In Afrika reißt die Kette der Staatsstreiche und Anschläge nicht ab: Bombenattentat auf Ghanas Staatschef Kwame Nkrumah – Verschwörung an der Elfenbeinküste gegen die Regierung Felix Houphoult-Boigny aufgedeckt – Senegals Präsident Léopold Senghor läßt den Ministerpräsidenten Mamadou Dia verhaften – in Burundi und in Nigeria Stehen Rebellen und Oppositionelle vor dem Tribunal. Im Kongo führen die Blauhelme, die Garanten des Friedens, Krieg.

Und nun zu all diesen bestürzenden Meldungen noch die Nachricht von der Ermordung des togolesischen Staatspräsidenten und Premierministers Sylvanus Olympio. Auf der Flucht vor revoltierenden Unteroffizieren und Fanatikern der Oppositionsgruppe Juvento wurde er vor dem Tor der amerikanischen Botschaft in Lomé durch drei Schüsse getötet. Und schon gibt es Stimmen, die von einem Machtkampf unter seinen Nachfolgern sprechen, zwischen dem ehemaligen Ministerpräsidenten Nicolas Grunitsky, der in Dahome im Exil lebte, und dem nach Ghana geflüchteten früheren Oppositionsführer Antoine Meatchi.

Seit Deutschlands ehemalige „Musterkolonie“ 1960 ihre Unabhängigkeit erlangte, galt das Land weithin als ein „Musterstaat der Demokratie“ und Sylvanus Olympio als ein besonnener Staatsmann, der als kühler Rechner wohlweislich allen politischen Experimenten aus dem Weg ging, stets darauf bedacht, Ordnung zu halten und allen radikalen Elementen rechtzeitig das Handwerk zu legen. Unter den politischen Führern Afrikas war er, der eingeschworene Föderalist, fast schon eine Ausnahmeerscheinung. Aber Olympio hatte nicht nur Freunde und Bewunderer, die Zahl seiner Feinde im eigenen Land und vor allem im Nachbarstaat Ghana war groß. Schon 1958 hatte Nkrumah selbstherrlich verkündet, Togo sei nichts anderes als Ghanas „siebente Provinz“.

Diese Feindschaft ist das unglückselige Erbe der Teilung des westafrikanischen Staates und des Ewe-Stammes. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Togo zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt. 1956 entschied sich die Bevölkerung von Britisch-Togo in einem von der UN beaufsichtigten Plebiszit für den Anschluß an Ghana. Zwei Drittel des Ewe-Stammes – 900 000 Menschen – gelangten damit in den Herrschaftsbereich Nkrumahs. Olympio respektierte diese Entscheidung. Es war jene Zeit, da er mit dem Staatschef in Accra noch auf gutem Fuß stand. Nkrumah unterstützte ihn sogar bei seinem Kampf um die Unabhängigkeit von Französisch-Togo.

Dann aber, als Mitglieder des Ewe-Stammes verdächtigt wurden, Nkrumah nach dem Leben zu trachten, als die Zahl der politischen Flüchtlinge wuchs, die in Togo vor den Verfolgungen der ghanesischen Polizei Zuflucht suchten (zur Zeit sind es etwa 9000), wurden aus den Freunden von einst erbitterte Gegner. Jeder beschuldigte den anderen, daß er seinen Sturz plane. Dreimal seit seiner Wahl zum Präsidenten im Jahre 1961 versuchten Attentäter, angeblich aufgestachelt von Nkrumah, Sylvanus Olympio umzubringen.

Für Nkrumah würde es viel bedeuten, wenn Meatchi den bevorstehenden Kampf um die Nachfolge Olympios gewinnen würde. Der erst 27jährige Politiker ist ein glühender Anhänger eines militanten Panafrikanismus, so wie er in Ghana gepredigt wird. D. St.