Loe, München

Unmittelbar bevor am Dienstag der FIBAG-Ausschuß zusammentrat, um die heikle Materie erneut zu prüfen, diesmal allerdings infolge beträchtlicher Verbitterung seiner sozialdemokratischen Mitglieder unter ungünstigeren Vorzeichen für Strauß als beim ersten Start – unmittelbar vorher begann die große Aufwertungsaktion für den Bundesverteidigungsminister. Er habe es ja letztlich nicht nötig, als Objekt Moskauer Drahtzieher seine Nerven strapazieren zu lassen, so hieß es plötzlich, vielmehr sei er den Bayern in Gestalt des nächsten Ministerpräsidenten höchst willkommen.

Strauß selber sprach von einem „Ruf der Partei“, dem zu folgen er nicht abgeneigt sei. Der Ruf erging in erster Linie von CSU-Generalsekretär Zimmermann, dem Intimus des Ministers, und wurde am Wochenende in Tegernsee, wo mehrere Parteigremien tagten, von Strauß aufgenommen. Der Minister legte dar, ein Wechsel von Bonn nach München dürfe nicht als „Abstieg“ gewertet werden, die wichtigste Voraussetzung für ihn sei, daß Bayerns derzeitiger Ministerpräsident Ehard nach den Landtagswahlen im November nicht wieder sein Amt begehre.

Nunmehr passierte etwas Überraschendes: Ehard, der, 74 Jahre alt, schon seit langem nicht als Interessent für diesen Stuhl gilt, ließ plötzlich seinen Staatssekretär Heubl in die Diskussion eingreifen: „Im übrigen haben wir ja noch einen Ministerpräsidenten, der mit Geschick und Erfolg seit mehr als 15 Jahren Bayern regiert.“

Aus einer anderen Ecke schoß der CSU-Landtagsabgeordnete Huber als Sprecher des Petra-Kreises einen gezielten Pfeil ab: Man nehme an, „daß Strauß in der FIBAG-Affäre völlig rehabilitiert wird, dann besteht kein Grund, ihn von Bonn wegzuholen“. Im umgekehrten Falle, äußerte Huber vor einem kleinen Kreise, sei es eigentlich kaum denkbar, daß Strauß in München zum Kabinettchef gemacht werde.

Die Strauß-Anhänger hatten bereits ein Programm aufgestellt: Der Minister solle sich in Freising als Landtagskandidat nominieren lassen, denn der jetzige Freisinger CSU-Abgeordnete, Philipp Held, werde natürlich nicht die ihm offerierte Möglichkeit ausschlagen, dafür Regierungspräsident von Oberbayern zu werden. Am Montag erklärte Held kalt: er denke nicht daran, ins Regierungspräsidium zu gehen, sondern wolle unbedingt wieder ins Parlament.

Der „Ruf der Partei“ erwies sich als keineswegs so einhellig, wie er auf unbefangene Zeitungsleser zunächst gewirkt hatte. Interne Auseinandersetzungen zeigten zudem einen furchtlosen Hundhammer, der, unterstützt von einer starken Mannschaft, ohne Scheu Ansichten kundtat, die sich durchaus nicht mit denen von Strauß deckten.