,Döblin... gleich ein paar anderen Gefährdeten bekam er. eines Tages einen Vertrag der Metro-Goldwyn. Es war kein glanzvoller Vertrag, aber er bot eine Existenzgrundlage für ein Jahr in Hollywood, als Script Writer der Metro – und das Entscheidende war: mit so einem Vertrag bekam man das amerikanische Visum ... Döblin ging nach Hollywood – mit zwölf anderen. Diese dreizehn – so erzählte mir Döblin, als ich ihn 1947 traf – standen dafür, daß man sie bezahlte, unter einem Gebot und unter einem Verbot. Gebot: täglich von neun bis fünf im Script Writing Department der Metro-Goldwyn zu sitzen, jeder In seinem Zimmer, Verbot: während dieser acht stunden tatsächlich zu arbeiten ...“ – so schrieb Robert Neumann vor drei Wochen in der ZEIT. Eine schöne Legende? Georg Fröschel erlebte jenes Jahr auf der anderen Seite; der der Arbeitgeber.

Von 1939 bis 1956 war ich bei Metro-Goldwyn-Mayer als Filmschriftsteller angestellt. Im Jahre 1940 ließ mich Louis B. Mayer, der Chef dieser größten amerikanischen Filmgesellschaft, in sein Büro rufen und sagte mir ungefähr folgendes: „In ein paar Tagen kommen drei jüdische Schriftsteller, die aus Deutschland geflüchtet sind und die von einem Hilfskomitee nach Amerika gebracht vurden, hier an. Ich kenne die Herren nicht und weiß so gut wie nichts über sie. Es sollen begabte Leute sein. Sie werden ein Jahr bei uns arbeiten – auf Probe. Versuchen Sie, die Herren mit den liesigen Verhältnissen vertraut zu machen und beaufsichtigen Sie, was sie tun und treiben. Erzählen Sie ihnen nichts von dieser Unterredung.“

So wurde ich, ohne daß es ihnen bekannt wurde, der Vorgesetzte von Walter Mehring, Alfred Polgar und Alfred Döblin.

Fast gleichzeitig mit der Ankunft der drei Schriftsteller erhielt ich den Auftrag, Jan Struthers Buch „Mrs. Miniver“ zu einem Filmdrehbuch zu adaptieren. Das Buch enthält eine Anzahl Skizzen über kleine häusliche Geschehnisse in der Tamilie Miniver. Mein Chef, der Filmproduzent Sidney Franklin, hatte die Idee, die Gestalt der Mrs. Miniver in den Mittelpunkt einer dramatischen Handlung zu stellen, die den Mut und die Leiden des englischen Volkes, das sich damals bereits im Krieg befand, während Amerika noch Frieden hatte, dem amerikanischen Publikum vor Augen führen sollte.

All dies stellte ich Alfred Döblin kurz nach Eintreffen bei Metro-Goldwyn-Mayer car und bat ihn, eine Woche darüber nachzudenken, was man mit der Figur der Mrs. Miniver cramatisch anfangen könne.

Pünktlich nach einer Woche erschien Döblin in meinem Büro und erzählte mir zwei Stunden lang den Inhalt der einzelnen Skizzen des Buches. Zu höflich, den Dichter zu unterbrechen, fragte ich ihn nachdem er geendigt hatte: „Also was meinen Sie, Herr Doktor, könnten wir mit der Mrs. Miniver anfangen?“

Döblin: „Man könnte aus dem Stoff einen ausgezeichneten Film für Charlie Chaplin machen.“