Die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang eines Slogans

Von Willi Bongard

Es war um das Jahr 1955, als sich ein Wirtschaftsjournalist und ein Arzt zusammentaten, um ein kleines Büchlein herauszugeben, das reißenden Absatz fand und rasch mehrere Auflagen hintereinander erlebte: „Angina temporis“. – „Zeitnot, die Krankheit unserer Tage“ war der Untertitel. Das Bändchen würde kaum einen Verleger, geschweige Käufer gefunden haben, wenn Titel und Inhalt den Nagel nicht auf den Kopf getroffen hätten.

Man wird sich erinnern: Es war die Zeit, in der niemand Zeit hatte, in der alle „verrückt“ spielten und die Managerkrankheit grassierte. Das „Wirtschaftswunder“ begann seinen Tribut und seine ersten Opfer zu fordern. Die Frankfurter Allgemeine wetterte gegen die „Tyrannis der Schaffer“. Auch damals gab es Maßhalte-Appelle. Die hatten: allerdings einen anderen Sinn als heute ...

„Mach mal Pause“ – der Slogan lag, wie man so sagt, in der Luft. Er wurde alsbald zum Panier, zur Losung. Selten zuvor dürfte ein Werbespruch so gut „angekommen“, so rasch populär geworden sein. Wir wollen nicht hoffen, daß wir uns eines Sakrilegs schuldig machen, wenn wir meinen, daß „Mach mal Pause“ es mit „Proletarier aller Länder, vereinigt euch“ aufnehmen könne. Hier wie dort hat der Zeitgeist Pate gestanden. Freilich ein sehr unterschiedlicher.

In einem Punkt war „Mach mal Pause“ dem Kampfruf der Proletarier noch überlegen: Der Slogan setzte sich sehr viel rascher durch, errang wesentlich schneller Verkehrsgeltung als „Proletarier aller Länder ...“ Das Kaiserliche Patentamt dürfte sich außerdem kaum jemals bereit erklärt haben, Karl Marx die Eintragung einer „Schutzmarke“ für seine Devise zu gestatten. „Mach mal Pause“ konnte jedoch bereits nach drei Jahren – genau am 10. September 1958 – den Schutz des Deutschen Patentamtes für sich in Anspruch neh-

Pause mit Gebrauchsanweisung