettbewerb um das Neugeschäft mit einer geringeren Zinsspanne. In dieser Entwicklung sieht die Staatsbank die Richtigkeit ihres vor einigen Jahren beschlossenen Verzicht auf Neubau eines repräsentativen Bankgebäudes bestätigt. Die Staatsbank kaufte vor einigen Jahren den alten Braunschweiger Bundesbahn-Bahnhof. Wenn die Staatsbank auf dem von ihr erworbenen Gelände ihre Baupläne realisiert hätte, so wären dafür 40 Mill. DM aufzubringen gewesen. Das sah man als eine zu große Last an und beschloß, sich billiger zu helfen. Heute steht das Gelände wieder zum Verkauf. Mit einer westdeutschen Gruppe sind Verhandlungen darüber eingeleitet. Kein Wunder, wenn man in der Braunschweigischen Staatsbank die steigenden Baupreise mit besonderer Kritik bedenkt. Ihre Dämpfung versäumt zu haben, ist nach Ansicht des Präsidenten Dr. Nickel einer der Hauptfehler der Konjunkturpolitik. Dr. Nickel verteidigte die DM-Aufwertung, obwohl er gleichzeitig darauf verweisen muß, daß es gerade die Zonengrenzbetriebe schwer haben, mit ihren Folgen auf das Exportgeschäft fertigzuwerden. Kritisch wird es, wenn ihre Bedrängnis durch die Lohn-Preis-Spirale noch vergrößert wird. Nicht die industriellen Preise sind es, die Besorgnis erregen, denn sie stiegen 1961 nur noch um 1 %. Bedenklich ist die Baupreisentwicklung, wo es 1961 einen Anstieg von 10 % gab und wo ein weiterer bevorsteht. Aus diesem Gesichtswinkel heraus sieht man auch in Braunschweig die VW-Preiserhöhung mit anderen Augen an als in Bonn. Als eine der Hausbanken des VW-Werkes kennt die Staatsbank die besonderen Risiken des VW-Werkes und hat deshalb auch volles Verständnis für den Wunsch der VW-Verwaltung, die Wiederherstellung solider Rücklagen zu betreiben.

K. W.