DIE ZEIT

Die CSU bremst

Es war die CSU – genauer Franz-Josef Strauß –, die die Veröffentlichung des „Spiegel“-Berichts so lange verzögerte. Nun hat sie eine neue Retuschierung des Berichts erzwungen.

Dilemma in Bonn

In allen Fraktionen, in den Ministerien und auch im Palais Schaumburg hat der Abbruch der Brüsseler Verhandlungen Besorgnis ausgelöst.

Ein schwarzer Tag

Es gibt Tage in der Geschichte, die erst nachträglich zu „Daten“ werden, zu Meilensteinen im Ablauf der Jahre, die jedermann ein Begriff geworden sind: der 30.

Nöte mit dem Notstand

Die Abgeordneten des Bundestags müssen ein Problem lösen, das fatale Ähnlichkeit mit der Quadratur des Zirkels hat: Sie sollen ein Notstandsgesetz verabschieden, das – so fordern die einen – die Bundesrepublik gegen innere und äußere Bedrohung wappnet und das gleichzeitig – so verlangen es die anderen – die Freiheiten des Bürgers, seine in der Verfassung verbrieften Grundrechte nicht einschränkt.

Berlins CDU in der Klemme

Die Berliner Wahlen vom 17. Februar 1963, eigentlich dazu bestimmt, das neue Abgeordnetenhaus zu wählen, sind plötzlich zu einem bundesrepublikanischen Ereignis geworden.

Kommunist, aber nicht nach Schablone

Das erstemal bin ich auf Jewtuschenkos Spuren Ende 1956 in Oxford gestoßen. Bei den Vorarbeiten zu meinem Buch Kreml ohne Stalin hatte ich den ganzen Tag sowjetische Parteizeitschriften durchgearbeitet.

Liebeswerben um Franco

Ehe er sich recht versah, ist Spaniens Generalissimus Franco im Westen zu einem begehrten Mann geworden. Zu danken hat er diese plötzliche Wandlung keinem Geringeren als seinem Nachbarn im Norden, Charles de Gaulle.

Meredith gab das Rennen auf

Ein amerikanischer Kreuzzug für Einigkeit, Recht und Freiheit endete in der Sackgasse: James Meredith hat die Staatsuniversität von Mississippi mit Semesterschluß verlassen und wird wahrscheinlich nicht zurückkehren.

Zeitspiegel

„Großbritannien hat das wenige, was es an Atomstreitmacht besaß, den Vereinigten Staaten übergeben. Es hätte seine Atomstreitmacht auch Europa zur Verfügung stellen können.

„Kämpfe an der Winterfront“

Was die Propaganda des SED-Regimes in 17 Jahren nicht erreichte, gelang in den letzten Wochen der Kälte und dem Schnee: Die Arbeiter und Angestellten in der DDR unternahmen gewaltige Anstrengungen, um mehr, schneller und besser zu arbeiten.

Leidenschaft für das Recht

Der neue Bundesjustizminister Dr. Ewald Bucher ist mehr als ein FDP-Mann – er ist ein Liberaler. Und mehr auch als ein Jurist – er ist ein der Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit leidenschaftlich verpflichteter Politiker.

Charles de Gaulle – ein neuer Napoleon

De Gaulles Diktat hat viel geklärt. Vor allem ist nun deutlich geworden, daß der britische EWG-Beitritt nicht an wirtschaftlichen Fragen gescheitert ist.

Herrschaft des Vorurteils

Man nennt sie die Bedingungslosen. Der Canard enthaîné hat aus ihrer politischen Etikette „U. N. R.“ (Union für die Neue Republik) eine neue zoologische Gattung abgeleitet: „les Zuénères“ (deutsch: die Unristen) – ein Insekt, das stets in Mengen auftritt und sich durch das Fehlen jeder eigenen Initiative auszeichnet.

Zwei Franzosen und ihr Präsident

Wieder, wie zur Zeit des Algerien-Krieges, da man wußte, der General werde „etwas tun“, nur nicht, was, treiben die Sachverständigen „Elysée-Astrologie“ – analog der „Kreml-Astrologie“.

Fremdenverkehr zum Brandplatz

In der Toreinfahrt von Schloß Langenburg hackten zwei Männer auf der mehrere Zentimeter dicken Eisdecke herum. Es war gefrorenes Löschwasser.

Die Lehre vom defensiven Autofahren

Verkehrsunfälle werden überwiegend durch menschliches Versagen verursacht. Dieses Versagen besteht wesentlich in vermeidbaren Verstößen gegen wenige Grundregeln des Verkehrsrechts.

Freud hätte seine Freude dran

Unter dem Wust von Propagandamaterial aller Art, das in den Grenzkontrollbaracken der DDR dem Besucher aus dem Westen angeboten wird, gibt es auch eine kleine Broschüre für Automobilisten, die dem fremden Fahrer „Gute Reise durch Berlin“ wünscht und ihm vermutlich helfen soll, die Verkehrsvorschriften kennenzulernen.

Spitzer als spitz

Daß man amtliche Bekanntmachungen der Bundespost nicht immer für bare Münze nehmen darf, erfuhren jetzt wieder einmal zahlreiche Bremer Fernsprech-„Kunden“.

„Zwei bis drei Zentimeter“

So hatte sich im Mannheimer Schöffengericht noch niemand benommen: Zuerst betrat der Delinquent auf allen vieren den Saal. Dann wollte er partout den Richtertisch stürmen.

Was Recht ist, bestimmt die Maschine

Beginnt Orwells 1984 in der Jurisprudenz schon 1963? Werden in wenigen Jahren Roboter Gesetze entwerfen, werden elektronische Rechenanlagen Verwaltungsakte erlassen und Computer Urteile fällen? Die Forschungsergebnisse der Rechtskybernetik, der jüngsten Tochter Justitias, deuten jedenfalls darauf hin.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

An dem alten von Wissenschaftlern bisher stets belächelten Volksglauben, nach dem sich das Wetter bei Vollmond ändern soll, scheint doch etwas dran zu sein.

Vor den Toren Europas

Francisco Franco Bahamonde herrscht seit bald vierundzwanzig Jahren über Spanien, aber in einer seiner jüngsten Reden erklärte er: „Ich fühle mich noch jung, und jene, die auf meine Nachfolge spekulieren, werden eine Enttäuschung erleben.

Unsere Sprache: Eine Art Liebe fehlt dem Deutschen

Unter Jewgenij Jewtuschenkos Gedichten gibt es eines, das trägt im Russischen den Titel „Njeschnostj“. „Zärtlichkeit“, schlug der eine Übersetzer dafür vor; der andere wies das zurück und setzte „Zartheit“ an die Stelle.

Kleiner Kunstkalender

Diese „Lebensgeschichfe in vierzig Bildern“ war vorher schon in Wien und Paris ausgestellt, sie bleibt bis zum 24. Februar in Bremen und geht weiter durch viele deutsche Städte, unter anderem nach Hameln, Fulda, Düsseldorf, Darmstadt und Mannheim.

Überleben

Vormals hat eine Frau ihren Mann überlebt (undumgekehrt), oder man hatte eine Bombennacht überlebt; jedenfalls war es noch so, daß man mit dem verbum transitivum jemanden oder etwas überlebte.

Zum Lachen oder Weinen?

Die gegenwärtige ästhetische Auseinandersetzung in der Sowjetunion brachte mir den Satz in Erinnerung und die Gelegenheit, bei der er ausgesprochen wurde.

Ist das deutsche Theater rückständig?

Eigentlich ist die Frage längst beantwortet. Der Mann, der sie als Provokation in die Öffentlichkeit geschleudert hatte, hält das deutsche Theater für rückständig.

Nur keine Rechtsbeugung!

Eines Tages in den frühen Abendstunden der vergangenen Woche tauchte vor unserer Wohnungstür eine Gestalt auf und nahm alsbald die unverkennbaren Umrisse eines Polizisten an.

Zeitmosaik

Das Wiener Volkstheater wird Ende Februar Bert Brechts „Mutter Courage“ aufführen und damit eine seit dem 17. Juni 1953 bestehende Tradition brechen: den vornehmlich von Friedrich Toberg und Hans Weigel proklamierten Brecht-Boykott, über den die beiden Publizisten des öfteren auch in der Bundesrepublik (nicht immer überzeugend) Rede und Antwort standen.

Wolfgang Ebert:: Der geheime Herrscher

„Ja, genau den. Der macht sich jedenfalls geheime Sorgen. Und die hat er jetzt offenbart. Seitdem ist mir alles klar. Weißt du, daß wir eine Art geheime Reichsschrifttumskammer haben? Das sind die 47er! Es ist alles genau wie bei den Nazis.

Apokalypse im Konsum

Christiane Rochefort, Französin und noch in verhältnismäßig zartem Alter, lieferte uns vor Jahren „Das Ruhekissen“. Es entfesselte, in Gemeinschaft mit einigen anderen einschlägigen Büchern, im „pornographischen Herbst 1959“ eine Kissenschlacht unter den Kritikern darüber, ob es pornographisch, nicht pornographisch oder schlimmer als pornographisch sei (ich entschied mich damals für das letztere).

Der 30. Januar

Zwanzig Jahre liegt jenes verhängnisvolle Datum, der 30. Januar 1933, zurück. Zwanzig Jahre, das ist eine lange Spanne in unserer schnellebigen Zeit, und doch stehen wir noch mitten in der Realität, die dieser Tag heraufbeschworen hat.

Dostojewskijs Erzählungen

Die jüngere Generation kann es sich heute kaum vorstellen, welchen Glanz für die ältere einmal das Werk Dostojewskijs hatte: Es bedeutete einer Epoche deutscher Kultur nicht weniger als eine schlechthin beherrschende Geistesmacht, keineswegs auf bloßes literarisches Interesse beschränkt, sondern wirksam bis in die psychologische Interpretation aktueller Tagesfragen, bis in die Parteinahme für oder gegen die Figuranten sensationeller Prozesse.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine von Oda Carola May durchgesehene Neuauflage des berühmten Werkes, das 1936 zum erstenmal erschienen, aber nach 1945 im Buchhandel nicht mehr zu bekommen war.

Abenteuer und Alptraum des Glaubens

Als wir zu ihr in den kleinen Ort im Kärntner Lavanttal fuhren, malten wir uns ein freundliches Dörfchen am Hang und eine hübsche Dichter-Einsiedelei aus.

Amadeus und die Tiere

Eckart Hachfeld ist als gering modernisierte Darmol-Figur der Welt und dazu als NDR-Wochen-Schauer ein unvermeidliches bundesdeutsches Wochenend-Requisit.

Mit dem Kopf durch die Wand

Noch senkrechter auf die Große Zinne: Kein Alpinismus, aber ein Triumph der Planung und der Willenskraft

Film

„Trauen Sie Alfredo einen Mord zu?“ (Italien; Verleih: Rank): Der Originaltitel dieses Films lautet „L’Assassino“; sein Regisseur, Elio Petri, gehört zu den vielversprechendsten jungen Regiehoffnungen der italienischen Kinematographie.

Gefahren drohen allenthalben

Wieder einmal ist also ein aufgeklärtes, rational durchgebildetes und in einen versachlichten Arbeitsprozeß eingegliedertes Volk auf den Spuren einer Mordtat gewesen.

Theater

Der Schauspieler Paul Esser als Hausherr eröffnete eine neue Bühne, die mit über achthundert Plätzen das zweitgrößte Schauspieltheater Berlins geworden ist.

Weder Hörspiel noch Theater

Zwischen Theaterauführung und Hörspiel gibt es eine Reihe von Grenzübergängen: Autoren bearbeiten fremde oder eigene Theaterstücke für den Funk – als Hörspiele werden sie inszeniert und gesendet.

Wörter, nicht Worte

Zu dem Hörspiel „Reduktionen“ von Dieter Kühn lieferte ein ausgezeichneter Einfall den Stoff: Zu einem Mann, „der ein großes Regal voller Bücher besitzt“, kommt ein staatlich Beauftragter, der ihm mitteilt, daß öffentliche Maßnahmen zur Regulierung der Sprache eingeleitet werden sollen.

Am Rande vermerkt

Bonner „Manager der Macht“ sind schon jetzt eifrig bemüht, den Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Walter Scheel, als künftigen Bundeswirtschaftsminister „aufzubauen“.

Freiheit ist ein kostbares Gut

Wirtschaftspolitik ist immer auch Gesellschaftspolitik. Wirtschaft und Politik sind nicht Selbstzweck, wirtschaftspolitische Methoden und Instrumente stellen keinen Wert an sich dar; sie sollen eine freiheitliche und lebenswerte Ordnung in Europa garantieren, eine Ordnung, unter der wir die Auseinandersetzung mit dem Osten selbstbewußt und zuversichtlich bestehen können.

Das deutsche Euphrat-Abenteuer

Was den Ägyptern am Nil recht war, soll den Syrern am Euphrat billig sein – nämlich ein das Nationalprestige hebender Staudamm.

Fasern nach Maß

Nicht nur die nüchterne Berichterstattungspflicht über den Geschäftsverlauf kann eine Unternehmung veranlassen, die Presse einzuladen.

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