DIE ZEIT

Abschied vom Wunschdenken

Partei- und Staatschef Walter Ulbricht hat in diesen Tagen dem kommunistischen Wunschdenken in Politik und Wirtschaft öffentlich abgeschworen und seine Initiative den realen Möglichkeiten zugewandt.

Bruch Peking – Moskau?

Die sowjetisch-chinesischen Spannungen verschärfen sich von Tag zu Tag. Zum erstenmal ist jetzt auch die russische Öffentlichkeit offiziell über diesen Konflikt informiert worden.

Gnade in den Abgründen

Es ist jedes Jahr dasselbe: etwas „Stimmung“, einige fromme und humanitäre Phrasen, ein paar aufwendige Geschenke (mit der Mühe, sich nachher dafür zu bedanken).

Der Strauß-Erbe aus Kiel

Alles ist wohltemperiert. Das Büro ist groß und geräumig, aber nicht bombastisch; die Möbel hell und freundlich, aber völlig ohne modische Extravaganzen.

Kein Haß gegen Janos Kadar

Wenn Ungarn heute ein schnelleres Tempo in der Liberalisierung einschlägt, als die übrigen Mitglieder des Ostblocks, so wird dies von den Bewohnern des Landes vor allem jenem Mann zugeschrieben, der noch vor sechs Jahren nach der Niederschlagung der Revolution von aller Welt als der verhaßteste der kommunistischen Führer angesehen wurde: Janos Kadar.

Widersprüche im „Spiegel“-Bericht

Vor fünf Wochen kündigte ein Regierungssprecher an, der vom Bundeskanzler angeforderte Bericht über einige umstrittene Vorgänge bei der „Spiegel“-Affäre werde innerhalb von acht bis zehn Tagen fertiggestellt sein.

Zeitspiegel

In dem Fall des britischen Geschäftsmannes Greville Wynne, der Anfang November unter dem Verdacht der Spionage in Ungarn verhaftet und nach Rußland gebracht wurde, hat die Prawda neue Einzelheiten bekanntgegeben.

Der Christbaum erobert Paris

Drei Weihnachtsmänner wurden kürzlich von der Polizei überrascht, wie sie einen Einbruch verübten. Die Weihnachtsmänner zogen Pistolen aus dem Sack und eröffneten das Feuer.

Der Groll des Generals

Wer sich dieser Tage in einer Pariser Abendgesellschaft zu langweilen droht, brauche nur die Frage zu stellen: Unter welchem Regime leben wir eigentlich? Diese dialektische Initialzündung löst in der Regel einen Spaltungsprozeß aus, der ungeahnte rhetorische Energien liefern kann.

Der Monopol-Senat

Acht Wochen ist es her, seit die ersten Spiegel-Redakteure arretiert wurden. Zumindest zwei von ihnen sollen – nach einer Voraussage des regierungsamtlichen Bonner „Bulletins“ – vor dem Bundesgerichtshof angeklagt werden.

Vor zwanzig Jahren in Plötzensee

Am 22. Dezember 1962 jährt sich zum zwanzigzigstenmal der Tag, an dem der Wirtschaftspolitiker Arvid Harnack in Berlin-Plötzensee den Tod durch den Strang erlitt.

Bündnis ohne Verbundenheit

Nach dem enttäuschenden Verlauf der Wintertagung des Atlantikrates lassen sich diese Fragen nicht mehr unterdrücken. Auch der von den Delegationssprechern fleißig verabreichte Trost, von derlei Routinetreffen dürfe man nun einmal keine spektakulären Erfolge erhoffen, will nicht recht verfangen.

Peking streckt seine Fühler aus

Die kommunistische Regierung in Peking und die konservative Regierungspartei in Tokio haben wieder Verbindung aufgenommen. Vier Jahre lang waren die Gespräche praktisch unterbrochen, seitdem die Rotchinesen 1958 nach einem Flaggenzwischenfall in der japanischen Stadt Nagasaki die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern abrupt abgebrochen hatten.

Strategie als Pflichtfach

Das Verteidigungsministerium ist gewöhnlich der Friedhof politischer Reputationen.“ Dieser Satz wurde nicht mit Bezug auf Blank oder Strauß geschrieben, sondern als Summe der Erfahrungen englischer Verteidigungsminister.

Tschombe im Trommelfeuer

Das Rätselraten um die Wahl U Thants zum Generalsekretär der UN hat am vergangenen Wochenende ein Ende gefunden. Nun weiß man endlich, warum sich der Birmane nach anfänglichem Zögern doch zu dieser Wahl gestellt hat: Der eine Grund war sicher, daß die Sowjets von ihrem „Troika“-Plan abgelassen hatten.

Wer pfänden will, kommt zu spät

Wenn in Bochum ein Unternehmer vor der Pleite steht, hat er noch acht Tage Zeit, um sein Geld auf die Seite zu bringen, zumindest kann er es vor seinen Arbeitern retten.

„...wie bei den Kommunisten”

Wenn du arm bist, mußt du früher sterben, hieß einst der Titel eines umstrittenen Krankenkassenromans. Dem schwäbischen Kneipp-Kurort Bad Wörishofen blieb es vorbehalten, in Abwandlung dieses Schlagwortes einen neuen Slogan in die Welt zu setzen: Wenn du sozialversicherter Angestellter bist, halte dich fern von unserem Bad.

Ist Forschung ethisch neutral?

Welchen Sinn hat die Wissenschaft? Diese Frage, die sich angesichts der teuflischen Anwendungen physikalischer und psychologischer Forschungsergebnisse immer dringender stellt, ist vieldeutig, sagt der britische Naturwissenschaftler D.

Venus im Kreuzverhör

Den größten Triumph des Jahres 1962 haben Wissenschaft und Technik am vergangenen Wochenende errungen. Die Raumsonde Mariner II flog am 14.

Zeitlragen: Was erwarten wir vom neuen Wissenschaftsminister?

In der Praxis sieht alles ganz anders aus. Halbamtliche Gremien, die auch dann, wenn sie mit staatlicher Hilfe zustandegekommen sind, vor allem von der persönlichen Initiative einzelner leben, ihnen gelingt es noch am ehesten, die besten Köpfe für eine bestimmte Aufgabe zu finden.

Brief aus dem Rheinland

Ich kenne Deinen Einwand: Der eine war Dialektiker, der andere spricht Dialekt. Aber bedenke, daß selbst ein so großer Geist wie Goethe sich des liebenswürdigen Provinzialismus, Dialekt zu sprechen, nicht geschämt hat und daß seine Zunge wahrscheinlich Laute formte, die denen Krämer-Badonis ähneln.

Gedanken zur Hochschulreform

Von je vierzig Schulanfängern gelangt in der Bundesrepublik heute einer auf die Universität, das heißt, etwa drei Prozent jedes Jahrgangs studieren für ein akademisches Diplom und einen dementsprechenden Beruf.

Kleiner Kunstkalender

Die vier großen Radierfolgen von Goya, Caprichos, Desastres de la Guerra, Tauromaquia und die späten Disparates, zeigt der Wolfsburger Kunstverein im Dezember, gute frühe Drucke aus dem Bestand des Oldenburger Stadtmuseums.

Unsere Sprache: ...rot anzustreichen

In der ZEIT Nr. 49 hatte Wilhelm Höck als Beispiel für „liebloses Spezialisten-Kauderwelsch“ einen Satz des verdienstvollen Bonner Germanisten Benno von Wiese zerpflückt.

Bonner Fauxpas

Ich bin überzeugt, daß es zu einer Verständigung des deutschen und des polnischen Volkes kommt, sagte kürzlich Jerzy Bossak in Hamburg.

Wolfgang Ebert:: Frohe Weihnachten!

Weihnachten wird auch das Fest der Liebe genannt, wahrscheinlich, weil man schon sehr viel Liebe aufbringen muß, um die nicht zu hassen, die einem gerade bei dieser Gelegenheit so viel Sorgen bereiten, wenn nicht gar Ärger machen.

War Bertolt Brecht ein Dichter?

Der AStA der Universität München veranstaltete (in Verbindung mit dem Athenäum-Verlag) ein Podiumgespräch über das Thema: „Brecht – das Paradox des politischen Dichters“.

Zeitmosaik

Zehn Minuten lang dauerte die Rede, die John Steinbeck in Stockholm beim Galadiner nach der Überreichung der Nobelpreise hielt.

Darwins feuriges Jugendwerk

So beginnt große Reise-Epik: „Nachdem I. Maj. Schiff Beagle, eine Brigg von zehn Kanonen unter dem Kommando des Kapitäns Fitz Roy, durch heftige Südweststürme zweimal zurückgetrieben worden war, segelte es am 27.

Spiegelbild des spanischen Bürgerkriegs

Wenn wir von den großen Migrationen der Schriftsteller in unserem Jahrhundert sprechen, denken wir zunächst an jenes schandbare Faktum im eigenen Land, das weder moralisch noch literarisch je ganz zu verwinden sein wird.

Zu empfehlen

ES GEFÄLLT, weil ganz offenbar dieses „modernste“ Buch der Bibel hier nicht einfach illustriert, sondern in einer groben, allem Modischen fernen Schwarz-Weiß-Technik nacherlebt wurde – eine These, welche auch durch die biographischen Daten des bei uns kaum bekannten Künstlers gestützt wird.

Das Schönste der Lieder

Ein neuer Verlag tritt auf. Er nennt sich „Ars Libri“, Buchkunst also, residiert in Frankfurt und gehört Gotthard de Beauclair, dem langjährigen Leiter des Insel-Verlags, dem Leiter der 1951 gegründeten Trajanus-Presse, die den Bibliophilen manches schöne und teure Buch beschert hat, so 1960 das Evangelium Johannis griechisch und deutsch, 1961 Aristophanis „Frösche“ mit den Holzstichen von Imre Reiner.

Todesfall in der Familie

James Agee ist am 16. Mai 1955 im Alter von fünfundvierzig Jahren an einer Herzattacke in New York gestorben. Er hatte Gedichte, Theaterstücke, biographische Essays und einen Roman geschrieben.

Film

„Eva“ (Frankreich 1962; Verleih: Schorcht): Tyvian Jones, durch hinterlassene Manuskripte seines verstorbenen Bruders unrechterweise zu Reichtum und literarischem Ruhm gekommen, begegnet einer Unbekannten namens Eva und verfällt ihr augenblicklich.

Funk

Im Dritten Programm brachte der NDR Proben aus seinen – ausnahmslos zeitgeschichtlichen – Hörspielen seit 1947. Heinz Schwitzke, Leiter der Hörspielabteilung, der diese Dokumentationen vor allem angeregt und gefordert hat, sprach verbind dende Kommentare.

Ist Ionesco fromm geworden?

Eugène Ionesco hat seinen deutschen Statthalter gewechselt. Durchgesetzt worden ist der Pariser Avantgardist in Darmstadt. Schon als er noch Schauspielintendant war, nahm Sellner jedoch Abschied von dem „genialen Zerbrecher“ Ionesco.

– Fernsehen: Koketter Raskolnikoff

Nun endlich ist, nach nicht sonderlich belangvollen Versuchen, der Anfang mit einer Sache gemacht worden, die hier mehr als einmal vorgeschlagen worden ist: der synchronisierten Ausstrahlung wichtiger ausländischer Fernseh-Produktionen.

Theater

Die Sensationen der neuen Berliner Oper sind Aufgüsse westdeutscher Inszenierungen. War einstmals Berlin „maßgebend“ für die Provinz, so schätzt sich jetzt der Opernintendant Sellner glücklich, wenn er Bayreuth in der Bismarckstraße“ zeigen oder ein Stuttgarter Regie-Experiment in Berliner Besetzung wiederholen lassen kann.

Der Verbraucher ist ganz anders

Was hat es mit „Lieschen Müller“, der legendären Verkörperung des deutschen Durchschnittskonsumenten eigentlich auf sich? Lebt diese Figur womöglich nur in der Phantasie der Gesellschafts- und Sozialkritiker? Oder handelt es sich hierbei um eine brauchbare Arbeitshypothese, auf deren Grundlage beispielsweise Industrieunternehmen, die sich an den sogenannten Massenmarkt wenden, disponieren können? Wie naiv ist „Lieschen Müller“? Wie hält sie’s mit der Konsumtion? Wir haben Dr.

Lauter Solisten im Energiekonzert

Die Energiepolitik im Gemeinsamen Markt war das Thema eines zweitägigen Expertengespräches, zu dem die Friedrich-Ebert-Stiftung nach Bad Godesberg eingeladen hatte.

Harmonisieren – nicht egalisieren

Mit der Dauer der Konferenz wuchs die Zahl der übermüdeten Gesichter. Aber trotz der Tortur nächtlicher Sitzungen und Beratungen hat die erste „Europäische Konferenz über die soziale Sicherheit“ (10.

Ein Franke ohne Furcht und Tadel

Der neue Herr im Schloß Carstanjen, Dr. Werner Dollinger, kann wie kein anderer seiner Bonner Ministerkollegen auf eine stattliche „Ahnenreihe“ zurückblicken.

Schweiz:: Gespräche am grünen Tisch

Man handelt heute in der Schweiz kurzfristiges Geld zu Zinssätzen, wie man sie seit Jahren nicht gekannt hat. Großbanken erhalten Dreimonatsgelder nicht unter 3 % und bewilligen sogar etwas mehr dafür, weil sie im Ausland sogar 4 % erzielen können.

Das Weihnachtsgeschenk der Post

In der „Zeit“ vom 30. November beschäftigten wir uns in einem Beitrag unter dem Titel „Der Griff in die Telephonkasse“ mit den von der Bundespost beabsichtigten Gebührenerhöhungen im Fernsprech- und Telexverkehr.

Wirtschaftspolitik auf Abruf

Das Revirement in der wirtschaftspolitischen Führung ist eigentlich kaum der Rede wert, Ein neuer Finanz- und ein neuer Schatzminister – das ist alles.

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