DIE ZEIT

Statthalter für Scharf

Günter Jacob, Generalsuperintendent von Cottbus, wurde als Bischofs Verwalter in Ostberlin und Brandenburg berufen. Die Ostberliner Regionalsynode gab diesen Beschluß bekannt, nachdem der DDR-Staatssekretär für Kirchenfragen Seigewasser erklärt 1 hatte, es sei „endgültig und für alle Zeiten“ unnötig geworden, den Ratsvorsitzenden der EKD, Präses Kurt Scharf, als Bischofsverweser in Ostberlin zuzulassen.

Warnung vor de Gaulle

Es gibt immer wieder Leute, die meinen, wenn Chruschtschow und Kennedy sich nur einmal so richtig zusammensetzten, dann würden, sie sich bestimmt einigen, weil das doch für alle das beste sei.

Washingtons nüchterne Härte

Das Bild vom Reiter übern Bodensee wäre übertrieben. Aber es war unverkennbar: Staatssekretär Carstens hat in Washington das Eis unter seinen Füßen knistern gehört.

Ein Protestant zuviel

Das Bundesministerium für Atomenergie heißt seit drei Monaten Bundesministerium für Wissenschaftliche Forschung. Es heißt so, aber über die Zuständigkeiten, die seinem Namen entsprechen, verfügt es noch nicht.

Geheimnisvolle Diebe

Bundestagspräsident Gerstenmaier sah sich genötigt, der Kriminalpolizei Erlaubnis zu Vernehmungen und Ermittlungen im Bundeshaus zu geben.

In den Fesseln der Weltpolitik

Geht Indiens Traum einer dritten Kraft zu Ende? – Politische Auswirkungen der westlichen Militärhilfe

Jakob Altmaier

Die SPD-Fraktion hat eines ihrer ältesten Mitglieder verloren: den 73jährigen Abgeordneten Jakob Altmaier. Noch am Vormittag nahm er an einer Bundestagssitzung teil.

Zeitspiegel

„Was Deutschland braucht, ist eine Verfassung, die das Land instandsetzt, mit den großen Problemen der modernen Welt fertig zu werden.

Bonn im Zwielicht

Bonn in der „Schlüsselstellung“ der westlichen Allianz – diese Vorstellung erfüllt die nachdenklichen Politiker, aller Parteien mit wachsender Besorgnis.

Europäische Träume – zweimal geträumt

Selbstverständlich haben die Vereinigten Staaten als stärkste außereuropäische ozeanische Macht alle inneren Konflikte in Europa zu nutzen versucht, um unseren Kontinent ebenso zu schwächen, wie ihnen das mit England gelang.

Mit den Waffen der Paragraphen

Nach dem Abbruch der Brüsseler Verhandlungen scheint sich in den politischen Kreisen Bonns die Auffassung zu verbreiten, weitere Verhandlungen mit England seien bis auf weiteres unmöglich, jedenfalls, solange Frankreich sein Veto dagegen aufrecht erhält.

De Gaulles neuer Hebel: Spanien

Der Herr Inenminister weilt in Spanien teilte kürzlich General de Gaulle dem versammelten Kabinett mit, und dann gestattete er sich die Bemerkung: „Das wird unseren angelsächsischen Freunden Gelegenheit geben, von einer französisch-spanischen Achse zu sprechen!“ Frankreichs Rückkehr in die Weltpolitik wird von einer Welle des Mißtrauens begleitet.

Nassers eigener Weg

Mit einer energischen Industrialisierung versucht Präsident Nasser seine Idee des „Arabischen Sozialismus“ in Ägypten zu verwirklichen.

Chruschtschow steckt zurück

Moskau hat sich in dem Streit mit Peking eine kleine Versöhnungsgeste abgerungen. Nach langem Zögern wurde Pekings Vorschlag, eine kommunistische Weltkonferenz einzuberufen, endlich beantwortet.

Ulbricht erhöht seinen Preis

Unter dem Motto „Wir wollen nur Ihr Gutes“ wandte sich Walter Ulbricht an die Westberliner, die am nächsten Sonntag ihr Parlament wählen; und er schlug ihnen vor, sie sollten der richtigen Partei, nämlich der SED, ihre Stimme geben.

Duisburgs Pennäler gingen auf die Straße

Daß an Duisburgs höheren Schulen das Bürgerbewußtsein gepflegt wird, hörten und sahen die erwachsenen Bürger am vergangenen Donnerstag mit Erstaunen und nicht ohne Rührung.

„Unser Vieh ist verwandt“

Keine Frage: dem „Verband der Züchter des Angler Rindes“ gehören durchaus ehrenwerte Männer an. Daß sie kommunistische Neigungen hätten, mit einem Auge nach „drüben“ blinzelten oder gar versuchten, sich „rückzuversichern“, kann man ihnen mit dem besten Willen nicht vorwerfen.

Sportler auf Abruf?

Die Entscheidung im Paarlauf dieser Europameisterschaften ist gar nicht allein in Budapest gefallen. Mindestens ebenso wichtig für den Ausgang dürfte gewesen sein, was sich vorher in Moskau getan hatte.

Weltstadt ohne Zeitung

Die Stewardeß der Boeing 707 wundert sich, daß ich ein Dutzend Exemplare der Pariser-Ausgabe der „New York Times“ und der „New York Herald Tribune“ mit auf den Flug nach New York nehme.

Kühler Empfang für Galilei

Seit Anfang voriger Woche spielt Jean Vilars TNP, das Pariser Théâtre National Populaire am Trocadéro, Brechts Stück von der Vernunft und den Vernünftigen in unvernünftiger Zeit: „Leben des Galilei“.

Routine bedroht die deutschen Bühnen

In der ZEIT Nr. 5 veröffentlichte Johannes Jacobi einen Artikel „Ist das deutsche Theater rückständig Er nahm darin die Intendanten und Regisseure vor dem Vorwurf der Rückständigkeit in Schutz, welchen der temperamentvolle Herausgeber der Zeitschrift „Theater heute“ gegen sie erhoben hatte.

Zeitfragen

Der Februar ist nicht nur die Zeit des Jahres, in der ein Teil der deutschen Bevölkerung sich in ungewöhnlicher Bekleidung ausschweifend gebärdet, sondern in der auch ein anderer, meist jüngerer, in ernsthafter Gewandung zu einer Prüfung schreitet, die – wie hoch oder niedrig man ihren selektiven Wert auch immer ansetzen mag – noch immer ausschließlich über die Frage entscheidet, ob man, wenn man will, die Hochschulen des Landes mit Übervölkern helfen darf.

Zeitmosaik

Ein von der Labour Party eingesetzter Ausschuß unter Lord Taylor hat ein Bildungsprogramm für die nächsten zwanzig Jahre aufgestellt, welches 45 neue Universitäten vorsieht.

Das Beispiel

Andreas Bogumil Rammbock war ein leidenschaftlicher Soldat. Er besaß jene Tugenden, die in unserer Zeit unter dem verweichlichenden Einfluß der Kirche, der Familie, vor allem der weiblichen Mitglieder der Familie, sowie verschiedener Wohlfahrtsinstitutionen langsam auszusterben drohen, ja, sagen wir es offen, ausgestorben sind.

Probeaufnahme

Endlich. Er hat es geschafft. Nachdem Morgen für Morgen das schrille Scheppern des invaliden Vorstadthotelweckers ihn aus der dumpfen Geborgenheit des Schlafes in die matte Hoffnungslosigkeit der täglichen Arbeitssuche hatte stürzen lassen.

Wolf gang Ebert:: Meine Feinde

Wenn Männer von ihren Feinden sprechen, fällt ihnen oft zunächst nur die eigene Frau ein. In meinem Falle aber handelt es sich um eine solche Vielzahl von feindseligen Handlungen, daß sie von einer einzigen Frau gar nicht begangen werden können; selbst eine so vitale Person wie Ingwelde wäre dazu nicht imstande.

So sind die Deutschen

Professor Pascal, M. A., Litt. D., ist Ordinarius für Germanistik an der Universität Birmingham. Diese wahre Geschichte dreht sich um seinen Versuch, irgendwo in der Nähe von Würzburg einen Angelschein zu erlangen.

Beschleunigung

Es ist erschreckend, zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit, ja, mit welcher ständig wachsenden Beschleunigung die Bundesrepublik in ihrer politischen Substanz ausgehöhlt wird und damit einem Vernichtungsprozeß entgegengeht.

Kleiner Kunstkalender

Drei Gruppen aus Max Beckmanns Druckgraphik sind in Bielefeld – bis zum 24. Februar – ausgestellt: Selbstbildnisse, Buchillustrationen, Bildfolgen, 24 Selbstporträts, das früheste die Radierung von 1901, Beckmann mit siebzehn Jahren, nur in einem Exemplar erhalten und erst 1950 wiedergefunden, das letzte die Lithographie von 1946 aus der Folge „Day and Dream“.

Opern zum Lesen

Oper: „Wenn jemand erstochen wird und, statt zu bluten, zu singen anfängt.“ Keine erschöpfende Definition der Oper das, nur eine kleine Wahrheit über diese aus innerem Widerspruch und äußerer Harmonie aufgebaute Kunstform, deren Lebenselement die Lebensferne ist.

Zu empfehlen

Friedrich Giese: „Recht und Rechtswissenschaft – Einführung und Grundbegriffe“, neubearbeitet von Max Rehm und Erich Gerth; Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr.

Forschung im Niemandsland

Können Sie mir vielleicht in ein paar Worten sagen, was Mathematik ist oder Kultur oder Politik?“ Mit dieser Gegenfrage wies Norbert Wiener das Ansinnen eines Reporters zurück, der den bekannten amerikanischen Mathematiker um eine Definition des Begriffes Kybernetik gebeten hatte.

Schriftfälscher am Werk

Vor einigen Tagen erhielt der wissenschaftliche Berater des amerikanischen Präsidenten, Professor Jerome Wiesner, einen handschriftlichen Brief von einem elektronischen Rechengerät, dem berühmten TX-O Computer am Massachusetts Institute of Technology.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Sowjetische Techniker wollen Windgeneratoren an Ballons in die oberen Schichten der Atmosphäre aufsteigen lassen. Wie die Nachrichtenagentur Tass berichtete, sollen diese rund 30 Tonnen schweren Aggregate an Kunststoffleinen in zehn bis zwölf Kilometer Höhe gehalten werden.

Fernsehen: Die unartikulierte Größe

Eine Woche von mäßiger Fernseh-Ergiebigkeit gab dennoch an ihrem Ausgang zu optisch beflügelter Nachdenklichkeit Anlaß, da sie eine verwirrende Sache zur Erscheinung brachte: die unartikulierte Größe.

Film

„Meuterei auf der Bounty“ (USA; Verleih: MGM): Allein der beflissene Nachbau des prächtigen Dreimasters verschlang ein rundes Dollar-Sümmchen, bei den farbigen Statisten machte es die Menge: Es handelt sich nicht um die erste und nicht um die beste, aber um die teuerste Verfilmung des aufregenden Vorfalls.

Nordafrika erzählt

Es zeigt sich immer wieder, wie gut es ist, wenn Rundfunkstationen von ihrem Kostprobensystem und dem täglichen Gemischtwarenhandel für eine Weile absehen und sich mit einer Materie gründlicher befassen.

Theater

Die Autoren dieser nur im Titel apokalyptisch anmutenden Kriminalkomödie müssen wir aus der überschriftzeile in den Text nehmen.

Der böse Wolf im Wunderland

Die deutsche Illustrierte „Stern“ hat jüngst die These verkündet, daß unser Reichtum von den Konzernen abhängt..............

Am Rande vermerkt

Vom 22. bis 24. Januar sollte die Markthallein Bremervörde würdiger Schauplatz der 9. „Woche des Landvolks“ sein – wie in den Vorjahren: ein Forum wirklich freier Meinungsäußerung.

Die geheime Wissenschaft

In den Schubladen des Bundeswirtschaftsministeriums ruht seit einiger Zeit ein sehr umfangreiches Gutachten. Ein Saarbrückener Professor der Betriebswirtschaftslehre hat es angefertigt.

Grüne Bilanz mit roten Zahlen

Erst jetzt läßt sich richtig, ermessen, wie gut der Bundestag im Jahre 1957 beraten war, als er die Regierung veranlaßte, dem Parlament alljährlich einen Grünen Bericht über die Lage der Landwirtschaft vorzulegen.

Konjunktur – je nach Temperament

Das Brüsseler EWG-Debakel hat nicht nur in der Politik eine große Unsicherheit und Ratlosigkeit hinterlassen. Auch die im Herbst vergangenen Jahres erarbeiteten Prognosen über die künftige konjunkturelle Entwicklung werden in der breiteren Öffentlichkeit und nicht zuletzt in Unternehmerkreisen vielfach als überholt angesehen.

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