DIE ZEIT

Das wunde Wirtschaftswunder

Vor einigen Monaten noch bedurfte es einer Fernsehrede des Wirtschaftsministers, um die Öffentlichkeit aufzurütteln und ihr die krisenhaften Symptome in unserer Wirtschaft zum Bewußtsein zu bringen.

Gemietete Fäuste

Aber lang ist nicht ewig ... Für den, der in Not ist, für den, der geknechtet wird, ist dies ein unzulänglicher Trost. Auch dem, der über die Mauer hinweg zusehen muß, wie andere in Not sind, andere geknechtet werden, bietet diese Feststellung keine Beruhigung.

Heimgekehrt – doch nicht daheim

Wie soll man sie überhaupt nennen, diese Menschen – mehr als fünfhunderttausend an der Zahl –, die in den vergangenen Monaten aus Algerien im französischen Mutterlande eingetroffen sind? Flüchtlinge? Die Regierung möchte sich das verbeten haben.

Kanzlers Dolchstoß

So, nun ist es also so weit, daß der Bundeskanzler seiner eigenen Partei in den Rücken fällt: Bei der nichtöffentlichen Sitzung des Fraktionsvorstandes der CDU hat er sich im Gegensatz zur Majorität der Anwesenden mit allen möglichen Argumenten gegen den Beitritt Großbritanniens zur EWG gewandt, den zu begrüßen, er öffentlich nicht müde wird.

Der Tod im Zeitungsviertel

Der Berliner Peter Fechter, der am Freitag, dem 17. August, an der Mauer starb, war achtzehn Jahre alt. Als er geboren wurde, lag das Stadtviertel, in dem er so kläglich verendete, längst in Trümmern: Jener Stadtteil, in dem die Zeitungen entstanden.

Fortschritt im Schneckentempo

Es ist jetzt ein Jahr her, seit in Punta del Este die „Allianz für den Fortschritt“ geschaffen wurde – jenes Bündnis der amerikanischen Staaten, das sich zum Ziel gesetzt hat, die zwanzig Länder Lateinamerikas binnen zehn Jahren auf dem Wege demokratischer Evolution zu reformieren.

Zeitspiegel

Weil er für eine Gruppe Deportierter, die bei einem Eisenbahntransport erstickten, eine Messe gelesen hatte, wurde in Kamerun ein katholischer Bischof des Landes verwiesen.

Dürfen Beamte streiken?

Die passive Resistenz im öffentlichen Dienst unter dem Motto „Diensterfüllung streng nach Vorschrift“ ist wahrscheinlich eine österreichische Erfindung aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

Die unvermeidbare neue Strategie

Die NATO befindet sich in einer entscheidenden Transformationsphase, deren Endergebnis noch nicht für alle Beteiligten klar erkennbar ist.

Hessen: Es begann mit einem anonymen Brief

Mitten im sommerlichen Frieden der Semesterferien ist die Hochschulgruppe Frankfurt des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten zum Angriff gegen den Präsidenten des Rates der Hochschule für Erziehung Frankfurt am Main, Professor Dr.

Hakenkreuze gegen Franco

Wenn Hakenkreuze an Gebäude oder auf das Straßenpflaster geschmiert werden, so pflegen Nazis die Täter zu sein. Am 18. Juli dieses Jahres aber fand man in Hamburg am spanischen Generalkonsulat und auf dem Straßenpflaster zwischen der Universität schwarze Hakenkreuze, die keineswegs von unverbesserlichen Faschisten stammten: Vier junge spanische Republikaner hatten sie gemalt und an das Konsulatsgebäude „Mörder“ und „Freiheit für Spanien“ geschrieben.

Funksignale aus dem Magen

Am kommenden Sonntag wird in München eine internationale Ausstellung von elektronischen Rechengeräten, die INTERDATA, eröffnet.

Glenn-Effekt erklärt?

Eine Erklärung für die seltsamen Schwärme aus gelblich-grün leuchtenden Lichtpunkten, die der amerikanische Astronaut John Glenn während seines Raumflugs etwa vier Minuten lang kurz nach Sonnenaufgang beobachtet hatte, gab C.

Interplanetarische Spielereien

Dr. Leonhard Duhl hat die Psychologie um ein Kolumbusei bereichert. Er fand eine Erklärung dafür, warum es den Menschen so unwiderstehlich in den Weltraum hinauszieht.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Die Forschungslaboratorien der Ölindustrie bemühen sich schon seit langem darum, festzustellen, wie sich die Kohlenrückstände an den Zylinderwänden eines Verbrennungsmotors bilden und auf welche Weise man diese schädliche Ablagerung durch geeignete Kraftstoffzusätze verringern kann.

Die Kohle ist tot - Es lebe die Kohle!

Mit einer Fallgeschwindigkeit von 16 Metern pro Sekunde fahren wir ab, in einem dunklen Käfig, Mann an Mann gedrängt, hinab in den schwarzen Schlund der Erde.

Hundertfünfzig Jahre deutscher Entrüstung

Aus Friedrich Schlegels Notizheften Um Achtzehnhundert gab es in Deutschland einige Jünglinge und einige Mädchen (fünfzehnjährige Bräute, Ehefrauen und Blaustrümpfe), an die wir uns noch heute erinnern; nicht so sehr an ihr Werk (es ist zum guten Teil in den Literaturgeschichten beigesetzt) als an das Klima, das aus ihren Freundschaften und Liebschaften, ihren Zwisten und Scheidungen, ihren Tagebüchern und Klatschgeschichten entstand.

Ein Krampf um Rom

Die Dame war für den Preis – Raubüberfall eines Schriftstellers – Die Rache der Anna Banti Bewältigung italienischer Vergangenheit

Nr. 34 vom 21. August 1952: Vom sichern Port

Deutschland sei ein Volk von tapferen Soldaten gewesen, nun müsse es auch ein Volk von tapferen Widerstandskämpfern werden, hat der Leiter der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“, Tillich, in Westberlin ausgerufen.

Wohlwollen mit Kammervirtuosen

Wenn der Vorhang über den nächsten, den XII. Berliner Festwochen wieder hochgeht, werden aller Voraussicht nach wieder Staatsschauspieler und Kammersänger in den städtischen Häusern dieser Stadt auf den Bühnen stehen, und den Orchestern Berlins gehören möglicherweise zwei oder drei Kammervirtuosen an.

Zeitmosaik

Der Dokumentarfilm Paul Röthas „Das Leben von Adolf Hitler“ wird demnächst in London uraufgeführt werden. Allerdings: Man muß bis elf, Uhr nachts warten, bis man ihn sich ansehen kann.

Wolfgang Ebert:: Dämme gegen die Flut

Herr Kuhlert ist der Leiter der „Aktion Bremse“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die weitere Ausbreitung des Tourismus, wenn nicht zu verhindern, so doch wenigstens einzudämmen, wenn nicht einzudämmen, so doch wenigstens den Teilnehmern das Leben im Urlaub gehörig zu vergällen.

Kleiner Kunstkalender

über 100 Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle, Ölstudien von Leonid Pasternak zeigt die Städtische Galerie in München. Die Arbeiten kommen aus London, wo die beiden Töchter des Künstlers, der 1945 in Oxford gestorben ist, sein nachgelassenes Werk betreuen.

Triumph eines Schachspielers

Möglich, daß der kommende Schachweltmeister Tigran Petrosjan heißt – die Russen haben nun einmal dank ihrem riesigen Vorrat an Schachbegabungen und der staatlichen Förderung, die sie genießen, die erste Reihe der Elite gepachtet.

Deutsche Dichter als Doktoren

Bewußtheit, Sich-Selbst-Zuschauen über die Schulter weg ist ein Merkmal moderner Dichtung. Der Dichter sitzt in der Werkstatt und verfertigt Texte.

Unauslöschliche Verantwortung

wird man zu den kostbarsten epischen Schöpfungen dieser Jahre zählen müssen. Ist es doch Schaper gegeben, sogar den heute so verengter Begriff der Aktualität wieder auf eine höhere Ebene zu heben.

Wiederentdeckung eines Kritikers

„Was hat? ich nicht drum gegeben, wenn ich neulich bei der Lektüre Ihrer Philosophie ‚Hermann um Dorothea‘ bei Ihnen hätte sein können.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT den „Barometermacher auf der Zauberinsel“, den „Diamant des Geisterkönigs“, „Das Mädchen aus der Feenwelt oder der Bauer als Millionär“, „Die gefesselte Phantasie“, „Moisasurs Zauberfluch“, den „Alpenkönig und Menschenfeind“, „Die unheilbringende Krone“, den „Verschwender“ und eine Einleitung des vorzüglichen Kenners der Altwiener Komödie und Nestroy-Herausgebers Otto Rommel.

Sprinter im Windkanal

Das Flutlicht war eingeschaltet – die Arena wurde zur Bühne, Jutta Heine stürmte über die Malmöer Aschenbahn ihrem Europarekord entgegen.

Geständnis beim Wein

Im Treppenhaus der Würzburger Residenz hat Tiepolo sein „Welttheater“ geschaffen, eine Zusammenschau der Erdteile unter den Engeln des barocken Himmels.

Reisespiegel

Wassersüppchen zu Haus – auf der Urlaubsreise dafür nur echten Kaviar: dies ist das Fazit einer „diskret veranstalteten“ Umfrage in zehn italienischen und französischen Luxushotels.

Reise-Vorschläge

Auch zu den Berliner Festwochen des Theaters, der Musik, des Tanzes und der bildenden Künste, die in diesem Jahr vom 23. September bis zum 9.

Erholungsdorf

Das Reisen ist heute so leicht geworden, daß nan sich oft von romantischen Vorstellungen dazu verführen läßt, entfernten Zielen zuzustreben, statt der viel dringenderen Erholung an näheren Stätten den Vorzug zu geben.

Ferien mit Festival

Das ganze Städtchen Chichester gleicht einer jener zierlichen Laternenuhren, die man in Englischen Herrenhäusern auf marmornen Kaminsimsen findet: zwei Jahrhunderte alt, aber das Messing blitzblank geputzt und das Werk so sorgfältig instandgesetzt, daß es fast ebenso verläßlich funktioniert wie ein Schweizer Chronometer.

Reise-Notizen

Im Spessart, unweit der Autobahnauffahrt Rohrbrunn, wurde das frühere Zisterzienserinnen-Kloster Himmelthal, das im 18. Jahrhundert die Jesuiten übernahmen, für 120 000 Mark restauriert Das Klostergebäude wurde zu einer Gastwirtschaft mit Pension umgestaltet.

Schnelle Fahrt auf Umwegen

Allen, die in diesen Wochen noch in den Süden wollen, einen Rat: Es gibt im Bereich des Basler Rheinbrückenkopfs außer den überlasteten Übergängen von Weil-Otterbach und Lörrach-Stetten noch drei weitere, die von Norden zu erreichen sind: Weil-Friedlingen, Weil-Riehen und Inzlingen.

Fernsehen: Aus eigener Kraft: Albernheiten, Nichtigkeiten

Die Filmindustrie liegt schwer danieder, geistig und wirtschaftlich lebensgefährlich erkrankt. Das Fernsehen aber zieht, seit Wochen schon, seine ganze Lebenskraft aus dem kränklichen Konkurrenten: Wieder liegt eine Woche hinter uns, in der einzig jene Sachen mit Gewinn zu besichtigen waren, die sich der Televisionsapparat vom Kino ausgeborgt hatte.

Film

„Boccaccio 70“ (Italien; Verleih: Europa): Luchino Visconti, der Regisseur der dritten Episode dieses Films (die erste, von Mario Monicelli, ist weggefallen), hat das Ergebnis des Gesamtwerks in einem Interview als „einfach katastrophal“ bezeichnet.

Funk

Unter Gerhard Winklers fernwehträchtiger Melodie über Capri-Fischer, von Rudi Schurike gefühlvoll interpretiert, ergießt sich aus einem Touristendampfer eine Welle neugieriger, berauschter Deutscher über die umgischtete Insel.

Theater

Der Vater der berühmten Schweizer Schell-Familie, aus der die Kinder Maria und Maximilian Schell am bekanntesten geworden sind, war der Autor der zweiten diesjährigen Uraufführung in Bregenz.

Den alten Adam nicht gefragt

Adam Opel würde sich verwundert die Augen gerieben haben, wenn er am 14. August dem Jubelfest des Werkes, das seinen Namen trägt, beigewohnt hätte.

Schnelligkeitsrausch?

Wollen wir eigentlich schneller als der Schall fliegen? Sind wir darauf versessen, in zwei Stunden von Frankfurt nach New York zu kommen? Als bei einer Pressekonferenz der Lufthansa zum Thema Überschall-Passagierflugzeuge diese Frage gestellt wurde, wischte sie Vorstandsmitglied Höltje mit der Bemerkung zur Seite: „Wenn die Flugzeuge da sind, werden die Leute auch damit fliegen wollen.

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