ERLANGEN (Markgrafentheater):

Internationale Studentenbühnen-Woche

Am Ende der 12. Internationalen Theaterwoche der Studentenbühnen war in Erlangen viel von Krise, Ende, Tod der Institution zu hören. Nicht zum erstenmal. Die 60 000 Mark, die es kostet, auswärtige und ausländische Bühnen einzuladen, wurden an Bedingungen politischen und bürgerlichen Wohlverhaltens geknüpft. Mit Einbußen kam die Woche „doch noch“ zustande. 13 Studiobühnen aus sechs Ländern zeigten 17 Aufführungen. Verwirrung stiftete durch ihre Stoffwahl die Studentenbühne aus Kansas (USA). Betroffenheit erzielten die Frankfurter mit dem Legendenspiel „Eli“ von Nelly Sachs. „Enthusiastisch applaudiert“ wurde den Hamburgern nach ihrer Aufführung eines altchinesischen Volksstückes „Der Tag des großen Gelehrten Wu“ (in der Bearbeitung von Brecht, Palitzsch und Weber für das Berliner Ensemble). Sie erhielten den ersten Preis. In den Nürnberger Nachrichten wird als Ergebnis der 12. Erlanger Woche festgestellt: „Die Studiobühnen, besonders die deutschen, haben... ihr künstlerisches Leben ausgehaucht.“ Auch Joachim Kaiser sagt in der Süddeutschen Zeitung, „daß die diesjährige Festwoche ... offenbar die schwächste seit Bestehen der Institution war“. Doch meint Kaiser: „Man muß diesen Tod aufhalten.“ Angesichts der geistigen Wandlung in der studierenden Jugend seit fünfzehn Jahren, im Hinblick auch auf die vielen Studiobühnen der Berufstheater „genügt nicht die Leidenschaft fürs Spielen, wenn nicht auch die Leidenschaft, sich auseinanderzusetzen, an der Gesellschaft mitzuarbeiten (sprich: zu kritisieren) mit ‚im Spiel ist“.

SALZBURG (Felsenreitschule):

„Iphigenie in Aulis“ von Gluck

Die künstlerisch geschlossenste Leistung dieser Festspielsaison ist dem Zusammenwirken von Günther Rennert und Karl Böhm zu danken. Rennert hatte zusammen mit Paul Friedrich zunächst eine textlich, dramaturgisch und musikalisch neue deutsche Bühnenfassung (nach Glucks letzter, von der Aufführungspraxis lange mißachteter Partitureinrichtung) erarbeitet. Trotz einiger Unebenheiten sprachlicher Art ist der Bühne ein Werk packender musikalischer Charaktere und eine Choroper von klassischer Größe erschlossen worden. Caspar Nehers vorletzter Bühnenentwurf (der letzte galt den in Köln zu erwartenden „Räubern“) entwickelt die Podium-Simultanszenerie mit beispielhafter Selbstverständlichkeit aus den Logenarkaden und der Empore der Mönchsbergwand. Dem Regisseur Rennert gelang mit seiner ersten Inszenierung in der Felsenreitschule ein spezifisch Salzburger musikalisches Theater, dessen Schaureize faszinierten, dessen geistig geformte Darstellung die Musik versinnlichte. Böhm trieb die leidenschaftliche Energie im Klassizismus Glucks hervor und gewann dem Riesenapparat ein Höchstmaß an differenziertem Klang ab. Solistisch standen im Mittelpunkt Christa Ludwig (Iphigenie) und Walter Berry (Agamemnon) – zwei jugendfrische Stimmen, intelligent phrasierend. Inge Borkh (Klytämnestra) überzeugte durch ihre darstellerische Kraft. Mit den tenoralen Schwierigkeiten der Achilles-Partie war James King noch nicht ganz fertig geworden. Erwähnenswert als Stimmen sind noch Otto Edelmann (Kalchas) und Elisabeth Steiner (Artemis). Choreographie der reduzierten Balletteinlage Erich Walter.

SALZBURG (Neues Festspielhaus):