Von Rudolf Bultmann

In der ZEIT Nr. 14 berichteten wir von dem aufsehenerregenden Buch des anglikanischen Bischofs John Robinson, “Honest to God“, das im Herbst auf deutsch im Chr. Kaiser Verlag, München, erscheinen wird. Wir schlossen unseren Bericht mit: „Das Wort haben die Theologen.“ Das Wort ergreift heute – nach dem Dominikaner-Pater Rochus Spiecker (ZEIT Nr. 15) und dem Theologie-Professor Helmut Thielicke (ZEIT Nr. 16) – einer der „großen alten Männer“ der protestantischen Theologie, Begründer der Marburger Schule, die einer breiteren Öffentlichkeit vor allem durch ihre Auseinandersetzungen mit Karl Barth bekannt wurde.

Das in England heftig diskutierte Buch des anglikanischen Bischofs John A. T. Robinson, über das sich auch in der ZEIT eine Diskussion entsponnen hat, ist entstanden aus der den Verfasser drückenden Tatsache, daß der Supranaturalismus der orthodox-kirchlichen Tradition dem modernen Menschen nicht mehr glaubwürdig ist.

Bedeutet das, daß der Gottesgedanke und entsprechend der Glaube an Gott erledigt ist?

Nein! Aber es bedarf einer „Transposition“ des Gottesgedankens, und das bedarf einer „Revolution“ gegenüber der Tradition – einer Revolution, die Robinson als „reluctant“ bezeichnet, also widerstrebend, ja fast als widerwillig – was auch für Robinson selber gilt, der sich zu dieser Revolution verpflichtet fühlt.

Was er über den Weg seines Denkens sagt, zeigt, wie er mit dem Problem gerungen hat. Und angesichts dessen, was vielfach (in Deutschland wenigstens) flüchtig und die eigentliche Pointe verkennend über das Buch gesagt wird (auch dann, wenn es gar nicht gelesen worden ist!), erscheint es mir als notwendig, seine Gedanken etwas ausführlicher darzustellen, soweit der hier zur Verfügung stehende Raum es erlaubt.

In neuer Begrifflichkeit soll von Gott; geredet werden und von der Wahrheit seines in der Bibel bezeugten und in der Kirche verkündigten Handelns. Die mythologische Sprache der alten, Tradition muß entmythologisiert werden.