Feuilleton

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DIE ZEIT

Die Herrschaft der Minderheit

Von den Wahlen in Niedersachsen mögen sich die Freien Demokraten mehr versprochen haben, in den Koalitionsverhandlungen indes ist ihr Erfolg kaum zu übertreffen.

Isolationistische Töne in den USA

Sind die europäischen Wünsche nach Atomwaffen nicht sehr einfach zu befriedigen? Verkaufen wir ihnen doch die Sprengköpfe, die sie haben wollen, und ziehen wir uns aus Europa zurück! Diese verblüffende Lösung aller NATO-Atomstreitmacht-Probleme wurde jetzt von einigen amerikanischen Senatoren vorgeschlagen.

Eine Olympische Chance?

Seit Willy Brandt den Vorschlag gemacht hat, die Olympischen Spiele 1968 in der geteilten Stadt abzuhalten, ist der Plan in Ost und West wortreich diskutiert – und kritisiert worden.

Handel durch die Hintertür?

Eine Erweiterung des Güteraustausches zwischen der DDR und Westberlin hat jetzt in Potsdam Heinz Behrendt vorgeschlagen, der als Verhandlungspartner Kurt Leopolds von der Bonner Treuhandstelle für Interzonenhandel seit Monaten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht.

Nasser sitzt fest im Sattel

Wenn man von Süden – aus Arabien oder Afrika – kommt, dann wirkt Kairo als eine der großen Metropolen der heutigen Welt. Und wenn man die Stadt ein paar Jahre nicht gesehen hat, dann meint man, sie kaum wiederzuerkennen.

Zeitspiegel

Ein taktisches Zusammengehen der Sozialisten und Kommunisten gegen de Gaulle zeichnete sich auf dem Kongreß der französischen Sozialisten in Paris ab.

Die gehorsamen Mörder

Es war kurz vor Mitternacht, zwei Minuten vor 24 Uhr. Man schrieb den 1. Juni 1962. Verborgen, hinter einem dunklen Vorhang, drückte der Henker den Hebel herunter, blitzschnell öffnete sich eine Falltür, das Seil straffte sich: Adolf Eichmann war tot, hingerichtet durch den Strang im Ramleh-Gefängnis bei Tel Aviv.

Die Regierung des „Brennenden Speers“

Jomo Kenyatta wurde am vergangenen Sonnabend der erste Premierminister Kenyas. In Nairobi begrüßte eine begeisterte Menschenmenge den „Mzee“, den „Alten Mann“, nachdem der englische Gouverneur Malcolm MacDonald ihm sein neues Amt übergeben hatte.

Ist Rassenhaß ein Verbrechen?

Ich werde in diesem Lande gewiß nicht zulassen, was in Nazi-Deutschland geschah.“ Mit solchen Worten gab Innenminister Henry Brooke dem Unterhaus bekannt, was die Regierung gegen Neo-Nazismus und Neo-Faschismus britischer Prägung zu unternehmen gedenkt.

Der Schaukelstuhl steht bereit

In zwei Wochen wird der Präsident der Vereinigten Staaten John F. Kennedy auf einem Militärflughafen bei Hanau landen. Bis dahin werden die hessischen Gastgeber vermutlich noch manche grauen Haare bekommen.

Im Gewand des Märtyrers

Nach dem milden Solinger Urteil: Lorenz Knorr will weiter gegen die Generale zu Felde ziehen

Kulturkampf in Bremen

Unerwartet milde hat die III. Große Strafkammer des Landgerichts Bremen eine öffentliche Polemik des 33jährigen Kaplans Winfried Henze beurteilt.

Um den Dank des Vaterlandes

Die Kurstadt Freudenstadt im Schwarzwald hat ihre Vergangenheit offenbar noch nicht bewältigt. Da ist noch eine Rechnung offen, die ihr jetzt präsentiert worden ist.

Der Blechtrommler in der Käsestadt

Durch die Perle des Allgäus, eingebettet inmitten lieblicher Auen und Triften, wo fette Kühe jene Milch produzieren, die dann unweit der prunkvollen, weiland fürstäbtlichen Rokoko-Residenz in der Süddeutschen Butter- und Käsebörse als Quark und Emmentaler umgeschlagen wird – durch die milde Behäbigkeit und gemütvolle Selbstzufriedenheit des verträumten, immerdar gutbürgerlichen Städtchens Kempten geistert unversehens der bucklige Zwerg Matzerath.

Die Straße der feinen Leute

Klettenberg ist ein ziemlich feines Wohnviertel von Köln. Die ganz feinen Leute wohnen zwar in Marienburg, Junkersdorf oder im Frankenforst.

Zwiebeltürme am Tierpark Hagenbeck

Schrebergärten, Siedlungshäuser, Baulücken und uniforme neue Etagenhäuser bilden die Stadtrand-Landschaft um Hagenbecks Tierpark in Hamburg-Stellingen.

Hakenkreuz-Schmierer halfen

Im Juni 1958, am gleichen Tage als Martin Buber die Stadt Köln besuchte und mit einem Empfang auf dem Ratsschiff geehrt wurde, teilte Paul Schallück die Gründung der „Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums“ mit.

Mein Vater war kein Trinker

Immer wieder wird mir von wohlmeinenden Freunden geraten, doch mal einen Roman zu schreiben, und zwar am besten gleich einen Bestseller oder wenigstens einen Gutseller.

Zeitmosaik

An der Universität Yale, einer der ältesten und traditionsreichsten amerikanischen Bildungsstätten, wurde Oktay Sinanoglu auf den Lehrstuhl für physikalische Chemie berufen.

Bertolt Brecht in Mailand

Wer von Mailand spricht und Theater meint, der denkt zunächst an „die Scala“. Das Opernhaus Teatro alla Scala ist ein nicht nur für Italien repräsentativer Name.

Student mit Bart

Ein bisher noch viel zu wenig beachtetes Problem des Studenten ist sein Bart. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß sich Studenten heute vor Problemen drücken, wo sie nur können, daß sie zum Konformismus neigen und sich nicht exponieren wollen, dann wäre es wohl der, daß die meisten keinen haben.

Kleiner Kunstkalender

„Kunst – Bücher – Autographen“ Was auf der ersten Auktion der neuen Galerie vom 10. bis 14. Juni angeboten wird, entspricht nach Umfang (3500 Nummern), Qualität und Anordnung dem von Gerd Rosen Gewohnten.

„Und sagte kein einziges Wort“

... daß der Autor, Heinrich Böll, seiner Erzählung nicht jene Dimensionen hinzuzufügen vermochte, die allein diese im einzelnen so wertvollen Monologe und Impressionen zu einem großen Roman gemacht hätten.

Film

„Eva will schlafen“ (Polen; Verleih: Neue Filmkunst): Eine Komödie blitzscharfer Art, voll verspielter Aggressivität und hakenschlagender Ironie.

Funk: „Tatort“

Gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk und dem Sender Freies Berlin wurde dieses Hörspiel des Autors Hans Kasper produziert. Kasper, der kürzlich für „Geh’ David helfen“ den Hörspielpreis der Kriegsblinden erhielt, leidet an Einfällen, die er als Basis für seine Konstruktionen benutzt.

Theater

Der Opernregisseur des Hessischen Landestheaters, Harro Dicks, erinnerte bei seinem Ausflug ins Schauspiel an den dänischen Komödiendichter Holberg (1684–1754), der mit den Lustspieltypen, die in die Weltliteratur eingegangen sind (wie der politische Kannegießer), das Dänische zur Literatursprache erhob.

Wer will eigentlich die Bildröhre schmähen?

INTERTEL, eine private internationale Fernseh-Produktionsgesellschaft in München, ist in den letzten Monaten mit einer Diskussionsreihe über Fernsehfragen hervorgetreten.

12.: Chas Addams

veröffent-lichte unter anderem „Drawn and Quartered“, „Monster Rally“, „Addams and Evil“, „Black Maria“ (Simon & Schuster, New York), „Dear Dead Days“ (Putnam, London) und deutsch „Gespensterparade“ (bei Rowohlt); weitere deutsche Ausgaben erscheinen bei Diogenes, Zürich.

Unser Seller-Teller Mai 1963

Für jeden etwas! Diese Devise entschied offenwarden Bücherkauf im wunderschönen Monat Mai. Und obwohl nun schon so viel Vergangenheit „bewältigt“ worden ist, daß manche – und gar nicht immer nur aus schlechten Gründen – Allergien entwickeln gegen Wort und Begriff, so wäre doch „Vergangenheitsbewältigung“ der geistige Hauptnenner, auf den sich drei unserer fünf Spitzenreiter bringen ließen: Hochhuths Papst-Drama und Sonnemanns politisch-soziologische Studie – wie schon im April gehabt.

Ablenkungsmanöver oder Buchkritik?

Heinrich Bölls neuer Roman „Ansichten eines Clowns“ erregt die Gemüter – mit Recht, glaube ich. Das mußte Böll erwarten, damit hat er gewiß auch gerechnet, sonst hätte er dieses zornige Buch nicht geschrieben.

Die Gegenwart der Könige

Dieses Buch wäre keines Verrisses wert, hätte sich Bernard von Brentano in den dreißiger Jahren, nicht als brillanter Zeitkritiker hervorgetan.

Im zweiten Jahrzehnt nach dem Kriege

Ein verheertes Land, wider Erwarten schnell aus den Trümmern auferstanden, nur die seelischen Brandstätten schwelen noch. Ein zerstücktes Deutschland, dessen zuckende Teile auseinander und zueinander streben.

Mein tiefstes Herz heißt Tod

Auf der Beratung des Politbüros des ZK der SED und des Präsidiums des Ministerrats der DDR mit Schriftstellern am 25. März dieses Jahres wetterte Prof.

Zu empfehlen

Michelangelo Antonioni: „L’avventura“, aus dem Italienischen von Annemarie Czaschke, mit einem Nachwort von Günter Rohrbach; Ausgewählte Filmtexte, Cinemathek 5, herausgegeben von Enno Patalas, Marion von Schröder Verlag, Hamburg; 144 S.

Protonen sollen aufeinanderprallen

Seit Beginn dieses Jahres versucht der Europäische Beschleuniger-Studienausschuß – ein unabhängiges Gremium von Fachleuten für Hochenergiephysik aus nahezu allen Ländern Westeuropas – die Frage zu klären, welche neuen Großgeräte gebaut werden sollten, damit die Hochenergiephysik in Europa Schritt halten kann mit der Entwicklung in den USA und der UdSSR.

Unentdeckte Pole

Monopolisten werden scherzhaft die beiden amerikanischen Physiker Henry H. Kolm und K. W. Ford und ihr japanischer Kollege Eiichi Goto genannt, die seit einigen Monaten nach magnetischen Einpolen (monopoles) suchen, nach Materieteilchen, die entweder nur einen Nordpol oder nur einen Südpol besitzen.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Einen neben Werkstoff von außerordentlich hoher Festigkeit, Härte und Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit sowie Insekten- und Bakterienbefall erhält man, wenn Holz mit einer flüssigen Kunststoffmasse imprägniert und anschließend mit hohen Dosen von Gammastrahlen beschossen wird.

Das Grab der Olympiade

Im Jahre 1958, als in Rom die Olympiabauten emporwuchsen, machten die italienischen Archäologen in der etruskischen Totenstadt bei Tarquinia einen aufsehenerregenden Fund.

Das Geschäft mit der Rüstung

Der Krieg ist der Vater aller Dinge, sagten die alten Griechen. Die modernen Amerikaner sagen das nicht. Dennoch hat der industrielle Fortschritt gerade in den USA und besonders seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges starke Impulse aus der gigantischen Rüstungsmaschinerie empfangen.

Am Rande vermerkt

Ludwig Kattenstroh, der bisherige „Wirtschaftsberater“ Adenauers, zögerte verständlicherweise nicht lange, als an ihn der Ruf erging, Staatssekretär im Bundesschatzministerium zu werden.

Der Leser schreibt...

Die Familie Hat im Zeitalter der Industrialisierung eine Umwandlung ihrer Einkommensgestaltung erfahren. Durch Jahrhunderte war sie eine Einheit von Produktions- und Konsumgemeinschaft; im Zeitalter der Industrialisierung wurde sie als Produktionsstätte ausgeschaltet.

Heiße Kühlschränke

Auch im italienischen Außenhandel machen sich Anzeichen einer Wandlung bemerkbar: Während die Importe immer noch tüchtig steigen, bleiben die Exporte eher zurück.

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