DIE ZEIT

Abkehr vom Dogma?

ter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär.“ An diese Leninsche These – formuliert im Jahre 1915 in Bern – haben sich die Kommunisten bislang bei der Beurteilung der westeuropäischen Integrations-Bestrebungen strikt und dogmentreu gehalten.

Brandts neue Welle

Die „Neue Welle“ nennen politische Beobachter die Tendenzen, die seit kurzem in der Berliner Politik sichtbar werden. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt war maßgeblich an ihrer Gestaltung beteiligt.

Etat-Schlappe

Konrad Adenauer hat in diesen Tagen, da sein großes außenpolitisches Werk, die Versöhnung mit Frankreich, mit dem triumphalen Empfang de Gaulles in der Bundesrepublik gekrönt wurde, eine bittere innenpolitische Niederlage einstecken müssen.

Drohung an Amerikas Hintertür

Amerika blickt in diesen Tagen auf Kuba. „Die Leute sind viel mehr beunruhigt über Kuba als über Berlin“, erklärte Senator Kenneth B.

Klassenkampf – gentlemanlike

Essens Gruga-Halle ist andere Töne gewöhnt: Gejohle bei Louis Armstrong, Gebrüll beim Sechs-Tage-Rennen. In der letzten Woche aber, als die Industriegewerkschaft Metall dort ihren Kongreß abhielt, wurde nicht einmal der leiseste Pfiff laut.

Von West Point nach Westberlin

Die Adresse schon klingt symbolisch, verpflichtend: Clay-Allee. Hier residiert die Kommandospitze dessen, was man die „amerikanische Präsenz in Berlin“ zu nennen pflegt, die US-Stadtkommandantur also.

wer....was....wo....warum....

• ALGIER – Für die algerischen Parlamentswahlen hat das Politische Büro Ben Bellas einen neuen Termin festgesetzt: den 20. September.

Zeitspiegel

Eritrea, die frühere italienische Kolonie am Südrand des Roten Meeres, begeht in diesen Tagen das zehnjährige Bestehen seiner Föderation mit Äthiopien.

Warum sie „Vive de Gaulle“ riefen...

In Bonn, im alten Stadtteil, in dem von keiner Politik berührten Zentrum, passierte „es“ zum ersten Male: Von der Treppe des Rathauses rief de Gaulle der auf dem Marktplatz versammelten Bevölkerung zu, sie seien Söhne und Töchter „eines großen – jawohl, eines großen Volkes“.

Politisches Gepäck

Auf einem ordentlichen Kongreß wird nicht nur Ideengut produziert, sondern auch viel bedrucktes Papier. Parteitage und Gewerkschaftstreffen machen dabei keine Ausnahme, denn: Was man Schwarz auf Weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

Rom für Englands EWG-Beitritt

Rom hat rasch auf die deutsch-französische Entente Cordiale reagiert, die während des de-Gaulle-Staatsbesuchs in Deutschland sichtbar zu werden schien – mit der neuerlichen Bekräftigung des Entschlusses, den Anschluß Großbritanniens an die EWG und seine Einbeziehung in die Europäische Union mit allen Mitteln zu betreiben.

Hat Deutschland eine Zukunft?

Wir sollen über die Frage reden, ob Deutschland eine Zukunft hat. Ich bin der Meinung, daß die Beurteilung einer zukünftigen Chance vor allem einmal die Kenntnis der Gegenwart voraussetzt.

Das Bremer Kolumbus-Ei

Es wirkt wie ein schlechter’ Scherz und ist doch bittere Wahrheit: Gesetzesbrecher haben in Bremen einstweilen „Schonzeit“. Die Polizei kann ihnen im Augenblick nicht mehr ganz folgen.

Exquisite Preise

Rund dreihundert staatseigene Geschäfte bemühen sich neuerdings mit Erfolg, den wohlhabenden Bürgern der Zone das Geldausgeben zu erleichtern.

La Paloma, aber nur ganz leise

Wenn Sie tierlieb sind, verraten Sie mich nicht beim Pförtner!“ bat die Dame. Ich beruhigte sie, seit heute mittag hätte ich schon sechs Hunde gesehen.

Elternliebe war nicht eingeplant

Beim Finanzamt Frankfurt (Main) – Taunustor liegt ein Aktenstück, das den „sachbearbeitenden“ Beamten noch beschäftigt, wenn er zum wohlverdienten Feierabend nach Hause fährt.

Originell um jeden Preis

Schwabing ist der Stadtteil Münchens, in dem die Funkstreife alarmiert wird, wenn nachts ein paar junge Leute auf einem entlegenen Platz tanzen oder mitten im Verkehrslärm der Leopoldstraße Gitarre spielen.

Ohne Sinn und Form

In der ZEIT vom 4. Mai 1962 meinten wir, die von der Ostberliner Deutschen Akademie der Künste herausgegebene Literaturzeitschrift Sinn und Form sei „ernsthaft gefährdet“.

Provinz überall?

In der Belgrader „Politika“, die ich aus Gewohnheit mit an den Strand genommen habe, lese ich über die geglückte Landung der beiden sowjetischen Astronauten Nikolajew und Popowitsch.

Kleiner Kunstkalender

Hans von Marées, geboren vor 125 Jahren in Elberfeld und vor 75 Jahren in Rom gestorben. Die Bremer Kunsthalle nimmt als einziges deutsches Museum davon Notiz und zeigt, bis zum 21.

Kölns Schauspielhaus

Der neue Kölner Tempelbezirk hat sich geschlossen. Köln besitzt wieder ein Schauspielhaus. Ein Tempel ist es selber zwar nicht, das neue Theater, und schon gar kein „Musentempel“.

Schulkinder und eigene Kinder

Niedersachsen ist erfinderisch: jedenfalls dann, wenn es darum geht, den Lehrermangel an den staatlichen Schulen zu bekämpfen: Mit der Halbtagsbeamtin bleibt der Schule die Hausfrau und Mutter erhalten.

Kokoschka schildert sein Leben

In der Tate-Galerie zu London ist soeben eine Ausstellung des Werks von Oskar Kokoschka eröffnet worden, wie sie in solcher Fülle noch nirgendwo zu sehen war.

Zeitmosaik

Alljährlich vor der Frankfurter Buchmesse werden statistische Zahlen veröffentlicht, die zwar ganz interessant aussehen, als Durchschnittswerte aber kaum Aufschluß über die Verhältnisse geben, die im einzelnen jeweils doch nicht so sind.

Ziel deutscher Sehnsucht

Im April 1787 ist Goethe an dem „wunderbarsten Ort von der Welt“, in dem großen Botanischen Garten der sizilianischen Stadt Palermo gewesen.

Zu empfehlen

ES GEFÄLLT, daß der Verlag es geschafft hat a) einen so interessanten, b) einen so liebevollen und c) einen so überflüssigen Band vorbildlich termingerecht dem Buchhandel zu übergeben.

Die Stimme der Städte

In seinem Roman „Der Zeitplan“, dieser großen, alle Verletzungen unseres Daseins einbeziehenden Variation über das Thema Labyrinth, läßt Michel Butor den Erzähler Jacques Revel, der sich im Dickicht der Stadt Bleston verliert, einen Film ansehen, der die Ruinen untergegangener Metropolen beschwört: und diese Bilder erinnernd, diese schäbigen, rührenden Überbleibsel urbaner Macht, beginnt Revel einen atemberaubenden, Sätze verschlingenden Lobgesang auf die Städte, auf die Labyrinthe, auf ihre Vielgesichtigkeit und -schichtigkeit, auf ihre Vergänglichkeit und den Rest Dauer, der auf uns kommt in Gestalt geborstener Säulen und rätselhafter Grundrisse.

Ein Feind politischer Sentimentalität

Man wird dies eher verneinen müssen. Nicht nur, weil es die unendliche und stetig wechselnde Vielfalt historischer Konstellationen zu unterschätzen droht.

Ein neuer, alter Cronin

In dem neuen Roman von A. J. Cronin sind gewisse autobiographische Züge unverkennbar: David Moray studiert in Glasgow Medizin, geht als Arzt zur See (Cronin war im Ersten Weltkrieg Marinearzt), gibt seinen Beruf auf und hat sogar fast dieselbe Adresse wie Dr.

Eine ungewöhnlich magere Bilanz in Venedig

Das Filmfestival von Venedig, das bekanntlich den Anspruch erhebt, allein die Förderung der Filmkunst zu erstreben, konnte in diesem Jahr nur einen dürftigen Erfolg verzeichnen.

Film

„Scheidung auf italienisch“(Italien; Verleih: Atlas): In Italien gilt die Ehe, wie man weiß, auch vor dem Gesetz als „unauflöslich“.

Funk

In Mark Twains „Tagebuch von Adam und Eva“ ist zu lesen, was die ersten Menschen mit der spitzen Feder des amerikanischen Humoristen aus dem vorigen Jahrhundert im Paradies notierten.

Neue Partner?

Eine wichtige Ausgrabung stand im Mittelpunkt dieser Woche, ein Versuch mit Julien Greens sonderbar-eindrucksvollem Schauspiel „Süden“, an dem die Bühne bisher vorbeigegangen ist.

Theater

Die Rheinoper eröffnete die Saison mit einer Inszenierung des „Fidelio“, für die der frühere Burgtheaterdirektor Adolf Rott verantwortlich war.

Konzerne gegen die Freiheit?

Eine Konzentrations-Enquête, wie sie der Bundestag mit Gesetz vom 31. 12. 1960 beschlossen hat, kann nicht den Sinn haben, „sensationelle Enthüllungen über das angeblich finstere Konzentrationsunwesen zu bringen“.

Mischnicks Entschädigungs-Paket

Die Freien Demokraten, so will es scheinen, haben die Tugend der Sparsamkeit in Erbpacht genommen. „Der Versuch, die Ausgaben des Bundes.

Als dritter am Start: Ford aus Köln

Man sprach 1960 von ihm. Man sprach 1961 von ihm. Doch es wurde Herbst 1962 bevor er kam, der neue Wagen der Ein-Liter-Klasse von Ford, im Werksjargon noch „Cardinal“ genannt.

Luftige Rechenkunststücke

Das Fliegen wird in der Bundesrepublik teurer. Wieder einmal. Und wieder einmal, wie schon vor einem Jahr bei der letzten Preiserhöhung, bedient sich die Lufthansa dabei recht eigenwilliger Rechenkunststücke.

Produzieren kann jeder...

Nicht Fabriken, Marktanteile muß man besitzen! Inzwischen beginnt sich dieses geflügelte amerikanische Wort auch bei uns herumzusprechen.

ZEIT-Termine

Hamburg: Das Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft veranstaltet mit dem Referenten Prof. W. Thoms eine Tagung über „Neue Wege der kurzfristigen Wirtschafts- und Planungsrechnung“ am 18.

Börsen mit verspäteter Sommerpause

Seit Wochen ist an den deutschen Aktienmärkten nichts mehr „passiert“. Die Mehrzahl der Aktienbesitzer, der ständigen Abwärtsbewegung mehr als müde, hat aufgeatmet.

Kein Ende in Sicht

Größere Barausschüttungen der IG-Farben AG i.A. vorerst wenig wahrscheinlich

Börse – auf Platten serviert

Über die sogenannten „Volksaktien“ der Preussag und des Volkswagenwerkes sind viele Leute in Berührung mit der Börse gekommen, die ihre „Spielregeln“ nur ungenügend oder gar nicht kennen.

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