DIE ZEIT

Schon wieder Besuch!

Zwei gelbe Enten aus Zelluloid schwammen im künstlichen Teich, dessen Wasser der Wind zu einem zierlichen Wellenmuster kräuselte.

Brandt – Kanzlers Botschafter?

Ist es zuviel gesagt, daß Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt sozusagen an des Kanzlers Statt in die Vereinigten Staaten und zum Präsidenten Kennedy gefahren ist? Als Brandt kürzlich in Cadenabbia war, hat Adenauer seinen einstigen Wahlkampfrivalen, wie es heißt, mit Herzlichkeit empfangen und dessen Vorstellungen von neuen Nuancen in der Berlin-Politik der Bundesregierung sachlich kühl erörtert – und positiv bewertet.

Miserable Diskussion

Die CDU hat in den letzten Wochen der Öffentlichkeit ein seltsames Schauspiel geboten. Immer wieder erklärten ihre führenden: Politiker mit Emphase, wie töricht, ja wie verwerflich es sei, den Streit um die Nachfolge Konrad Adenauers „auf offenem Markt“ auszutragen, aber indem sie die Öffentlichkeit davor warnten, entfachten sie das Streitgespräch aufs neue.

Scherben in Paris

Mit unmißverständlicher Schroffheit enthüllt der Auftakt zur politischen Saison 1962/63 in Frankreich die beiden dominierenden Charakterzüge der gaullistischen V.

Unser Draht nach Warschau

Warum, so fragte mich kürzlich ein Abgeordneter des Bundestages, reden Sie so viel von der Notwendigkeit engerer Kontakte mit Polen? Was versprechen Sie sich eigentlich davon? Meine Antwort: „Wenn von 1945 bis heute zwischen uns und beispielsweise Norwegen, Benelux und Frankreich ein so undurchdringlicher Eiserner Vorhang bestanden hätte wie zwischen uns und den osteuropäischen Staaten, dann würden auch die westlichen Nachbarn uns heute noch für Militaristen und Nazisten halten.

Bonner Gründlichkeit

Der FDP-Abgeordnete Spitzmüller wollte vom Bundesverkehrsminister wissen, welche Folgen sich aus der Regelung der Sommerschulferien für das Jahr 1963 für die Bundesbahn und den Fremdenverkehr ergeben würden.

Bürgerkrieg in USA

Amerikas unbewältigte Vergangenheit liegt plötzlich wie ein unheilvoller Schatten über der Gegenwart dieser Vereinigten Staaten.

Diplomat auf Abwegen

Man konnte eine Zeitlang den Eindruck haben, daß der kürzlich aus Moskau abberufene Botschafter Dr. Kroll von seiner vorgesetzten Dienststelle ungerecht behandelt werde.

Robert Pferdmenges

Die von seinen Freunden – Feinde hatte er nicht – seit einigen Monaten befürchtete Nachricht kam am Samstagmorgen, dem 29. September, durch den Rundfunk: Robert Pferdmenges ist an seiner schweren Krankheit gestorben.

Zeitspiegel

An einem geheimgehaltenen Ort in Westafrika treffen sich in dieser Woche – nach einer Meldung des Observer – die im Exil lebenden Oppositionsführer Ghanas.

Ben Bella sitzt fest im Sattel

Ben Bella hat es geschafft. Nur 48 von 195 Deputierten des „vorfabrizierten“ Parlamentes verweigerten ihm ihre Stimme. Gestützt auf eine solide Mehrheit durfte er als erster das Amt eines algerischen Ministerpräsidenten antreten, die Kabinettsliste erstellen und sein Regierungsprogramm vorlegen.

Gewöhnt, sich immer durchzusetzen

„Es ist unwahr, daß ich im Zusammenhang mit Professor Hahn einen Ausdruck gebraucht habe, ,der alte Trottel‘. Richtig vielmehr ist, daß ich auf Befragen über die Unterredung mit den Atomphysikern am 29.

Katalonische Katastrophe

Das Herz Barcelonas und Kataloniens schlägt wieder im gleichen Rhythmus. Die Bürger der zweitgrößten Stadt Spaniens, die noch vor kurzem im Zentrum des furchtbaren Unwetters zitterten, das im Umkreis von 25 Kilometern um die wichtige Industriestadt das schöne arbeitsame Industriezentrum Katalonien verwüstete, atmen auf.

Bauern rebellierten

Sie kommen zu spät, Herr Hauptmann Mitdiesen kühlen Worten verabschiedete dieser Tage der Bürgermeister von Eggestedt einen Bundeswehroffizier.

Ein mysteriöses Flugblatt

Nicht von der Freiheit reden: darin herumfahren!“ So heißt eine der Überschriften auf einem Flugblatt, das die Erlebnisse des Unterleutnants der Volksarmee Oswald Pimpl in der Bundesrepublik schildert.

Freispruch für Leibbrand

Eine „kleine Lücke in der Beweiskette“ hat Professor Kurt Leibbrand vor einer harten Strafe gerettet. Das Urteil des Stuttgarter Schwurgerichts gegen den international bekannten Verkehrsexperten, der des Mordes in 22 Fällen angeklagt war, lautete denn: Freispruch aus Mangel an Beweisen.

„Pedantisch, verstaubt und etwas verlogen!“

Im Haus Lerbach bei Bergisch-Gladbach erklärte der Hamburger Landgerichtsdirektor Dr. F. Bertram: „Der Entwurf eines neuen Strafgesetzbuches will auch in Zukunft den Ehebruch unter Strafe stellen, unter denselben Voraussetzungen wie bisher.

Pfennigabsätze

Der Pfennigabsatz, so genannt, weil er in einer winzigen Fläche endet, die höchstens so groß ist wie skandinavische Œre, aber viel kleiner als ein Pfennig, ist gerichtsnotorisch geworden.

Piratenschiff auf dem Trockenen

H. W. Flensburg Seit Mitte August liegt im Flensburger Hafenvielbestaunt, aber nur von wenigen betreten, das Piratensender-Schiff „San Pedrito“.

Witze aus der DDR

Ulbricht ist bei Mao Tse-tung zu Gast. Er fragt ihn: „Genosse, was meinst Du, wieviel Gegner hast Du unter deinem Volk?“ – „So an die 16 bis 17 Millionen.

Halleluja vor dem Hauptbahnhof

Zeitungsverkäufer rufen die ersten Sportnachrichten aus. Autos hupen. Eine Lokomotive pfeift. Bremsen kreischen. Ein Kegelklub mit Fahne kommt gröhlend von der Ahr-Tour nach Hause.

Wolfgang Ebert:: Die falsche Insel

Die eine von ihnen will überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen, daß ich im Urlaub und gar im Süden gewesen bin. Angefüllt mit den abenteuerlichsten Geschichten von meiner Reise, treffe ich solche Menschen und muß es nun erleben, daß sie mich fragen, ob ich nicht endlich mal verreisen will, ich sähe so bleich, abgemagert, fast kränklich aus, was denn mit mir los sei.

Jakob Hegner

Am 25. Februar dieses Jahres feierte er seinen achtzigsten Geburtstag; am 20. September saß er, anläßlich der Buchmesse in Frankfurt, morgens um halb zehn zwischen Buchhändlern und Autoren am Stand des Hegner-Verlages und am folgenden Morgen um halb vier zwischen zwei sich streitenden Hitzköpfen; in einer Bar; am 24.

Zeitfragen: Was haben sie gegen Literaturpreise?

er Nobelpreis steht bevor. Der Prix Formentor, zusammen mit dem Internationalen Verlegerpreis, liegt hinter uns. In der Frankfurter Paulskirche wurde der Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels gefeiert.

Ein Museum mit Zukunft

In Wien, einer bedeutenden Stadt an der Grenze unserer freien Welt, ist ein Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts entstanden: Am 20.

Robert Neumann:: Kitsch as Kitsch can

Seine Anmerkungen zum Thema Kitsch beschloß Robert Neumann das letzte Mal mit der Unterscheidung von „warmem Kitsch“ und „kaltem Kitsch“: der eine geschrieben mit Herzblut und Überzeugung, der andere nach fertigen Vorlagen und Klappentexten im Rekordverfahren zum schnellen Verbrauch produziert.

Walsers erster großer Versuch

Martin Walser gibt im Programmheft des Berliner Schillertheaters fünf Gründe an, warum er jetzt Stücke schreibt. Punkt fünf lautet: „Weil ein Freund sagte: du bist Erzähler.

Die Kunst des Streitens

Leider ist mein Chef recht humorlos und hat keinen Sinn für gutes Streiten. So verläuft mein Tag im Büro sehr friedlich und trist, wenn nicht meine Frau einmal anruft – aber auch dann spielt der Chef den Streitverderber, weil er nicht einsehen will, daß wir so viel Zeit dafür brauchen.

Kleiner Kunstkalender

Es ist ein beliebter Brauch, bei allen möglichen Gelegenheiten vernichtende Urteilssprüche Wilhelms II. über Kunstwerke seiner Zeit zu zitieren.

Zeitmosaik

Unter dem Imprimatur der Verlage Gallimard (Paris), Einaudi (Turin) und Suhrkamp (Frankfurt) soll 1963 eine neue, europäische Zeitschrift herauskommen.

13mal Berlin

Aufsatzsammlungen zu bestimmten aktuellen Themen, vornehmlich in Taschenbuchform, erscheinen seit zwei, drei Jahren in immer größerer Zahl, so daß man fast von einem neuen Zweig der Publizistik sprechen kann.

Der Roman des Jean Cau

Als blickte er in eine Pappschachtel, in der vier Insekten krabbeln, so schaut der Leser in eine Zuchthauszelle und beguckt die vier „Lebenslänglichen“: einen Arzt, einen Boxer, einen Rundfunk-Journalisten und einen Kranführer.

Ist der Adel anachronistisch?

An alten Schlössern sind oft die Dachböden, das Schönste: Koffer mit zerschlissenen Roben, Schaukelpferde und Bücherstapel, Truhen voll Plunder und Zauber, alte Orden, neue Wäschekörbe, Tagebücher und Liebesbriefe, von denen niemand mehr weiß, wer Sie einst geschrieben hat.

Unser Seller-Teller

Suhrkamp (Frankfurt – 15,80 DM Den Bestseller-Listen, so liest man in Günter Blöckers „Kritischem Lesebuch“, wohne eine „trügerische Magie“ inne: der einerseits überinformierte, andererseits unwissende Leser müsse ihr erliegen, sofern er ihr ohne Orientierungshilfen ausgesetzt ist.

Nr. 40 vom 2. Oktober 1952: Frankfurter Buchmesse 1952

Hier können nur Zahlen antworten: daß der deutsche Buchhandel 1951 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Mark gehabt hat, vermutet der Laie wohl kaum, und auch nicht, daß der Umsatz in Büchern größer ist als der in Lederwaren, Papierwaren, Schmuck, Uhren, optischen Instrumenten, photographischen Artikeln und Blumen zusammengenommen.

Tau und Dung

Die Bewältigung der jüngsten Vergangenheit“ findet seit dem vorigen Jahr auch auf dem Jugendbuch-Markt statt. Abgesehen von zwei, drei Ausnahmen lernen unsere Jugendlichen hier, wie hilf- und ahnungslos ihre redlichen Eltern zwischen 33 und 45 gewesen sind und wieviel anonymer Edelmut in den schweren Jahren erblühte.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT umfassende Darstellungen der Geschichte und Grundprobleme der empirischen Sozialforschung von R. König, H. Maus, H.

Erfindungen

Agri Robot, ein vollautomatischer Pflug, der einen Acker ohne jede menschliche Steuerung pflügen kann, nachdem er auf das Feld eingestellt worden ist, wird in Kürze von der Firma Protec N.

Wenn es eine Mars-Flora gibt...

Spätere Generationen werden uns darum beneiden, daß wir dabeigewesen sind, als sich unser Weltbild grundlegend änderte – nur werden wir dann zugeben müssen, daß wir selbst davon so gut wie nichts gemerkt haben.

Nicht nur Wunderkinder brechen Rekorde

Leistungssportler sind junge Sportler – das ist eine Binsenwahrheit. Nicht ganz so einfach aber war noch vor 20 Jahren, die Frage zu beantworten, wann sie ihre Höchstform erreichen.

Reisespiegel

Mit dem Ruhm kommen die Sorgen. Ferienorte, deren Berühmtheit sich heute weniger von den Reizen der Natur als von den Reizen ihrer berühmten Gäste ableitet, müssen allmählich zur Kenntnis nehmen, daß sich immer weniger „Normalbürger“ in ihre Hotellisten eintragen.

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