Von F. J. Weale, London

Gold und Dollar sind auf den internationalen Finanzplätzen wieder ins Gespräch gekommen. Man könnte sagen, es handle sich um eine zyklische Erscheinung. Wann immer Gerüchte über eine allgemeine Goldpreiserhöhung auftauchen, sind sie da. Sie haben sich bisher immer als falsch erwiesen.

Zum Preis von 35 Dollar die Unze kauft und verkauft das USA-Schatzamt seit 1934 Gold an Zentralbanken und internationale Organisationen. Die neuesten Gerüchte wollen nun wissen, daß die Goldparität des Dollars (0,889 g – seit 1946), als der Goldgehalt der „härtesten Währung“ der Welt geändert werden soll. Eine Verringerung dieses Gehalts würde einer Verteuerung des Goldes gleichkommen – und zwar spricht man jetzt von 10 bis 50 %.

Präsident Kennedy in persona sowie die monetären Stellen in Washington und New York haben seit der Währungsfondstagung im vergangenen Herbst fünfmal diese Gerüchte als falsch erklärt. Und doch – die Gerüchte gehen um, der Goldpreis und Goldaktien zeigen feste Tendenz und der Dollar liegt auf den freien Märkten schwach.

Lassen wir Tatsachen sprechen.

Die Wiener Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds hatte ein Ziel: Eine Abwehrfront der Zentralbanken gegen jeden spekulativen Angriff auf eine Währung zu schaffen. Die Währung, um die es sich damals handelte, war der Dollar. Infolge der passiven Zahlungsbilanz ging die Goldreserve der USA dauernd zurück, während die Verschuldung an das Ausland durch das Anwachsen von Dollarguthaben stieg. Die Möglichkeit der Einforderung dieser ausländischen Dollarguthaben in Gold, die (theoretisch) jederzeit gegeben ist, verschärft die amerikanischen Sorgen um den Dollar. Man begann deshalb mit dem Bau von Schutzwällen gegen eine Flucht ins Gold. Nach Abzug der gesetzmäßigen Deckung für den inländischen Geldumlauf sind nämlich weniger als 6 Milliarden Dollar der Reserve für ausländische Dollarforderungen vorhanden.

Diese Zahl nährt die Gerüchte über eine Dollarabwertung im Verhältnis zum Gold.