DIE ZEIT

Hie Ben Khedda, da Ben Bella

Als eine „Frage über Leben und Tod“ hat der Außenminister der provisorischen algerischen Regierung, Saad Dahlab die Verwirklichung der Pläne um die Zusammenarbeit mit Frankreich bezeichnet.

Rechts-Ingenieure?

Die meisten Richter, die erwiesenermaßen an Terrorurteilen in der Ära des „Dritten Reiches“ mitwirkten, haben jetzt ihren Abschied eingereicht.

Schlappe für Bonns Koalition

Da Ergebnis der Landtagswahl an Rhein und Ruhr ist eine Kritik an Bonn, nicht an Düsseldorf. Es ist ein Votum gegen die schwach gewordene Führung in Bonn, gegen das unfruchtbare Koalitionsgezänk zwischen der CDU und der FDP.

Der Kongreß trägt das Haupt hoch

Die letzte Juniwoche hat Präsident Kennedy im launischen Repräsentantenhaus kurz hintereinander eine vernichtende Niederlage und einen glatten Erfolg beschert.

Starker Mann in Bayern

Alois Hundhammers legendärer schwarzer Bart ist schlohweiß geworden, die beiden Falten von den Nasenflügeln hinunter zu den Mundwinkeln haben sich in letzter Zeit schärfer eingekerbt, doch sein Gesicht wirkt geradezu frappierend frisch.

Unannehmbar

Chruschtschow hat Chruschtschow Lügen gestraft. In den Berlin-Verhandlungen hatten sich „einige Fortschritte“ ergeben, sagte er Ende letzter Woche; aber am Dienstag machte er mit seinem neuen Berlin-Plan jegliche Hoffnung auf solche Fortschritte zunichte.

Warum schwieg Fränkel?

Generalbundesanwalt Fränkel wird nicht mehr in sein Amt zurückkehren. Er wird in den Wartestand versetzt werden. Die Dokumente, die Pankow über seine Tätigkeit in der Nazizeit ausgebreitet hat, haben sich als echt erwiesen.

Zeitspiegel

U Thant, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, erklärte Journalisten in London: „Wenn die Großen Vier zu einer Abmachung über Berlin kommen und der Ansicht sind, daß einige Abteilungen der Vereinten Nationen dorthin verlegt werden sollen, wäre meine persönliche Ansicht, daß die Vereinten Nationen auf ein solches Angebot eingehen sollten.

Das Gebet von Reims

Man mag das eine oder das andere tun: man mag den genialen Sinn de Gaulles für Regie und Ausstattung bewundern oder aber bespötteln – in jedem Falle tut man Recht und Unrecht zugleich.

Walter Hilpert

Der Funkmann Walter Hilpert ist plötzlich gestorben, und alle, die ihn kannten, sind tief bewegt von dieser Nachricht. In der Epoche der Langlebigkeit stirbt er mit 54 Jahren.

Butterstreit an der Grenze

Mußten die in Bonn das ausgerechnet jetzt noch vor der Wahl machen?“ seufzte dieser Tage ein CDU-Politiker in Schleswig-Holstein.

Mein Briefträger

Er mußte jeden Augenblick kommen. Es war schon nach halb zwölf. Meist kam er schon um elf. Einmal ganz kurz, das ist sein Klingelzeichen.

Das Tabu ist gebrochen

Dies war ein schwarzer Augenblick in der Geschichte der Menschheit.“ Mit diesen Worten kommentierte ein Sprecher des britischen Radioobservatoriums in Jodrell Bank die Nachricht von der Explosion einer Fusionsbombe in etwa dreihundert Kilometer Höhe über der Johnston-Insel im Pazifik.

Wie erfassen wir unsere Umwelt?

Warum sieht der Mond am Horizont größer aus, als wenn er im Zenit steht? Mit dieser jahrtausendealten Frage haben sich zwei amerikanische Psychologen, Lloyd Kaufman und Irvin Rock, seit einigen Jahren beschäftigt.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Trophoblast, ein Bestandteil der äußeren Membran der befruchteten Eizelle, wirkt, wie D. R. Kirby, Embryologe an der Universität Oxford, nachweisen konnte, zerstörend auf krebsartige Gewebe.

Bilderdiebstahl

Das internationale Modeverbrechen unseres Jahrzehnts – für gestohlene Bilder Lösegeld zu fordern – raubt den Kunstkennern den Schlaf und den Museumskuratoren die Fassung.

Zeitfragen: Brauchen Bücher eine Schutzfrist?

Wer gleichzeitig ein Auge auf die Kataloge der Buchgemeinschaften und auf die Auslagen der Buchhändler hat (zugegeben, das ist bei wenigen der Fall), der konnte in der letzten Zeit feststellen, daß ihm hier wie dort immer häufiger das gleiche angeboten wurde: Bücher, die kaum auf dem „regulären“ Buchmarkt erschienen waren, tauchten auch schon in irgendeiner Buchgemeinschaft auf, meistens in identischer Ausstattung, höchstens mit einem anderen Schutzumschlag versehen – und um ein Drittel oder die Hälfte oder mehr billiger.

Es ist auf Vernichtung abgesehen...

... Ich freue mich sehr für Sie, lieber Max, daß Sie noch beizeiten aus dem Affenstall herausgekommen sind, und ich wünsche Ihnen für Frankreich alles Gute.

Wolfgang Ebert:: Immer diese Unsicherheiten

Mit der Wirklichkeit kommt selbst eine relativ blühende Phantasie nicht immer mit. Da dachte ich. mir doch schon seit langem, wie nützlich es wäre, wenn man sich nicht nur wie bisher gegen Regen im Urlaub versichern könnte, sondern auch gegen Kummer in der Liebe.

Kleiner Kunstkalender

Das Werk von Albert Weisgerber, geboren 1878 in St. Ingbert, gefallen 1915, ist noch nie so umfassend gezeigt worden wie jetzt in Heidleberg.

Musik im Widerstreit: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

Es sind, wie ich fürchte, drei falsche Karten ins Spiel geraten. Erstens, Mißtrauen meines widerstreitenden Partners, daß man ihn im Verdacht hätte, er habe die wahre Geschichte von widerwillig zwölftönig arbeitenden Komponisten „ad hoc erfunden“.

Zeitmosaik

Artur Adamov, der in Rußland geborene und heute in Frankreich lebende Dramatiker, wurde während eines Interviews nach wichtigen Voraussetzungen fürs Dramenschreiben gefragt.

Faulkner auf deutsch

William Faulkner hat nicht das Glück gehabt, in Deutschland von einem Übersetzer in einem Verlag herausgegeben zu werden; von Lizenzausgaben in dritten, vierten und fünften Verlagen abgesehen, erscheinen seine Werke bei Goverts und Rowohlt; sechzehn Übersetzer im ganzen haben sie Übertragen.

Homerisches Schlachtfeld am Mississippi

Die Trauer beschwört Bilder herauf. Eine Tafel an der Auffahrt zu einem von hohen Zedern umschlossenen, ebenso herrschaftlichen wie sichtbar alternden Herrenhaus: Bitte, nicht ohne Einladung betreten.

Das alte Universitätslied

Ohne Kontakt mit ihren Professoren, ohne Kontakt untereinander (wenn sie nicht einer Verbindung angehören) – so verläuft das Leben vieler Studenten von heute.

Die Schiffe können wiederkommen

Eine in vielen Ländern in vielen Jahren viel umgetriebene reifende Frau veröffentlichte 1959 ihr Erstlings-Gedichtbuch, aus dem ein neuer, doch lange erwarteter Ton hörbar war (gleichzeitig auch in der Lyrik anderer Dichter vernommen): der Ton der Einfachheit und Klarheit, aus untergründigem Chaos destilliert – Visionen, Bilder, Assoziationen von weltweiter Vielfalt, durch geschwind schwebenden Rhythmus und innere Logik einprägsam, einleuchtend zusammengehalten.

Umgang mit toten Schriftstellern

Kritik soll, so hört man mancherort, nicht verletzen oder gar zerstören. Sie soll, wo sie tadeln möchte, nie vergessen, daß hinter dem Werk ein Autor steht, der ringt.

Versuch einer großen Inventur

Der 13. August schuf eine Zäsur nicht nur höchst augenfälliger architektonischer Art. Er war ein Einschnitt auch in die deutsche Nachkriegsgeschichte.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die (erste?) systematische Darstellung der Geschichte des modernen Buchumschlags, illustriert durch ebenso schöne wie interessante farbige Abbildungen aus der Sammlung des Mannheimer Buchhändlers Dr.

Zwischenspiel in Wimbledon

Wimbledon 1962 ist vorüber. Bei den Herren (treffender wäre wohl Männern) waren die Australier unter sich. Man könnte annehmen, daß sie nur noch aus reiner Commonwealth-Courtoisie ins einstige Mutterland gekommen wären.

Film

„Sehnsucht der Frauen“ (Schweden; Verleih: Atlas): Wie eine Synopsis der früheren Werke „Schiff nach Indien“, „Durst“, „An die Freude“ und „Sommerspiel“ und zugleich wie eine Vorwegnahme der späteren Arbeiten „Sommer mit Monika“, „Eine Liebeslektion“ und „Frauenträume“ mutet dieser 1952 entstandene Film Ingmar Bergmans an.

Funk

Anbruch der hundert Tage: Napoleon verläßt Elba und landet in Südfrankreich. Die blauweißrote Lawine wächst im Zustrom der überlaufenden Bourbonentruppen und rollt unaufhaltsam gen Paris.

Hersfeld ohne Heuss

Sommerszeit ist Festspielzeit. So spielen sie wieder, ob’s stürmt oder schneit. Zu den Aufführungen in der Hersfelder Stiftsruine geht man nicht im Abendkleid und weißen Smoking, sondern im warmen Mantel.

In fremden Spiegeln

Am Montag um halb elf wurde ein NBC-Film über Hemingway gezeigt, Ernst Schnabel sprach den Kommentar im Stil eines Brechtischen Sängers: freundlich belehrend, elegisch und knapp.

Theater

1957 hat sich der damals 32jährige Giselher Klebe mit seinem Opernerstling, der wörtlichen Vertonung von Schillers gekürztem Drama, als Talent der Musikbühne empfohlen.

Die große Herausforderung

Die amerikanische Bevölkerung nimmt gegenwärtig um etwa 3 Millionen jährlich zu. Wenn von den ins Erwerbsleben eintretenden jungen Jahrgängen der Ausfall an Beschäftigten in Abzug gebracht wird, die durch Alter, Tod und infolge Familiengründung (weibliche Arbeitskräfte) aus dem Arbeitsleben ausscheiden, so verbleibt ein jährlicher Nettozugang von annähernd 1 1/2 Millionen Arbeitssuchenden, die im Wirtschaftsleben Unterkunft finden müssen.

Die Wacht am Rhein

Wir werden weiter privatisieren, wenn alles zu Scherben fällt – wahrlich: die Bonner Vision von einem „Volk von Kapitalisten“ ist unerschütterlich.

Mit Kurs auf den Konkurs

Am Dienstag der vergangenen Woche rief der in Konkurssachen nicht gerade unerfahrene Amtsgerichtspräsident Dr. Peters den Bremer Reeder Helmut Parchmann zu sich und verlas den Beschluß, daß über das Vermögen der Reederei H.

Zeitraffer

Der weiterhin steigende Lebensstandard in der Bundesrepublik zeigt sich auch in der zunehmenden Größe neuer Wohnungen. Nach Angaben im „Bundesbaublatt“ ist die Zahl der im Bundesgebiet im Jahre 1961 fertiggestellten Wohnungen mit 532 600 Einheiten zwar 1,7 % niedriger als im Jahre 1960, jedoch hat sich die Zahl der Wohnräume um 0,7 % und die Brutto-Wohnfläche um 1,1 % erhöht.

Leer-Sätze für die Wirtschaft

Als die gesellschaftliche Arbeitsteilung im Laufe der historischen Entwicklung ein bestimmtes Maß überschritt und große ökonomische Einheiten schuf, wurde das wirtschaftliche Geschehen für die meisten Menschen rätselhaft.

Auf falschen Test-Pfaden

In der letzten Woche flatterte den Redaktionen ein neuer Pressedienst auf den Tisch, dessen Kopf von 65 Millimeter hohen roten Lettern geziert wurde: Es war der erste, schon vor Wochen erwartete Warentest der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV).

Jedem seine EWG-Million...

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gerät schon in die „planetarische Dimension“, noch ehe England den Weg zu ihr gefunden hat.

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