DIE ZEIT

Zöllner

Der Zollbeamte in New York hörte sich mehr als skeptisch die Erklärung des Unternehmers an, der soeben aus Deutschland gekommen war.

Der Vielfraß wird erzogen

Im Frühkapitalismus – das sind noch keine hundert Jahre her – wäre kein Kaufmann auf den Gedanken gekommen, seine Firma oder gar sich selber dem Publikurh votzustellen.

Londoner Börse: Hoffnung auf steigenden Export

Selbstverständlich hat sich die Londoner Börse den Auswirkungen der weltpolitischen Ereignisse nicht entziehen können. Aber auch hier waren die Reaktionen geringer, als man hätte auf Grund des Krisengrades erwarten müssen.

Kennedy hat unterschrieben

Präsident Kennedy unterzeichnete ein vom US-Kongreß verabschiedetes Gesetz, das den Verkauf eines von den USA beschlagnahmten Feindvermögenswertes von rund 400 Mill.

ZEIT-Termine

Düsseldorf: Zu einer Unternehmertagung am 23. November lädt die Wegenstein Management ein. Es stehen die Erfahrungen mit neuzeitlichen Methoden für Führung und Organisation im Betrieb zur Diskussion.

Bonner Mutmaßungen

Einige Begleitumstände der „Spiegel-Affäre geben in Bonn seit Tagen Anlaß zu Fragen und Mutmaßungen. Die Bundesanwaltschaft und der Sprecher des Bundesjustizministeriums erklärten, daß Interpol mit der Verhaftung des „Spieger“-Redakteurs Ahlers in Spanien nichts zu tun hatte.

Spiegel-Affäre, Staats-Affäre

Kein Zweifel, daß während der vergangenen Woche in erregten und besorgten Diskussionen die Namen Kennedy und Chruschtschow hierzulande so häufig genannt worden sind wie nie zuvor.

Zur Koexistenz verdammt

Am Rande des Abgrunds, an den ihn Chruschtschow gestoßen hatte, spielte Präsident Kennedy um den höchsten Einsatz und gewann.

Bonn noch besorgt

Die Entspannung der internationalen Lage wird in Bonner Regierungskreisen weiterhin mit Reserve beurteilt. Man warnt davor, aus der Aufhellung des Horizonts über der Karibischen See voreilige Schlüsse auf die Entwicklung auch in anderen Gebieten zu ziehen.

Realismus im Kreml

Die sowjetische KP hat ihr Aktionsprogramm revidiert. Jedes Jahr zweimal, am 1. Mai und im 17. November, gibt die Führung der KP in einem Aufruf ihre Auffassungen zu den wichtigsten Fragen der Innen- und Außenpolitik der UdSSR Bekannt.

Skepsis nach dem Sieg

Keinerlei Triumphgefühle in Washington. Erleichterung ja – aber nirgendwo Siegesgeschrei. Die Blockade dauerte an. Die Bereitschaft, gegen die kubanischen Basen vorzugehen, falls Moskau seine Versprechen nicht halten sollte, bleibt bestehen.

wer....was....wo....warum...

• MAILAND Der italienische Erdölkönig Enrico Mattei kam bei einem Flugzeugabsturz uns Leben.................................

Zeitgewinn für Berlin

Verblüfft reiben sich die Berliner die Augen:Chruschtschow als Raketenschmuggler in Kuba, Chruschtschow als Raketenmakler Kuba–Türkei, Chruschtschow schließlich auf bedingungslosem Rückzug.

Zeitspiegel

„Wir waren am Rande des Krieges. Es war eine ungeheuere Befriedigung, als Chruschtschow seine Schiffe zurückrief. Jetzt glaube ich, daß wir sehr wahrscheinlich zu einem Übereinkommen über Kuba kommen werden.

Bittere Erkenntnis in Neu-Delhi

Wir hatten keine Fühlung mehr mit den Realitäten der modernen Welt, sondern lebten in einer Traumwelt, die wir uns selber schufen erklärte der indische Ministerpräsident Nehru öffentlich in Delhi, und diese Feststellung war ein Bekenntnis auch seiner eigenen Schuld.

Gandhis Erbe und Maos Dolch

Nun ist es aus mit dem Traum der Neutralen, alle Asiaten und Afrikaner seien Brüder, wenn nur die Imperialisten sich nicht einmischten.

Das Kuriosum in Kiel

Schön wetter-Regierung in Schleswig-Holstein – Welche Trümpfe hat der Ministerpräsident?

Wahlkönig der Gewerkschaften

Noch am Tag zuvor sah es so aus, als seien die Gewerkschaftler hoffnungslos zerstritten. Die Szene in Hannovers Niedersachsenhalle glich eher einem Tribunal denn einer Demonstration Gleichgesinnter.

Lokal-Egoismus und Weltpolitik

Am nächsten Dienstag wird in den USA gewählt. Diese Parlamentswahlen sind ein kompliziertes Produkt bundesstaatlicher und föderalistischer Verfassungswirklichkeit.

Verlierer in Frankreich

Es gibt Volksabstimmungen, aus denen alle Beteiligten als Verlierer hervorgehen. Dies trifft auch für das Verfassungsreferendum vom vergangenen Sonntag in Frankreich zu.

Kritik an Chruschtschow

Die Losung „Die Freundschaft zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China ist so fest wie der Himalaja, so tief wie der Stille Ozean und so unübersehbar wie die Wolga und der Yang-Tse“, wird man heute in der Sowjetpresse vergeblich suchen.

Zentralschulen sind keine Kolchosen

Ob sich hier wohl noch das romantische Mißverständnis auswirkt, auf dem „flacher Lande“ lebten nur Bauern, und Bauern suchten und brauchten nun einmal keinen Anteil am Leben der Gegenwart? Dabei unterscheiden sich die Berufswünsche der Landkinder kaum noch von denen der Kinder aus der Stadt.

Die Gruppe 47 in Berlin

Die „Mitglieder“ der Gruppe 47, die es nicht gibt, weswegen man sagen sollte: diejenigen, die von Hans Werner Richter dazu aufgefordert worden waren, wollten in diesem Jahr das fünfzehnjährige Bestehen der Gruppe (die also älter ist als, beispielsweise, die Bundesrepublik) festlich in Berlin begehen, um dort über Literatur zu reden und sonst nichts.

Zeitfragen: Die sechs Gruppen der deutschen Literatur

Wir haben keine deutsche Literatur, sagte Hugo von Hofmannsthal, wir haben Goethe und Ansätze. Wir haben keine deutsche Kritik, variierte Ernst Robert Curtius, wir haben Friedrich Schlegel und Ansätze.

Wolf gang Ebert:: Alles wegen Kuba

„In Zentnern, meine ich“, sagte sie, leicht gereizt, „als Vorrat für einen Atomkrieg. Die ganze Welt steht kopf, aber du steckst deinen in den Sand.

Johannes Bobrowski

... wurde 1917 in Tilsit geboren, machte das Abitur in Königsberg und studierte Kunstgeschichte in Berlin. Während des Krieges war er Soldat.

Baumerke kritisch betrachtet (1): Romeo und Julia in der Statdt

Julia dagegen ist ein Laubenganghaus, das heißt: Die Wohnungen sind von offenen Gängen aus zu erreichen. Sie – wie wir diese Hausdame wohl nennen müssen –, Julia also, ist nicht gleichmäßig hoch, sondern staffelt sich von vier auf sieben und elf Stockwerke.

Kein Tempel für Barlach

Ein Museum für Ernst Barlach ist diese Woche in Hamburg eröffnet worden. Es geschieht wohl zum erstenmal in Deutschland, daß dem Werk eines Künstlers ein eigenes Haus errichtet wird.

Zeitmosaik

Die beiden Stiche deutscher Städte aus dem schönen Merian-Band des Hoffmann und Campe Verlages, die wir in der letzten Nummer der ZEIT absichtlich ohne Namensnennung abbildeten, waren: oben Würzburg – wie die meisten unserer Leser richtig erraten haben; unten Bonn – das damals wirklich so aussah, wie es sich einigen seiner Kritiker heute darstellt.

Kleiner Kunstkalender

Karikaturen sind Stiefkinder der Kunst, jener ohnehin suspekten „engagierten“ Kunst, Zwitter aus Talent und Witz. Es gehört schon das Genie vor Honoré Daumier dazu, daß sie über den Tag, über ein Jahrhundert lebendig bleiben.

John Steinbeck:: Rückkehr nach Monterey

Am 25. Oktober verlieh die Schwedische Akademie der Wissenschaften den mit 257 219 Schwedenkronen (rund 200 000 DM) dotierten Nobelpreis 1962 für Literatur an den sechzigjährigen amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck.

Lob eines sehr guten Schriftstellers

Wollte es jemals einen sozialistischen Realisten gegeben haben, dann wäre John Steinbeck dieses mythische Wesen, der junge Steinbeck, der „Früchte des Zorns“ schrieb.

Das Gold liegt auf den Äckern

Der Zorn der Bausparer über die Grundstückspreise wächst – Wer ein „Häusle“ bauen will, muß spekulieren

Zwischen Kohlenhalde und Bahngleis

Zigeuner sind ein dankbares Thema. Ob als Operettenfigur auf der Bühne oder jetzt in Duisburg beim Tod des Zigeunerkönigs Josef Gomanns – der Ruf: „Die Zigeuner sind da“, verleiht der Phantasie der seßhaften Bürger Flügel.

Mängelmeldung

Eine Woche lang war ich kreuz und quer durch Polen gefahren. Morgens startete ich in Zoppot, abends war ich in Helmstedt. Glücklich wieder im freien Westen gelandet! Ich fühlte mich erleichtert wie jeder, der nach einiger Zeit hinter dem Eisernen Vorhang aufs neue westlichen Boden unter den Füßen spürt.

Wachwechsel in Wiesbaden?

Der Wahlkampf in Hessen – Die CDU kann die SPD nur mit Hilfe der Deutschen Friedens-Union aus dem Sattel heben

Fernsehen: Bildschirm-Interview mit Friedrich II.

Vor Jahren haben Staudte und Käutner, damals noch mit Braun, ihre „Freie Film“-Produktion gegründet, eine Institution, die der kommerziellen Ranküne ein Schnippchen schlagen sollte, und denn auch so frei geblieben ist, daß sie fast nicht ins Atelier gekommen ist.

Eine Elegie der Entfremdung

Dieser Film wird es schwer haben. Gewöhnt an handfeste Happy-Ends oder handfeste Katastrophen, ungeübt in der Kunst, Leinwandwerke am eigenen Erleben zu messen, zeigt sich der Kino-Normalverbraucher auch 1962 noch von jenem „Neorealismus der Innerlichkeit“ (René Gilson) befremdet, der die Arbeiten Antonionis auszeichnet und der dem Lebensgefühl unserer Jahre Ausdruck gibt.

Film

„Der längste Tag“ (USA; Verleih: Centfox): Nicht nur den Soldaten beider Seiten wird der 6. Juni 1944 lang in diesem Film über die Invasion, sondern auch dem Zuschauer, der ihn ansehen muß.

Theater

1932, als er dieses „Greuelmärchen“ zu schreiben begann, hielt Bertolt Brecht den Rassenkampf Hitlers für einen Trick des Kapitalismus.

„Verhöre“

„Verhöre“ handelt eines der großen Themen unserer Zeit ab, Kafkas Thema im „Prozeß“, Max Frisdis in „Andorra“ (um nur zwei von zahlreichen Beispielen aus der modernen Literatur zu nennen) – jenes Thema, das uns als Rohstoff täglich aus Gerichtssälen geliefert wird: Die tödliche Bedrohung jedes durch jeden, die Gefahr, welche der Staat, verkörpert in den Durchschnittlichen, für den vom Durchschnitt Abweichenden darstellt.

Es wird weitergetextet

In Stuttgart scheint es zu Ende zu sein mit einer so konventionellen Kunstform wie der Lyrik. Die Wörter „Dichtung“ und „Gedicht“ nimmt man dort mir noch verachtungsvoll in den Mund.

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