SÜDWESTFUNK 14. Juli, die Reportage:

Friedrich Wilhelm Abel hielt sich zehn Tage in Jugoslawien auf: in Zagreb, Split, auf der Insel Chwar, in Dubrovnik und Belgrad. Der Reporter sprach seine Eindrücke gleich an Ort und Stelle auf Band: Dies gibt zwar der Sendung eine gewisse Unmittelbarkeit, aber dennoch fehlt ihr jener schwebende Glanz, jene leicht berauschende Atmosphäre, wie sie bei Reiseschilderungen nicht selten sind.

Nun liegt der Reportage Abels aber nicht nur die Absicht zugrunde, Land und Leute zu schildern. Es soll auch Titos gemäßigte Volksdemokratie beleuchtet werden. Um die Authentizität zu beweisen, wird das Gespräch mit zwei „Gewährsleuten“ auf Band wiedergegeben. So erfahren wir einiges über betriebliche Selbstverwaltung, Sozialmaßnahmen und Freiheit des religiösen Lebens.

Alles ist gut und beispielhaft. Und wenn dann doch so ein kleiner Schönheitsfehler zur Sprache kommt, wird prompt festgestellt, daß im Westen entsprechende Mängel nicht fehlen .. So hat also das von Abel gebrachte Touristenbild eines zahmen Kommunismus so viel Frohgemutes, daß man Jugoslawien zu seinen marxistischen Segnungen recht herzlich gratulieren möchte. Aber wäre es nicht noch aufschlußreicher gewesen, Kleinbauern, Handwerker, Geistliche anstatt Parteigänger ans Mikrophon zu holen? Solche Gespräche – so meint der Uneingeweihte – wären wohl repräsentativer. H. K.