DIE ZEIT

Ein Jahr danach

Ein Jahr ist nun schon vergangen, seit am 13. August jene unsichtbare Linie, die die Welt in zwei Teile auseinanderschneidet und die quer über den Potsdamer Platz in Berlin läuft, durch Stacheldraht markiert wurde – Stacheldraht, der schon bald darauf durch eine inzwischen abermals verstärkte Mauer ersetzt wurde.

Diplomatenschub in Washington

Botschafter zeigen mitunter wie Auslandskorrespondenten die Neigung, sich mit den Interessen des Gastlandes zu identifizieren oder, wenn sie keine Berührung mit ihm finden, in eine Art Haßliebe zu ihrer neuen Umgebung zu verfallen.

In Algerien droht die Lokal-Anarchie

Die provisorische algerische Regierung, der Verhandlungspartner Frankreichs in Evian, existiert nicht mehr. An seine Stelle ist Ben Bellas Politbüro getreten, dem weder Ben Khedda – der letzte Präsident der provisorischen algerischen Regierung – noch Belkassem Krim – der Führer der algerischen Verhandlungsdelegation in Evian – angehören.

Was ist das: ein Bayer?

Kann ein Nicht-Bayer in München Ministerpräsident werden? – Eine politische Humoreske an der Isar

wer....was....wo....warum...

Die neue Versuchsserie hat im Westen nicht überrascht. Die Frage ist, ob der Atomwettlauf nun weitergeht oder ob sich die beiden Supermächte nach Abschluß ihrer gegenwärtigen Testreihen auf einen Versuchsstopp einigen.

Zeitspiegel

„Mädchen bilden in einer Reihe von Industrien das immer bereite Ersatzmaterial für nicht ganz fertige Maschinen. Wo einem Konstrukteur nichts mehr einfällt, da baut er ein Mädchen ein.

Festival mit Ärgernissen

Begeisterung und Protest, Aktivität und Gleichgültigkeit, ernste Gespräche und gröbste Verleumdungen, Friedenstauben und Militärkapellen, vollendete künstlerische Darbietungen und primitivste politische Propaganda, waches Interesse und stupide Borniertheit – all das gab es beim Festival in Helsinki: gleichzeitig, nebeneinander, durcheinander.

Sie wählten die Freiheit

Sie stammt von einem jungen finnischen Journalisten, jene Einteilung, wonach es beim Festival in Helsinki vier Blöcke gegeben hat.

Angemessen?

Die Beamten der Bundespost lassen nichts unversucht, um ihre Besoldungsforderungen durchzusetzen. Seit sie nach ihrer „Aktion Igel“ von allen Seiten zu hören bekamen, daß der „Dienst nach Vorschrift“ disziplinarisch bestraft werden könne, probieren sie es auf legale Weise: Drei Postbeamte wandten sich an das Bundesverfassungsgericht und beantragten festzustellen, daß die Bundesregierung und der Bundestag durch die Verweigerung einer Besoldungserhöhung ihre verfassungsmäßige Pflicht verletzt hätten, das Beamtenrecht nach den „hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums“ zu regeln.

Der Führer der britischen Faschisten

Am 1. August schrieben zwei Männer folgender Brief an die Times: „Sir – Einer von uns ist ein Jude, der daher aus Gründen der Abstammung ebenso wie aus allgemein-menschlicher Gründen, alles verabscheut, was Sir Oswald Mosley repräsentiert.

Kein Abbruch, nur Pause

Das amtliche Bonn beurteilt die Vertagung der Brüsseler Konferenz und das Zwischenergebnis der Verhandlungen Großbritanniens mit den sechs EWG-Staaten nicht so skeptisch, wie das anderwärts und zum Teil auch in nichtoffiziellen deutschen Kreisen geschieht.

Schleswig-Holstein: „Marinefibel” treibt Geschichte

Man kann in bundesdeutschen Buchhandlungen ein kleines Bändchen kaufen, die „Marinefibel“. Sie unterrichtet über Flaggen und Schornsteinfarben der Reedereien, über Uniformen und Rangabzeichen der US-Navy, über Spleißen und Knoten, über die Manöver beim Klarmachen der Rettungsboote, über Seekarten, Radargeräte und Schiffstypen.

Mich können Sie auch zitieren

Wenn ein vielgeplagter Feuilletonchef und Bestseller-Autor keinen Anstand nimm, sich sogar in seinen Ferien über deutsche Sitten zu ereifern, und seien es nur die Sitten von Studenten (Zeit Nr.

Flugsicherung mit tiefgekühltem Gedächtnis

Ein elektronisches Gedächtnis für Datenverarbeitungsanlagen, das neu eingegebene Informationen laufend mit den bereits gespeicherten Daten in Beziehung setzt, wurde von der General Electric Company in Schenectady (New York) entwickelt.

Kristalle werden durchleuchtet

In der vergangenen Woche fand in München eine von etwa 500 Wissenschaftlern aus nahezu allen Ländern der Erde besuchte Tagung statt, die dem Gedenken an die Entdeckung der Röntgen-Interferenz vor fünfzig Jahren und den jüngsten Fortschritten auf dem Gebiet der Kristallstruktur-Forschung gewidmet war.

Weltraum-Schlauchboote

Telstars spektakulärer Erfolg hat den ersten Nachrichtensatelliten Echo I in Vergessenheit geraten lassen, der schon seit zwei Jahren die Erde umkreist, und mit dessen Hilfe unter anderem die Alphornantennen erprobt werden konnten, die bei den transkontinentalen Fernseh- und Telephonübertragungen die fliegende Relaisstation anpeilen.

Ist unser schwarzer Diamant todkrank?

Seit 250 Millionen Jahren schlummert unter der Erdoberfläche eines Gebiets von 6200 Quadratkilometern, zwischen Ruhr und Lippe, als wertvoller Überrest vorgeschichtlicher Wälder ein schwarzer Diamant.

Ein Schlag ins Gesicht

Nicht ohne Grund haben wir... in aller Ausführlichkeit den dokumentarischen Nachweis erbracht, wer dieser Ilja Ehrenburg eigentlich ist und was die deutsche Nation, insonderheit die Mittel- und Ostdeutschen, diesem bluttriefenden Scheusal in Menschengestalt mit zu verdanken haben.

Internationale der Überlebenden

Glücklicherweise ist da auch noch Ehrenburgs sagenhafter Deutschenhaß. Er soll sogar die Rote Armee zur schlimmsten Grausamkeit gegen die Deutschen angestiftet haben.

Kein Recht zum Richteramt

Wer (die Äußerungen Ehrenburgs während des Zweiten Weltkriegs) las, mußte bei einem Minimum an Gerechtigkeitsgefühl und Objektivität sofort empfinden, daß diese fast an archaische Kriegsgesänge erinnernden Appelle gegen einen Feind gerichtet waren, dessen Taten das Ehrenburgsche Verlangen nach Vergeltung und Rache nicht ganz unbegreiflich erscheinen lassen .

Marilyn Monroe

Frauen mochten sie nicht. Sie waren degoutiert, lächelten überlegen, fühlten sich im Grunde aber eher ein bißchen beunruhigt, wenn irgendein Mann, und nun vielleicht gar der ihrer Wahl, Marilyn Monroe ins Kinoherz geschlossen hatte.

Nicht unsympathisch, aber...

ehr leicht gesiagt: natürlich muß Ehrenburgs Memoirenwerk in Deutschland gedruckt und gelesen werden. Ich sage es, aber ich zögere mit den Argumenten.

Musik im Widerstreit: Die strenge Lehre und ein Wort Lessings

Wat is denn det nu wieda? – um im tröstlichen berlinischen Tone zu reden. Sind Se doch verninftig, Walter Abendroth! Wenn Se da schrei’m: „Ich rede mich, im Zeitalter der demokratischen Meinungsfreiheit, um Kopf und Kragen“ – imma langsam mit die jungen Pferde! Tut Ihn’ doch keener wat! Könn’ hier doch schrei’m, wat Se un wie Se’s wollen! Wird jedruckt, nicht? Oder jlooben Se, det die Atonalitätsmenschen jejen Sie perseenlich werden? Wo die doch nach Ihre eijene Ansicht von Jott un’s jroße Publikum so total verlassen sind, det se ihr Unwesen abseits treiben müssen – in nächtliche Funk-Studios un uff jelenkte Verschwörungsfestiwells! Un wenn Se sollten sogar mal ssu weit jehen in Ihre Ausdrücke – macht doch nischt, Walter! Un wenn Se sollten noch eenmal von „Vollmusik“ reden, so dat der Eindruck entstehn kennte, nu säße ick da mit meine atonale „Magermusik“ – is’ ja nicht schlimm! Wird allet verkraftet!.

Wolfgang Ebert:: Die tragisch Verstrickten

Es ist immer schön und lobenswert, wenn sich Leute, vor allem solche, die einem nahestehen – und wie oft kommt es vor, daß einem gerade die eigene Frau recht nahesteht – wenn sich besagte Leute mit Dingen beschäftigen, die eigentlich etwas abseits von ihrem eigentlichen Wege liegen.

Gesellschafter der Prominenz

Die seit Jahrzehnten immer wieder aufflackernde Frage, wer der 1891 in Kiew geborene, in Moskau zur Schule gegangene, in Paris reif, in Moskau (und auf zahllosen Reisen) alt gewordene russische Kosmopolit Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg nun eigentlich sei – eine Frage, der von Lenin bis Joyce, von Poincaré bis Picasso und von Goebbels bis Sieburg kaum ein einziger bedeutender Zeitgenosse ausweichen konnte – diese Frage wird seit zwei Jahren aus erster Quelle beantwortet: auf den inzwischen weit über tausend Seiten des Memoirenwerks „Menschen, Jahre, Leben“.

Dieter E. Zimmer:: Nicht weil er die Deutschen gehaßt hat

Der Aufruf, zu töten und zu töten, von wem er auch kommt, gegen wen er sich auch richtet und so sehr eine maßlos aggressive Zeit die ’defensive Maßlosigkeit des einzelnen auch erklärt und entschuldigt – ihn zu bagatellisieren, wäre falsch und zwecklos.

Die Unzucht in der Kunst

Der Hamburger Prozeß gegen Jean Genets Roman „Notre Dame des Fleurs“ eröffnet neue Perspektiven der Rechtsprechung

Nr. 32 vom 7. August 1952: Anders überlegt

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, daß die Wehrbeitragsklage im gegenwärtigen Zeitpunkt unzulässig sei. Das hat bei der SPD lebhafte Kritik und Ablehnung hervorgerufen.

Die Macht der Witwen

Dennoch gibt es einen Gesetzes-Paragraphen, der dieser Unterscheidung entscheidendes Gewicht beilegt. Mit diesem Paragraphen kann ein kunstwissenschaftliches Buch totgeschlagen werden.

Kleiner Kunstkalender

Eine Gedächtnisausstellung für August Macke – er wäre in diesem Jahr 75 geworden, Er war der Jüngste im Kreise des „Blauen Reiters“ und der glücklichste.

Literarischer Schutzwall gegen die DDR

Es geht jedoch um weit mehr als um die Bücher von Anna Seghers. Es geht um das literarische Leben in der Bundesrepublik. Mithin sollte dieser Fall – allen Emotionen, die ihn belasten, zum Trotz – mit maximaler Sachlichkeit erörtert werden.

Zeitmosaik

Das Schweizer Bundesgericht wird demnächst entscheiden, ob Graphiken der klassischen japanischen Meister Utamaro und Hokusai als „obszöne Gegenstände“ vernichtet werden müssen oder nicht Der Besitzer der Blätter, auf denen Liebesszenen abgebildet sind, hatte sie nach dem Krieg in Deutschland erworben und 1960 einer Ausstellun; in Berlin zur Verfügung gestellt.

Raubritter in Böhmen

Goethe war der letzte deutsche Dichter, der sich ohne Scheu und Vorbehalt mit der tschechischen Literatur beschäftigte. Nach ihm begann das Zeitalter der vaterländischen Turnlehrer und der staatlich approbierten Scheuklappen; je mehr die böhmischen Deutschen mit dem fortschreitenden tschechischen Bürgertum um die politische Herrschaft stritten, desto geringere Achtung zollte man der Dichtung der feindlichen Brüder.

Ursachen der Meinungsmüdigkeit

Hermann Josef Dufhues hat unlängst einen Preis für Journalisten empfohlen, die mutig ihre Meinung sagen, einen deutschen Pulitzer-Preis.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine Analyse Jean Paulscher Prosa. Am Beispiel des Siebenkäs durchleuchtet Rasch die subjektivistische Erzählweise Jean Pauls, die Metaphernspiele, die den Fortgang des Geschehens immer wieder unterbrechen, die „dissonanten Strukturen“, die „kontrapunktische, gegenwendige Stimme“ in dem „Spiel des Dichters mit dem Leser“.

Gladiatoren der Berge

Die Eiger-Nordwand hat jetzt das zwanzigste Menschenleben gefordert. Die Leiche des 32jährigen Schweizers Adolf Derungs, der im Alleingang die mörderische Wand bezwingen wollte, wurde jetzt geborgen.

Sportwart spielt Vabanque

Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathleten in Weinheim an der Bergstraße war Generalprobe für unsere 4×100-m-Nationalstaffel.

Tennis-Revolution

Ein Gespräch mit Jean Borotra bei den Internationalen Tennismeisterschaften von Deutschland in Hamburg

Film

„Die Haut und die Knochen“ (Frankreich; Verleih: Atlas): In ein Zuchthaus wird ein Neuer eingeliefert. Er behauptet, unschuldig zu sein und schließt sich arrogant von den anderen Insassen ab.

Funk

Der junge englische Hörspielautor Guy Compton gehört ganz gewiß nicht zu den „angry young men“: Sein Spiel „Chez nous“, ein skurriler und höchst vergnüglicher Schwank, ist kein Hörspiel im landläufigen Sinne.

Fernsehen: Schnarchende Röhre

Das Programm der Woche: Zwei Übertragungen aus Bühnenhäusern („Der Widerspenstigen Zähmung“ und „Tratsch im Treppenhaus“), vier Kinofilme („Lieben und lieben lassen“, „Zirkus Barnay“, „Bombomanie“, „Die Erde bebt“), drei Wiederholungen („Froher Herbst des Lebens“, „Das Bildnis des Dorian Gray“, „Die Familie“).

Siegfried im Tennisdress

Wenn ich mir erlaube, meine Bayreuther Eindrücke 1962 zum Gegenstand einer Generalabrechnung unter dem Motto „Wie ich es sehe“ zu machen, so glaube ich mich dazu durch einigermaßen gründliche Wagner-Kenntnis und vieljährige intime Bayreuth-Erfahrung (seit 1924) autorisiert.

Theater

Am Ende der 12. Internationalen Theaterwoche der Studentenbühnen war in Erlangen viel von Krise, Ende, Tod der Institution zu hören.

„Denk nach und werde reich“

Verehrter Leser, was würden Sie tun, wenn Ihnen auf dem Weg durch die Stadt Frankfurt ein Firmenschild mit der Aufschrift „Success Motivation Institute“ begegnen würde? Stutzig werden, weitergehen.

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