Heiße Würstchen hinterm Steuerrad

von G. S.

Das erste „Drive-in-Restaurant“

Mr. Thueson, ehemaliger Soldat der US-Armee in Deutschland, kam auf die Idee, sich hierzulande als Geschäftsmann zu betätigen. Er tat genau das, was seine amerikanischen Gäste mit „just like home“ begrüßen, die Deutschen als Neuerung bestaunen und die Ärzte vermutlich als einen weiteren Schritt zum Herzinfarkt bezeichnen. Er eröffnete das erste Drive-In-Restaurant der „A & W Root Beer Gesellschaft“ in Deutschland, zugleich das 2283. der Gesellschaft überhaupt. Es liegt an der Autobahn MannheimViernheim.

Für faule Menschen ist das Drive-In ein Labsal, denn endlich kann man das Essen bestellen und einnehmen, ohne sich vom Steuerrad fortbewegen zu müssen. An die Betonrampe fahren, Lichthupe blinzeln lassen – schon eilt die Bedienung herbei, um die Wünsche zu notieren. Wenig später wird bereits das Tablett an das heruntergekurbelte Fenster geklemmt, und der eilige Ritter der Landstraße kann seine heißen Würstchen, seine Pommes frites oder seinen „Hamburger“, seinen Kaffee oder auch sein Wurzelbier (Root Beer ist ein alkoholfreies Getränk, das aus Waldkirschrinden, Birkenrinden, Aniskörnern, Vanillebohnen, Löwenzahnwurzeln und anderem gebraut wird) ohne die geringste körperliche Bewegung zu sich nehmen. Es fehlt nur noch Charly Chaplins Maschine aus „Modern Times“, damit man auch nicht mehr die Finger zu bewegen und nicht mehr zu kauen braucht. G. S.

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  • Quelle DIE ZEIT, 13.7.1962 Nr. 28
  • Schlagworte Arzt | Autobahn | Essen | Getränk | Herzinfarkt | Kaffee
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