Unter den großen satirischen Zeitungen der Welt nimmt der in Paris erscheinende „Canard enchaîné“ („Gefesselte Ente“) eine besondere Stellung ein. Denn man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: die Respektlosigkeit, den Humor, den Witz dieses Wochenblattes oder die Tatsache, daß den Späßen und Eulenspiegeleien solide Informationen zu Grunde liegen. Natürlich hat der „Canard“ sich auch mit dem Besuch Adenauers („Konradin“) bei de Gaulle (dem „König“) befaßt. Dies im „Hofbericht“, den allwöchentlich André Ribaud verfaßt.

Konradin verließ das Königreich ganz erhoben von dem Glanz und der Gnade, mit denen der König ihn empfangen hatte. Während er seinem Reich entgegenflog, dröhnten noch in ihm Klänge der französischen Musik, der engelhaften „Te Deum“-Orgel von Reims und der kriegerischen Trommeln von Mourmelon.

Niemals hat man je etwas so Hoheitsvolles erlebt – würdig, sich in die Erinnerung der Völker einzubrennen und sich darin zu verankern – wie das Hochamt von Reims. Zugleich aber sah man niemals im Verhalten zweier Menschen einen größeren Gegensatz wie bei Konradin und dem König. In der Kathedrale zeigte sich der Fürst aus Bonn ganz hingegeben sowohl beim Gebet und Niederknien als auch beim Lesen seines Messbuches – beim Augensenken, beim bußfertigen Kopfneigen; der König aber erfreute sich der Szenerie. Er warf Blicke zu den hohen Fenstern, den Wandteppichen; er schaute auf die im Chor versammelten Mitglieder seines Hofs; er paradierte in stillem Stolze, den er nur mit Mühe an sich halten konnte. Konradin betete Gott vom „Kyrie“ bis zum „Agnus Dei“ an und folgte der Messe, der König regierte über sie.

Beim königlichen Festmahl, das durch den Herrn de Teittinger, den Grafen der Champagne, ausgerichtet wurde, rühmte der König sich, daß er die Vox Dei sich botmäßig gemacht und sie dazu gebracht habe, die Heilige Allianz zu segnen, die er mit Konradin zur höheren Ehre beider Nationen und seiner persönlichen Hegemonie abgeschlossen hatte. In Mourmelon hat er am Vormittag ein Wunder bewirkt: Der Wind ging dort so stark und ungünstig, daß man fürchten mußte, er werde in des Königs und Konradins Gesicht den Staub wehen, der durch die schweren Kriegswagen aufgewühlt wurde. Der König erschien: Sogleich drehte der Wind ...

Bevor er Konradin auf die Spazierfahrt nach Rouen, Beauvais, Bordeaux und Reims geschickt hatte, war der König mit ihm in der Oper. Beim Eintreten sagte er ihm aus Gefälligkeit, daß er es durch Clément Malrot hatte einrichten lassen, daß eine deutsche Tänzerin für das königliche Ballett angeworben worden sei. Konradin erwiderte, er sei sehr bewegt durch diese liebenswürdige Aufmerksamkeit. Am anderen Tage, bei seinem Lever, hat er dann seiner Frau Tochter erklärt: „Wunderbar! Welche absolute Monarchie ist doch dieser Staat meines Vetters in Frankreich! Es ist das erstemal, daß ich ein Land besuche, dessen Fürst so mächtig ist, daß er als Ballettmeister in seiner Oper regieren kann..“