Dies war ein schwarzer Augenblick in der Geschichte der Menschheit.“ Mit diesen Worten kommentierte ein Sprecher des britischen Radioobservatoriums in Jodrell Bank die Nachricht von der Explosion einer Fusionsbombe in etwa dreihundert Kilometer Höhe über der Johnston-Insel im Pazifik.

Trotz der vielen Proteste, die von namhaften Wissenschaftlern aus aller Welt in den letzten Monaten bei der US-Atomenergie-Kommission angemeldet wurden, haben die Amerikaner nach zwei vergeblichen Versuchen nunmehr eine Wasserstoffbombe mit einer Sprengkraft von mehreren Millionen Tonnen TNT in der Hochatmosphäre gezündet, in einer Schicht der Eidumhüllung, die der Ausbreitung von ionisierten Teilchen nur noch wenig Widerstand entgegensetzt und deren elektromagnetisches Gleichgewicht daher von einer Explosion empfindlich gestört werden kann.

Unmittelbar nach der Detonation einer Atombombe bildet sich eine Plasmakugel, ein Ball aus elektrisch geladenen Gaspartikeln, der sich mit sehr großer Geschwindigkeit aufbläht. Da nur ein verschwindend geringerTeil dieser Ionen und freien Elektronen in der dünnen Atmosphäre, die in derartigen Höhen herrscht, auf Luftmoleküle trifft, haben die Teilchen kaum ehe Chance, sich wieder zu neutralen Partikeln zu vereinigen. Der Plasmazustand der Explosionswolke bleibt somit erhalten.

Im Plasma aber kann kein Magnetismus bestehen, daher reißt die sich ausdehnende Gaswolke ein Loch in das Magnetfeld der Erde, sie drückt gewissermaßen die Feldlinien beiseite. Die Folge ist ein magnetischer Sturm, der am vergangenen Montag auch prompt auf der ganzen Erde registriert wurde.

Das Verschieben der elektrischen Feldlinien erfordert Arbeit von den Materieteilchen, ihre radiale Ausbreitung wird daher gebremst. Immerhin taucht der Plasmaball in die tiefer liegende Ionosphäre ein und zerstört für einige Zeit ihre dicke Schale aus elektrisch geladenen Teilchen, die für die Rückspiegelung der Radiowellen sorgt und damit den Funkverkehr über weite Strecken ermöglicht. Die vorübergehende Funkstille, die vor allem aus Japan gemeldet wurde, beweist, daß es den Amerikanern gelungen ist, die Ionosphäre zeitweilig zu zertrümmern.

Das war auch der Sinn des Experimentes, durch das man ermitteln wollte, in welchem Umfang eine Weltraumexplosion das Funk- und Radarwarnsystem der amerikanischen Verteidigung blockieren könnte. Theoretisch müßte die Explosionswolke auch die Erde erreichen, hier aber tritt eine zusätzliche Bremsung durch die Atmosphäre ein, die ihre Ausdehnung in etwa dreißig Kilometer Höhe stoppt.

In Richtung Weltraum hingegen könnte es passieren, daß die magnetischen Feldlinien nicht stark genug sind, der Aufblähung des Plasmaballs Einhalt zu gebieten. Sie könnten an einigen Stellen nachgeben und wie die Zunge eines Sonnenausbruchs in die Magnetosphäre hineingetrieben werden. In dieser Sphäre liegen die radioaktiven Gürtel der Erde, die von magnetischen Kraftlinien in ihrer Form gehalten werden. Wenn nun dieses magnetische Korsett von der künstlich erzeugten Protuberanz-Zunge durchstochen wird, entleeren sich die Strahlungsgürtel. Die Folgen einer solchen Störung sind der Wissenschaft noch nicht bekannt.

Bei dem Bombenversuch vom letzten Montag haben die magnetischen Feldlinien der Detonation, so scheint es, noch standgehalten, indessen hat die Atomenergie-Behörde bereits zwei weitere Weltraumexplosionen in größeren Höhen geplant, und welche waghalsigen Experimente die Sowjetunion in Zukunft durchführen wird, jetzt, da der Eingriff in die natürliche Umgebung der Erde nicht mehr tabu ist, läßt sich kaum absehen. Victor Gero