Wenn auch die beiden Werften und Maschinenbaubetriebe der AG „Weser“, Bremen, im Geschäftsjahr 1961 in etwa gleichem Umfang beschäftigt waren wie im Vorjahr, so spiegeln der Abschluß des Unternehmens und der Bericht des Vorstandes doch die Tatsache wider, daß sich die Lage der deutschen Werftindustrie gegenüber dem Vorjahr verschlechtert hat. Nach wie vor ist der Wettbewerb durch Subventionen im Ausland verfälscht. Kennzeichnend für die Verschärfung des Wettbewerbs – verschärft durch die D-Mark-Aufwertung – ist die Forderung nach langfristigen Krediten zu günstigen Bedingungen beim Abschluß von Neubaukontrakten, die die Werftindustrie vor zusätzliche und betriebsfremde Aufgaben stellt. Direktor Janson erklärte bei der Erläuterung des Abschlusses, daß seit längerer Zeit schon keine kostendeckenden Neubauabschlüsse mehr getätigt werden konnten. Die Kostenerhöhungen seien trotz fortlaufender Rationalisierungen nicht mehr aufzufangen.

Der Umsatz der AG „Weser“ ist im Berichtsjahr zwar um 4,4 % auf 224,4 Mill. DM gewachsen, die Zunahme findet aber ihre Begründung darin, daß zu Beginn des Geschäftsjahres mehrere Einheiten abgeliefert wurden, bei denen die Fertigungsleistung überwiegend noch aus 1960 stammt. Zur Zeit beträgt der Auftragsbestand noch 380 000 Tragfähigkeitstonnen, die zwar eine mehrjährige Beschäftigung sicherstellen, aber keine volle Kapazitätsauslastung garantieren.

Die Bilanzsumme ist von 218,2 auf 227,3 Mill. DM gestiegen. Warenforderungen haben sich von 22,4 auf 55,8 Mill. DM mehr als verdoppelt. Die. Zunahme ist auf wesentliche Kaufpreisstundungen zurückzuführen. Das Eigenkapital betrigt jetzt 38,2 nach 36,0 Mill. DM, nachdem den Rücklagen 2,2 Mill. DM zugeschrieben wurden. (Grundkapital unverändert 18 Mill. DM). In den Verbindlichkeiten von 143,8 (Vorjahr 132,9) Mill. DM sind Refinanzierungskredite mit 29,7 und damit 25,0 Mill. DM höher ausgewiesen als 1960. Die erhaltenen Anzahlungen fielen in Übereinstimmung mit dem rückläufigen Auftragseingang um 20,5 auf 88,2 Mill. DM zurück. Das Unternehmen schließt mit einem Reingewinn von 1,48 Mill. DM, aus dem 8 % Dividende an 14,85 Mill. DM Stammaktien und 9 % im 3,15 Mill. DM Vorzugsaktien ausgeschüttet werden. Für die ausgeschiedenen AR-Mitglieder Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (Vorsitzer) und Johannes Schröder wurden der Generalbevollmächtigte des Krupp-Konzerns Berthold Beitz, der auch den Vorsitz übernimmt, sowie Arno Seeger vom Krupp-Direktorium neu in den Aufsichtsiat gewählt. Sml.