DIE ZEIT

Bewährungsprobe

In Bonn waren die Skeptiker in der Überzahl gewesen. Sie meinten, Erhards Vermittlungsversuch im Lohnstreit werde fehlschlagen.

Das Streik-Signal

Wenn sich auf einem Markt zwei Monopolisten gegenüberstehen, so kommt es meist nicht zu einem Geschäft, sondern zum Kampf. Beide Parteien verharren auf ihren Forderungen und lassen sich nicht in Verhandlungen ein.

Der Zug nach links

Die italienischen Wahlen haben nach Ansicht vieler Kommentatoren ein doppeltes Ergebnis gebracht: einen Linksruck und zugleich eine Absage an Fanfanis Experiment der apertura a sinistra, der Öffnung nach links.

Neue Härte

Elegant, verbindlich, hart – so trat die deutsche Delegation unter Außenminister Schröder in der EWG-Ministersitzung dieser Woche auf.

Zwei Hamburger

Dietrich Rollman war noch zu jung, als daß er die Kluft der HJ-Pimpfe hätte tragen können, damals, als Carl von Ossietzky in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zu Tode gefoltert wurde.

Der Mann des harten Kurses

Gewiß, beim DGB-Kongreß in Hannover hatte er seinem Rivalen von der Gewerkschaft der Bauarbeiter mit demonstrativem Lächeln die Versöhnungshand gereicht.

Draußen vor der Tür

Streif lichter von den Lohnkämpfen in Baden-Württemberg / Von Werner Sonntag

Um Europas Zölle und Ziele

Es kann niemanden verwundern, daß sich die Bundesregierung für den zweiten Weg einsetzt. Schließlich setzt Westdeutschland nur ein Drittel seiner Exporte in den EWG-Ländern ab; es braucht die Märkte der übrigen Welt.

Zeitspiegel

Ein Flirt der rumänischen Kommunisten mit den Chinesen beunruhigt Moskau. Bukarest und Peking haben ihren Handelsvertrag nicht nur erneuert, sondern die Austauschquoten für Rohstoffe aller Art erheblich erhöht.

Die unbeliebten Prozesse

In Koblenz geht in diesen Tagen der Heuser-Prozeß zu Ende. In Frankfurt erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den letzten Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz, Richard Baer seine Adjutanten Robert Mulka und Karl Höcker sowie 21 weitere Angehörige des Lagerpersonals von Auschwitz.

Nachfolger-Problem jetzt im Kreml

Erst gab es Gerüchte, Nikita Chruschtschows Thron wanke; heftige Auseinandersetzungen im Kreml hätten seine Stellung geschwächt.

Paukenschlag und zartes Saitenspiel

De Gaulle, der Meister der politischen Regie, hatte den jüngsten französischen Atombomben-Versuch in der Sahara auf den 18. März fallen lassen, auf jenen Tag, an dem der Kooperationsvertrag von Evian sich zum erstenmal jährte.

Hölle im Paradies

Das rückständigste Gewaltregime Lateinamerikas wankt. Der schwarze Diktator von Haiti, Dr. François Duvalier, verschanzte sich in den letzten Tagen in seinem festungsähnlichen Palast; seine Geheimpolizisten – die „Tonton Macoutes“ – zogen mit Maschinengewehren durch die Hauptstadt Port au Prince und schossen ohne Warnung.

Karges Ergebnis

Die Untersuchung desVerteidigungsausschusses gegen den SPD-Abgeordneten Jahn litt von vornherein an Substanzmangel. Schließlich war der Tatbestand längst klar: Jahn hatte schon vor Monaten eingestanden, daß er die Fotokopie eines als vertraulich oder geheim bezeichneten Ausschuß-Protokolls des Verteidigungsausschusses dem Spiegel-Redakteur Schmelz zur Verfügung gestellt habe.

Wer war Dorten?

Eine Nachricht aus Cannes meldete, daß Dr. Jean Dorten im Alter von 83 Jahren gestorben sei. Nur wenige französische Zeitungen nahmen Notiz davon; in Deutschland aber scheint der Name ganz vergessen zu sein.

Unbehauste Rechte

Die allgemeine Staatslehre nimmt eine durchgehende Entwicklung an und stellt sich Denker vor, die so vorsichtig in deren Strom mitschwimmen, daß sie den Kopf über dem Wasser behalten und uns zurufen, wie weit wir es gebracht haben.

Begegnung unter einem Unglücksstern

Das deutsche Wirtschaftswunder erfüllt die jungen Völker Afrikas mit großer Hoffnung für ihre eigene Zukunft.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich am Freitag in Frankfurt Kameruns Staatspräsident Amadou Ahidjo nach einem mehrtägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik.

Monarchie in Bremen

Das Präsidium der Bremischen Bürgerschaft hat für die parlamentarische Arbeit ein erstaunliches Prinzip verkündet – das Prinzip der absoluten Unangreifbarkeit des Präsidenten.

Akademisches Chaos

Kölner Universität ohne Vorlesungsverzeichnis – Die Professoren kämpfen um die Hörsäle

„I hob’s Ohrwaschel an der Bevölkerung“

Am Aschermittwoch hatte der niederbayerische Bundestagsabgeordnete Franz Xaver Unertl dank handfester rhetorischer Anstrengungen vor der ländlichen Bevölkerung des Kreises Vilshofen atemlos den Gipfel seines politischen Wirkens erklommen.

Die nächste Insel, dasselbe Preisgericht

Zum drittenmal trafen sich in der vergangenen Woche Schriftsteller und Kritiker aus dreizehn Ländern, um den Internationalen Verlegerpreis und den Prix Formentor zu vergeben, neben dem Nobelpreis die beiden einzigen Literaturauszeichnungen von internationaler Geltung.

Wer soll hier eigentlich geschützt werden?

Über die Notwendigkeit eines wirksamen Jugendschutzes braucht nicht debattiert zu werden. Die Frage ist nur, ob dieser Jugendschutz unter der Hand zu einer schleichenden Zensur ausarten kann.

Für den, der es genau wissen will

Um einer weitverbreiteten Konfusion entgegenzuwirken, hier einige bare Fakten. Während der Prix Formentor von den Verlegern, die ihn gestiftet haben, selber vergeben wird, und zwar für ein noch unveröffentlichtes Romanmanuskript eines unbekannten Autors, entscheiden über, den Internationalen Verlegerpreis, seinem Namen zum Trotz, nicht die Verleger, sondern unabhängige, von ihnen bestellte Jurys.

Zeitmosaik

Geschichte treiben setzt das Wissen darum voraus, daß man damit etwas Unmögliches und dennoch Notwendiges und höchst Wichtiges anstrebt.

Fatale Westkontakte

Mauch einer mag sich mit mir in den letzten Wochen gefragt haben, woher die Schwierigkeiten kommen, die Jewgenij Jewtuschenko neuerdings in seiner Heimat hat, vor allem wegen seiner Reisen ins westliche Ausland, und was sie wohl ausgelöst haben mag.

Kleiner Kunstkalender

Sam Francis, einer der führenden und erfolgreichsten amerikanischen Maler, action painter vom reinsten Wasser, wild, rücksichtslos, vital, ein Kosmonaut, ein Fanatiker der blauen Farbe, Blau, das auf weitem Grund explodiert und zersplittert.

Paul Robesons Abfall

Seitdem er auf einer Pressekonferenz im Jahre 1948 erklärte: „Ich bin Kommunist und stolz darauf. Sie können sich alle zum Teufel scheren“, lebte der große amerikanische Negersänger Paul Robeson in der Sowjetunion, das Paradepferd der internationalen kommunistischen Propaganda.

Brecht

Man hat sich mit dem epischen Theater arrangiert, seine Sprödigkeit ist konsumierbar geworden – das Brechtsche Bühnentalent, seine Einfälle sind längst zu Vehikeln geworden, auf denen man Gefälligkeit transportiert, seine Stücke „Erlebnisse“, die im Turnus eingebracht werden können, ohne daß einer Schaden nehme an seiner Seele oder einsehe, gar erkenne.

Pulitzer-Preise 1963

Der von dem Herausgeber der New York World, Joseph Pulitzer, gestiftete Preis, der alljährlich verliehen wird, ging in diesem Jahr an: William Faulkner für seinen Roman „The Reivers“, an die Historikerin Barbara Tuchmann für ihr Buch „The Guns of August das die ersten Tage des Ersten Weltkrieges schildert, an Anthony Lewis für seine Berichte über den obersten amerikanischen Gerichtshof, an Hal Hendrix für einen Bericht über sowjetische Flugzeuge auf Kuba, an ha Harkey jr.

Ungesättigt gleich der Flamme...

Der Kunstverein in Hamburg hat am Wochenende sein neues Haus bezogen. Paul Seitz, bisher Hamburgs Erster Baudirektor, seit April Professor an der Technischen Universität Berlin, hat es gebaut.

Literatur auf dem Scheiterhaufen

In diesen Wochen und Monaten häufen sich die politischen Gedenktage. Die dreißigste Wiederkehr der „Machtergreifung“ und des ersten Jahres der Naziherrschaft liefert uns eine Fülle bedrückender Daten – wenig Anlaß zu deklamatorischen Festreden, aber viel Grund zum Nachdenken.

Film

„Tagebuch eines Sünders“ (Italien; Verleih: MGM): Italiens Nachwuchsregisseur Valerio Zurlini („Das Mädchen mit leichtem Gepäck“) erzählt in diesem stimmungsvoll und melancholisch komponierten Farbfilm die Geschichte zweier ungleicher Brüder, des nicht recht zu Ansehen gelangten, desillusionierten Journalisten Enrico (Marcello Mastroianni) und des viel jüngeren Dante oder Ferruccio, der von wohlhabenden Adoptiveltern aufgezogen wurde, dann aber dem Elend verfiel und am Ende von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht wird.

Piscator während der Berliner Begegnungen

Und dafür sind Sie eigens nach Berlin gereist?“ Ein einheimischer Kollege stellte mir diese Frage, als wir, beide ziemlich stumm und stumpf, nach der Eröffnungsvorstellung („Robespierre“ von Romain Rolland) den Theaterneubau der Freien Volksbühne verließen.

Fernsehen: Spitzen der Gesellschaft

Wie spielt sich der Tageslauf der jungen Offiziere des NATO-Verteidigungs-Colleges in Paris ab? Sie nehmen, unter Bewahrung des Höflichkeitszeremoniells des Ancien Regime, an den politischen und militärischen Lehrgängen der Akademie teil.

Theater

Bei deutschen Theaterleitern finden, unverstandene Komponisten Zuflucht. Als 1930 keine französische Bühne „Christoph Columbus“ von Claudel und Milhaud spielen wollte, ließ ihn Tietjen an der Berliner Staatsoper durch Franz Ludwig Hörth und Erich Kleiber uraufführen.

Der Schlüssel

Wie wir zum Bremer Schlüssel Im Titel unserer Zeitung kamen ... Als unsere Zeitung gegründet wurde, hatten wir auf der ersten Seite das Hamburger Wappen.

Ist der Glaube an Gott erledigt?

In der ZEIT Nr. 14 berichteten wir von dem aufsehenerregenden Buch des anglikanischen Bischofs John Robinson, “Honest to God“, das im Herbst auf deutsch im Chr.

Roter Teppich am Checkpoint

Der britische Schriftsteller Graham Greene, der sich gegenwärtig auf Einladung der sowjetzonalen Gesellschaft für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland in Ostberlin aufhält, hat am Samstag zusammen mit seinen Gastgebern die Sektorengrenze am Brandenburger Tor von der Ostberliner Seite aus besichtigt.

Unser Wimpel flattert uns voran

„... Von nun an waren sie zu dritt: der Wimpel, Heinz und er. Der Wimpel durfte nicht fehlen. Er war das Hohe, zu dem man aufblicken konnte.

Zu empfehlen

FÜR nicht nur diejenigen Bundesrepublikaner, die etwas von demokratischer Mitverantwortung halten, sondern für alle, damit sich jedermann über die geplante Verfassungsänderung endlich sachlich orientiere und niemand hinterher sagen kann, er habe es nicht gewußt – Jürgen Seifert: „Gefahr im Verzuge“ – Zur Problematik der Notstandsgesetzgebung; Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt; 120 S.

Konterfei vorm Tempel: Kilroy war da

Man kann die Kontinente unseres Planeten heute in fünfundvierzig Stunden umfliegen, bald geht es noch schneller, und vielleicht wird eines Tages der amerikanische Slogan: „We did Europe in a fortnight, Pope included“ auf die Welt ausgedehnt.

Reisespiegel

Jeder Fluggast der amerikanischen „Continental Airways“ erhält auf dem Tablett, mit dem ihm das Essen serviert wird, ein Kärtchen: „For those who want to say.

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